vielleicht zum letzten Mal…

Liebe Blogfreunde,

 

das Ende naht, in sechs Wochen werde ich schon wieder in Deutschland sein. Da sieht man mal, wie schnell so ein halbes Jahr rumgeht. Und da die letzten Wochen in Ghana noch einmal Reisezeit bedeuten kann es durchaus sein, dass dies der letzte Blogeintrag sein wird. Vielleicht schaffe ich es zwischen meinen beiden Besuchern eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse zu schreiben, aber versprechen kann und möchte ich nichts. Vielleicht schreibe ich am Ende noch mal ein Fazit, aber auch da gilt: alles kann, nichts muss…

 

Nun aber erst mal eine kleine Zusammenfassung der letzten Tage, here we go:

 

Generell ist in den letzten Tagen schon eine richtige Endzeitstimmung aufgekommen. Vor allem bei Ruven ist es der Fall, schließlich wird er schon in anderthalb Wochen Ghana verlassen und nach fast zwölf Monaten nach Deutschland zurückkehren. Aber auch bei uns anderen beginnt das innere Abschied nehmen. Auch wenn wir noch länger im Land sein werden, werden wir Denkyemuoso schon früher den Rücken kehren, bzw. nur noch für kurze Stippvisiten und zum Verschnaufen zurückkehren. Und da in der Schule dann Ferien sind, heißt es zumindest schon mal den Schülern Tschüss zu sagen.

Dies haben wir dann auch letzten Samstag offiziell getan. Am letzten „entertainment-Abend“ des terms wurde noch einmal ein DJ und Boxen gemietet, um ein letztes Mal Halli-Galli zu machen. Außerdem konnten die Schüler noch etwas performen und ein paar haben dann auch getanzt oder gesungen. Wir wollten uns natürlich auch nicht lumpen lassen und nachdem Fabi einen auf Eminem gemacht hat, kam Ruvens und mein großer Auftritt. Gemeinsam haben wir von Fettes Brot „Jein“ gerappt und ich muss zugeben, es war ein großer Spaß. Zwar war es etwas problematisch, da wir nur ein Mikro haben, aber es ging ja eh nur um den Spaß an der Freud‘ und anhand der Reaktion der Schüler würde ich schon sagen, dass unser Auftritt ganz gut angekommen ist. Danach wurde noch mal ordentlich abgefeiert und wieder mal war es faszinierend zu sehen, wie die Leute hier abgehen, wenn sie einfach nur Musik haben – echt stark!

 

Teil des Abschiedes sind natürlich auch die Examen, die am Ende des Schuljahres geschrieben werden. Vielleicht könnt ihr euch noch daran erinnern, dass wir am Ende des zweiten Terms Unmengen an Examen für die Lehrer abtippen mussten. Dieses Mal war es zum Glück nicht so schlimm. Wir haben dem Schuldirektor deutlich gesagt, dass wir gerne helfen, aber nicht als Deppen vom Dienst die Arbeit der Lehrer übernehmen. Und anscheinend haben die Worte gewirkt, viele der Lehrer haben ihre Arbeiten dann selbst abgetippt, so dass wir deutlich weniger zu schreiben hatten. Die paar restlichen Examen waren dann nicht der Rede wert und so haben wir noch im Büro ein bißchen geholfen, die Fragen auszudrucken und für die Examen vorzubereiten. Alles in allem recht unproblematisch und wie gesagt, helfen tun wir ja gerne, solange wir uns nicht ausgenutzt vorkommen. Würde zu gerne wissen, ob diese Praxis jetzt beibehalten wird oder ob die Neuen auch wieder als Schreibkräfte umfunktioniert werden.

 

Auch bei mir an der Grundschule standen ja die Abschlussarbeiten an und da die Grundschule nach der sechsten Klasse endet, gab es dieses Mal vom Ghana Education Service vorgegebene Vergleichsarbeiten. Und als ich letzten Mittwoch zur Mathearbeit kam, hat Linda mir schon gesagt, dass die Ergebnisse in den anderen Fächern nicht wirklich gut waren. Und als ich das Aufgabenblatt für das Matheexamen gesehen habe, war mir schon klar, dass auch die Resultate in diesem Fach nicht gut sein werden. Schon die Formulierung der Fragen war für einige meiner Schüler wohl schon zu viel, jedenfalls kann man dies aus den vollkommen wirren Antwortversuchen schließen. Teilweise wurden einfach irgendwelche Zahlen in den merkwürdigsten Formeln aufgeschrieben, die nichts mit der Aufgabenstellung zu tun hatte. Dementsprechend waren dann auch die Ergebnisse. Zum Verständnis, bei 40 % der erreichten Punkte hat man bestanden und leider war das nur bei meinem Klassenbesten der Fall, der es auf 49 % gebracht hat. Zwei oder drei andere Schüler waren noch zwischen 30 % und 40 %, der Rest unter ferner liefen. Wenn man es wohlwollend beschreiben will, ein recht ernüchterndes Ergebnis, man kann es auch katastrophal nennen. Aber ich würde gerne wissen, wie die Ergebnisse in anderen Schulen ausgesehen haben, ich kann mir nicht vorstellen, dass meine kids wirklich so dumm sind und sie die Ausnahme darstellen.

Jedoch muss ich auch zugeben, dass einige wirklich nicht das Niveau der sechsten Klasse haben und für das schlechteste Viertel wird die Schulkarriere nun wohl auch beendet sein. Wenn ich es richtig verstanden habe, dürfen diese Schüler nämlich nach den Sommerferien nicht die Junior Secondary School besuchen, jedenfalls nicht die staatliche. Keine Ahnung, ob sie auch ohne entsprechende Ergebnisse auf eine private Schule können, aber solange das Schulgeld gezahlt wird kann ich mir das schon vorstellen.

 

Gestern stand dann zum Abschluss des Schuljahres noch ein Ausflug an. Ziel war der Kakum National Park und Cape Coast Castle. Nach den für Ghana üblichen Verzögerungen ging es um 06.30 Uhr in einem viel zu kleinem Bus los. Nach viereinhalb Stunden Fahrt hatten wir unser erstes Etappenziel erreicht und es gab erst einmal ein mitgebrachtes Mittagessen. Danach ging es mit unserer fast 50 Personen zählenden Gruppe auf den Canopy Walkway. In ca. 30 Metern Höhe wurde im und über dem Regenwald eine Bretterkonstruktion befestigt, auf der man nun über dem Urwald spazieren kann. Nichts für Leute mit Höhenangst, ich fand es aber auf jeden Fall ziemlich gut. Auch die Schüler hatten jede Menge Spaß, für sie war es sicherlich ein tolles Erlebnis. Danach ging es zur ehemaligen Sklavenburg nach Cape Coast, wo wir noch eine informative Führung bekommen haben. Vorher hatte ich aber ein sehr unschönes Erlebnis, ich hatte nämlich das erste Mal das Gefühl wegen meiner Hautfarbe anders behandelt zu werden. Alle Lehrer sollten einen Cedi für die Führung bezahlen, nur ich sollte fünf bezahlen. Begründet wurde dies mit der Tatsache, dass es steuerliche Gründe habe, weil ich kein Ghanaer bin. Auf meinen Einwand, ob denn bei jedem Besucher der Ausweis kontrolliert werde um festzustellen, ob die Person vielleicht Nigerianer, Togolese oder Ivorer sei, gab es als Antwort, dass sie das sofort sehen würden. Diese Antwort hat mich nicht wirklich befriedigt und ich war richtig wütend. Ich habe dann aber die fünf Cedi bezahlt, damit die Schüler ihre Tour machen können.

Auch wenn es keine große Sache war muss ich doch zugeben, dass es mir ziemlich nahe gegangen ist. Ich möchte nicht wissen, wie es wohl für Afrikaner in Deutschland ist, die jeden Tag mit Ungleichbehandlungen oder Diskriminierungen oder sogar Fremdenfeindlichkeit konfrontiert werden. Was wohl in ihnen vorgeht, wenn sie Tag für Tag solche Erlebnisse ertragen müssen, ich könnte das nicht.

 

Mit diesem ernsten Thema möchte ich diesen Eintrag beenden, natürlich nicht ohne einen kurzen Ausblick auf die nächsten Tage zu geben. Am morgigen Freitag steht die Abschiedsfeier an. Wir haben bei den Küchenfeen ein Essen bestellt und haben einige Freunde und Bekannte eingeladen. Wir wollen ein paar Fotos zeigen und nach dem „offiziellen“ Teil noch in die Bar weiterziehen.

Samstagmorgen geht es dann für Fabi und mich nach Accra, wo wir abends seine Herzensschönste und meine Freundin und Magisterleidensgenossin Jenni vom Flughafen abholen. Sonntag geht es dann zurück nach Kumasi und am Dienstag werden sich all unsere Wege für’s erste trennen, bevor wir uns am Wochenende in Accra wiedertreffen um Ruven zu verabschieden.

 

Damit soll’s das auch gewesen sein, genießt den restlichen Sommer (haha!) und bis spätestens in Deutschland.

 

Ich freu mich auf euch!

 

Bis dann,

Andreas

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Schnelldurchlauf

Liebe Blogfreunde,

zwar ist mein letzter Eintrag noch gar nicht so lange her, aber da ich damals schon ein bißchen hintendran war, sind nun doch schon über zwei Wochen vergangen, in denen einiges passiert ist. Von daher geht’s auch schon los und dieses Mal versuche ich es wirklich kurz zu halten.

Der letzte Eintrag hat mit dem Abschied von Thomas geendet, der ab dem 03.07. ein paar Tage die Küste auf eigene Faust erkundet hat, während ich zurück nach Denkyemuoso gefahren bin, schließlich musste ich ja in die Schule.
Sonntagnachmittag war ich wieder zu Hause und habe auch direkt Stephan kennengelernt. Er ist ein junger Ingenieur, der sich bei den „Ingenieuren ohne Grenzen“ engagiert und an unserer Schule u.a. eine Solarpumpe installiert hat. Diese Pumpe wird der Schule in Zukunft einiges an Geld sparen, da nun kein Strom mehr für den Betrieb der Pumpe bezahlt werden muss. Geld, welches auch in die Verbesserung des Lehrbetriebes gesteckt werden kann.
Stephan hat auch bei uns im Zimmer gewohnt, jedoch haben wir von ihm nicht so viel von ihm mitbekommen, da er ständig auf Achse war. Und damit möchte ich es auch zu diesem Thema bewenden lassen. Wer mehr dazu erfahren möchte, muss sich bis zu meiner Rückkehr gedulden.

Am Montag ging es dann wieder in die Schule, wo ich erfahren habe, dass die Abschlussexamen noch früher beginnen als gedacht, nämlich bereits ab dem 14.07. und ich somit nur noch eine Woche zum Unterrichten hatte, in der ich den Schülern noch zwei Themen nahe bringen sollte. Wie ihr euch sicher vorstellen könnt war dies nicht sonderlich erfolgversprechend, aber was soll’s. Über die Umstände hab ich ja schließlich schon oft genug jammernd, da hieß es einfach Augen zu und durch.
Außerdem habe ich mich in dieser Woche begonnen um meine Zukunft zu kümmern. Das Ende meiner Zeit Ghana bedeutet ja gleichzeitig auch den Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Wenn ich zurück bin muss und will ich mal anfangen zu arbeiten. Aus diesem Grund habe ich meine Bewerbungsunterlagen mal auf Vordermann gebracht und auch schon drei Bewerbungen abgeschickt. So richtig wird der Bewerbungsmarathon war erst nach meiner Rückkehr legen, aber so habe ich mein Gewissen schon mal beruhigt, indem ich es schon mal versucht habe.

Ansonsten ist die Woche ohne besondere Vorkommnisse verlaufen und am Freitag habe ich mich direkt nach der Schule auf den Weg nach Accra gemacht um die letzten Tage von Thomas in Ghana gemeinsam mit ihm zu verbringen. Ich bin nachmittags angekommen und nachdem wir an der Straße eine Riesenportion Banku mit Okra gegessen haben, ging es noch auf zwei Bier in die rooftop bar, eine Bar auf dem Dach eines vierstöckigen Gebäudes, von dem man einen recht schönen Überblick über die Stadt hat. Dort hat Thomas dann von seinen Erlebnissen erzählt und wir haben über seine Zeit hier gequatscht und wie es ihm hier gefallen hat. Dass er ein paar schöne Tage hatte, war auch für mich beruhigend, schließlich war ich es ja, der ihn nach hier gelockt hat.
Am Samstag haben wir nach dem Frühstück erst einmal ein bißchen relaxt, bevor wir in ein anderes Hotel umgezogen sind. Danach sind wir ins Nationalmuseum gegangen, das durchaus interessant war, auch wenn es leicht unstrukturiert aufgebaut war. Aber vor allem eine Sonderausstellung über die Geschichte des Sklavenhandels, illustriert am Beispiel eines dänischen Sklavenschiffes, war gut gemacht und aufschlussreich. Danach sind wir noch ein bißchen durch die Stadt spaziert und haben uns doch gewundert wie wenig in der Stadt los ist, zumindest in den Vierteln, wo ansonsten gearbeitet wird. Total tote Hose. Den Nachmittag haben wir dann in einer Strandbar ausklingen lassen, wo wir bei einem Bierchen den Blick über’s Meer haben schweifen lassen und noch was gequatscht haben. Nach einem kleinen Nickerchen im Hotel hat mich Thommy dann noch zu einer Riesenportion Fufuo eingeladen und nachher gab’s noch ein Malzbier zum Abschluss des Tages.
Sonntagmorgen hieß es dann Abschiednehmen. Es waren ein paar sehr schöne Tage hier mit meinem Besucher und ich hoffe, dass auch meine zwei kommenden Gäste so eine gute Zeit in Ghana haben werden! Am 30.07. kommt ja schon meine liebe Freundin Jenni um mir die Zeit bis zur meiner letzten Etappe hier zu vertreiben.

Nach dem Frühstück ging es für mich aber nicht direkt nach Hause, sondern erst einmal nach Kumasi. Am Nachmittag war nämlich wieder Fußball angesagt, juchuh! Die U23 Ghanas hatte das entscheidende Qualifikationsspiel für die All African Games vor der Brust. Und das ausgerechnet gegen den Erzfeind Nigeria. Dummerweise ging das Hinspiel 1-3 verloren, so dass nun ein Sieg Pflicht war. Nachdem ich die Tickets besorgt hatte und mich mit den anderen Nasen getroffen hatte, ging es auch schon ins dieses Mal nicht so gut gefüllte Baba Yara Stadium. Dass die Stimmung dennoch recht gut war, lag wohl auch am frühen Führungstreffer der „Black Meteorits“. In dem recht munteren Spiel ging es zumeist in Richtung des nigerianischen Tors, aber bis zur Halbzeit sollte es beim 1-0 bleiben. Danach spielte Ghana munter weiter munter nach vorne und nach ca. 70 Minuten gelang dann das erlösende 2-0, das die erfolgreiche Qualifikation bedeuten würde. Und dieses Resultat konnte auch über die Zeit gerettet werden, wobei die vielen „schweren Verletzungen“ der ghanaischen Jungkicker gegen Ende der 90 Minuten schon recht lächerlich und nervend waren. Na ja, aber so kennt man es ja, nicht schön, gehört aber außerhalb Englands wohl dazu.
Die gute Stimmung nach dem Sieg sollte am Abend aber abrupt verfliegen. Zu Hause angekommen habe ich nämlich festgestellt, dass ich Dummbatz irgendwo am oder im Stadion mein Portemonnaie mit 30-40 Cedi, meinem neuen internationalen Studentenausweis und meiner Kreditkarte verloren hatte. Tolle Wurst! Natürlich war ich stinksauer über meine Trotteligkeit und auch eine Portion Nudeln mit Gemüsestew und Parmesan konnte mich nicht wirklich aufmuntern. Zum Glück konnte ich wenigstens meine persönliche Finanzbeauftragte erreichen, so dass sie die Karte sperren konnte. Kein toller Abschluss des Wochenendes, aber et kütt wie et kütt, wat fott is, is fott und lebbe geht weida.

Und zwar mit meinen letzten Tagen als Lehrer. Von Montag bis Mittwoch stand Wiederholung des gesamten Stoffes auf dem Plan. Ich hatte die Schüler gebeten über’s Wochenende mal in ihre Notizen zu schauen und mir dann zu sagen, wo sie denn Probleme hätten. Die Überraschung bei mir war aber trotzdem eher gering, als ich auf meine Frage, bei welchen Themen es denn noch Schwierigkeiten gibt, nur ein Schweigen geerntet habe. Na gut, dann habe ich halt einfach auf gut Glück was zu jedem Thema erklärt und Übungen machen lassen. Ganz sicher nicht das, was ich mir unter einer vernünftigen revision vorgestellt habe, aber wenn man einfach keine Fortschritte sieht oder wenigstens den Willen zum Lernen erkennt, verlässt einen auch irgendwann die Motivation. Am Dienstag lief es zwar etwas besser, aber ich hatte trotzdem nicht das Gefühl, dass die Schüler wirklich verstehen, was sie da machen. Am Mittwoch sollte eigentlich dann meine letzte Stunde sein, zu meiner Überraschung war dann aber doch schon die erste Klassenarbeit angesetzt. Linda wollte sie zwar erst mittags schreiben lassen, aber dann hätte ich nur noch knapp anderthalb Stunden Zeit gehabt und außerdem wären die kids eh total unkonzentriert gewesen. Von daher habe ich es dann gelassen und nur noch eine Runde Süßigkeiten verteilt. Und im Gegensatz zu den (teilweise erwachsenen) Schülern an der GGS haben sich auch alle brav bedankt und keiner hat sich beschwert, dass er nur eins bekommen hat. Und ja, trotz aller Probleme und der nur kurzen Zeit, die ich an der Schule verbracht habe, bin ich doch ein bißchen wehmütig geworden. Auch wenn es nicht so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe, gab es doch auch positive Momente und die Erfahrungen möchte ich auch nicht missen.

Donnerstag und Freitag standen dann ganz im Rahmen der „school prefect“-Wahlen. Hier gibt es für jeden möglichen Scheiß einen Beauftragten, die nun zum ersten Mal gewählt und nicht bestimmt werden sollten. In den Wochen zuvor konnten sich die Schüler für die diversen Positionen bewerben und am Donnerstagnachmittag hatten sie nun die Chance ihr „Programm“ vorzustellen und sich den Fragen der Schüler zu stellen. Wie nicht anders zu erwarten ging die ganze dreistündige Veranstaltung unter ständigem Gebrülle, Gejohle und Getrommel vonstatten. Somit habe ich auch nur die Hälfte der Veranstaltung wirklich verstanden, es war aber schon lustig zu sehen, wie so was hier abläuft. Und ein paar gute Reden waren auch dabei. Wirklich nervend waren nur mal wieder die Lehrer. Ich frage mich wirklich, wieso die sich über Respektlosigkeiten von Seiten der Schüler beschweren. Wenn man die Schüler nicht respektiert muss man sich nicht wundern, wenn auch nichts zurückkommt. Selbst wenn wie Schüler mal kurz ruhig waren, die Lehrer haben trotzdem hemmungslos weiter gequatscht. Schon traurig, dass die ganze Lehrer-Schüler-Beziehung hier nur auf Autorität und blindem Gehorsam beruht und nicht auf Zusammenarbeit.
Am Freitagmorgen fand dann die Wahl statt und als ausgebildeter Politikwissenschaftler habe natürlich gerne die Rolle als Wahlbeauftragter wahrgenommen. Ich habe also die Urne bewacht, die ihre Stimme abgebenden Schüler notiert und am Ende auch mit an der Auszählung teilgenommen. Und was dann passiert ist, kann man sich kaum vorstellen. Mit einem unglaublich hohen Maß an Kreativität, das die Schüler während der Schulzeit sehr gut zu verbergen wissen, haben sie eine symbolische Beerdigung für die Verlierer vorbereitet, inklusive provisorischem Sarg und Umzug zum „Friedhof“. Und natürlich wurde bei der Veröffentlichung der Ergebnisse erst mal richtig krass gefeiert. Die Gewinner wurden unter lautem Gebrüll auf den Schultern durch die Gegend getragen, mit Eimern voller Wasser überschüttet und mit Puder eingestaubt. Eine richtig geile Show, die sie da abgezogen haben!

Am Abend ist dann Appau vorbeigekommen um mit uns über den Fortgang des Sportplatzprojektes zu beraten. Um euch auch auf den neuesten Stand zu bringen: wir haben mittlerweile 5.000 Euro beisammen, was die Hälfte des von uns veranschlagten Betrages ist. Von daher schon mal ein dickes Dankeschön an die Spender und vielleicht ist es ja eine kleine Motivation für die anderen, auch noch den einen oder anderen Euro zusammenzukratzen. Jedenfalls haben wir Appau noch mal klargemacht, dass wir zwar eine qualitativ vernünftige Anlage wollen, aber auf irgendwelche Extras wie Tribünen oder Sitzbänke verzichten. So ein Schnickschnack kann ja immer noch gemacht werden, wenn der Platz mal fertig ist. Wir haben dann auch noch über den optimalen Standort für die Anlage diskutiert und es scheint, dass die Sache jetzt wirklich ins Rollen kommt.

Samstagvormittag bin ich mit Sabrina nach Kumasi gefahren um noch mal ein bißchen Stoff zu kaufen und Lebensmitte einzukaufen. Auf dem Rückweg hat dann Stephan angerufen, dass sich der Schnitt auf seinem Fuß, den er sich ein paar Tage zuvor zugezogen hatte, entzündet hat du nun ziemlich schmerzen würde. Schon ein mieses Timing, er sollte ja am kommenden Tag nach Accra fahren und wieder nach Hause fliegen. Er hatte schon die glorreiche Idee sich die Wunde mit einem Taschenmesser aufzuschneiden, wovon Ruven ihn aber gerade so noch abhalten konnte. Er hat sich dann erst mal mit Antibiotika von Sabrina begnügt, zum Arzt wollte er aber nicht. Nachdem wir mit Harriet Fufuo gepoundet und uns das Ergebnis haben schmecken lassen, sind die Schmerzen dann aber wohl doch so stark geworden, dass er nun doch zum Arzt wollte. Und da geteiltes Leid halbes Leid (oder in diesem Fall gevierteltes) Leid ist, sind wir alle mitgefahren. Um uns die Wartezeit zu verkürzen, haben wir uns dann aber ein Bier geholt und es draußen vor der Praxis getrunken, schon lustig. Na ja, es hat sich herausgestellt, dass der Doc in Bad Hersfeld gelebt hat und daher fließend Deutsch konnte. Nachdem Stephan nen Verband und ein paar Pillen bekommen hat, ging es dann auch wieder nach Hause.
Jedoch habe ich mich da schon ein bißchen schlapp gefühlt und bin direkt ins Bett. Nachts bin ich dann ein paar Mal aufgewacht und hatte Durchfall, Fieber, Schweißausbrüche und bin auch einmal zusammengeklappt. Alles eher uncool. Natürlich war jetzt die Frage, ob mich die Malaria nun doch erwischt hat, aber da ich „nur“ Fieber, Durchfall und ein bißchen Magenschmerzen hatte, es mir also noch recht gut ging, haben wir das ausgeschlossen. Und im Laufe des Tages habe ich mich auch langsam besser gefühlt, so dass ich Montagmorgen nach einer ordentlichen Mütze Schlaf fast wieder hergestellt war. Wahrscheinlich war es nur ein kleiner Infekt, also kein Grund zur Sorge. Mal schauen, ob ich die letzten 51 Tage weiterhin so viel Glück habe und es ohne Malaria nach Hause schaffe…

Tja, und gestern ist dann die letzte Woche an der GGS gestartet. Und zwar mit Fabis Geburtstag. 21 ist der Kleine geworden und damit wir auch ordentlich feiern können, gab es beim Frühstück die feierliche Öffnung des von Thomas mitgebrachten Käses und der Marmelade, hmmmm… Ein Geschenk hatten wir uns von Thommy auch mitbringen lassen, nämlich das tolle Kartenspiel Wizard, auf das Fabi total abgeht. Er hat sich auch sehr gefreut, sicherlich mehr als über die drei Komplettduschen, die er an seinem Geburtstag abbekommen hat. Ich muss schon sagen, dass ich ganz fro bin, dass ich an meinem Geburtstag nicht mehr hier bin, auf diesen Brauch steh ich nicht wirklich.

So, das war der Versuch eines Schnelldurchlaufs durch einen halben Monat. Demnächst gibt’s dann mehr von den letzten Schultagen und den Examen.

Bis bald,
Andreas

Voltaregion reloaded

Yo party people!

Nachdem ich euch letzte Woche schon von meinen ersten Tagen mit Thomas berichtet habe, hier nun eine kleine Zusammenfassung unseres Ausflugs in die Voltaregion. Ich war ja bereits als Ruven Besuch von seinen Freunden bekommen hat zwei Tage dort unterwegs. Und mir hat es landschaftlich so gut gefallen, dass ich unbedingt noch mal dorthin zurückwollte, zumal es noch einiges zu entdecken gab, was wir im April nicht geschafft haben.

Am 29.06. hat der Wecker um 05.00 Uhr geklingelt und es hieß auf nach Kumasi um einen Platz im Metro Mass Bus nach Hohoe zu ergattern. Regelmäßige Leser kennen diese Busse schon, hierbei handelt es sich um ein staatliches Unternehmen, dass alle großen Städte Ghanas zu äußerst geringen Preisen miteinander verbindet. Nach Hohoe fährt aufgrund der großen Entfernung aber nur ein Bus von Kumasi aus, so dass frühes Erscheinen am Abfahrtsort ratsam ist. Und wir hatten Glück, als wir gegen 06.45 Uhr am Bus ankamen waren nur noch wenige Plätze frei. Dies hatte zur Folge, dass wir auch nicht mehr so lange auf die Abfahrt warten mussten und um 07.30 Uhr losgerollt sind. Die Entfernung zwischen Kumasi und Hohoe ist eigentlich nicht besonders groß, aber da der Voltastausee zwischen den beiden Städten liegt, ist ein großer Umweg leider nicht zu vermeiden. Somit waren wir inklusive zweier Pausen knapp sieben Stunden unterwegs, aber noch nicht am Ziel unserer Reise angekommen. Mit dem Tro-Tro ging es weiter nach Wli, wo wir die nächsten zwei Nächte in einer kleinen, von Deutschen betriebenen Lodge, übernachten sollten. Und man kann es nicht anders formulieren, wir haben wirklich einen Glücksgriff getan. Wir hatten ein kleines, sauberes Zimmer mit eigenem Bad für 26 Cedi und vom Garten hat man einen schönen Blick auf den bekannten Wasserfall. Auch die Küche konnte sich sehen lassen. Für ein Hotel waren die Preise wirklich akzeptabel, zudem es große Portionen gab. Mit uns war noch ein in Frankreich lebendes US-amerikanisches Pärchen mit ihren zwei adoptierten ghanaischen Mädchen und einem Freund da, mit denen wir auch den ein oder anderen Plausch gehalten haben. Außerdem haben wir an einem Nachmittag noch ein bißchen mit der sechsjährigen Tochter und dem Freund der Familie ne Runde Fußball gespielt, was richtig Laune gemacht hat. Aber kommen wir zum interessanten Part.
Im April war ich, wie gesagt, schon mal in Wli. Leider konnten wir damals nur den unteren der zwei Wasserfälle besuchen. Sabrina ist damals noch ein paar Tage dageblieben und hat dann noch eine Tour zum oberen Wasserfall gemacht, von dem sie durchaus begeistert war. Da diese mit einer längeren Wanderung verbunden ist, wollte ich die Tour auch noch gerne machen. Also ging es am Donnerstagmorgen höchst motiviert zum Besucherzentrum um von dort zu starten. Bereits am Abend zuvor hatte ich versucht unseren netten Guide von letzten Mal, Wisdom aka Mighty, zu erreichen, aber leider ging er nicht an sein Telefon. Umso größer war dann natürlich die Freude, als er mich auf dem Weg zum Büro erkannt hat. Schließlich hatte ich im vor zwei Monaten schon gesagt, dass ich noch mal wiederkommen würde. Somit war auch klar, dass wir natürlich seine Dienste in Anspruch nehmen würden um zum oberen Wasserfall zu wandern.
Nachdem wir uns für die fünfstündige Tour entschlossen und bezahlt hatten, ging es auch schon los. Zuerst ging es auf den Weg zum unteren Wasserfall als wir dann plötzlich ins Unterholz abgebogen sind und uns mit Stöcken bewaffnet haben. Und die konnte man wahrlich gut gebrauchen! Die nächsten zwei Stunden ging es querfeldein, über Stock und Stein, auf und nieder immer wieder. Im Ernst, es war wirklich ziemlich anstrengend, da auch die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit nicht wirklich wanderfreundlich waren und es teilweise steil nach oben ging. Aber gleichzeitig war es ein Riesenspaß und genau das, was ich machen wollte, seitdem ich die Berge das erste Mal vom Tro-Tro aus gesehen hatte. Und dass sich die Anstrengungen gelohnt haben, war uns klar, als wir dann am oberen Wasserfall angekommen waren. Im Vergleich zum unteren ist dieser zwar kleiner und daher weniger beeindruckend, aber durch seine Abgeschiedenheit viel naturbelassener und ruhiger. Es war wirklich wunderschön da oben, aber nach einer kleinen Verschnaufpause und einem Picknick sind wir wieder aufgebrochen. Baden wollten wir nämlich am unteren Pool, am oberen Wasserfall war es nämlich ziemlich windig und daher doch recht kühl. Also ging es auf demselben Weg wieder runter und nach einer insgesamt vier Stunden langen schweißtreibenden, aber sehr schönen und spaßigen Wanderung waren wir dann am beeindruckenden unteren Wasserfall angekommen, wo wir uns nach einer kurzen Verschnauf- und Bananenpause dann badefertig gemacht haben. Bevor wir uns ins kühle Nass gestürzt haben, musste ich aber natürlich noch meinen kleinen, orangen Oktopus-Kumpel Thees aus dem Rucksack befreien, der selbstverständlich auch mit unterm Wasserfall planschen wollte. Nach der damit natürlich verbundenen Fotosession ging es dann auch wieder zurück in Richtung Lodge, wo wir den restlichen Nachmittag fußballspielenderweise, vor allem aber mit Lesen und Relaxen verbracht haben. Abends gab es dann wieder was leckeres zu Essen, noch ein Bierchen sowie ein paar schmachvolle Niederlagen für mich beim Heckmecken, bevor wir gegen 21 Uhr todmüde ins Bett gefallen sind.
Am nächsten Morgen stand dann ein weiteres Abenteuer an. Zusammen mit unserem guide Wisdom wollten wir in den Nachbarort fahren um dort eine Höhlenwanderung zu unternehmen. Aber zuerst haben wir eine Stunde lang unsere ghanaische Lieblingssportart betrieben: warten. Als wir dann immer noch kein Tro-Tro oder Taxi ergattern konnten, haben wir ein verwegenes Abenteuer gewagt. Wisdom hat einen Motorradfahrer gefragt, ob der uns nicht die ca. acht km fahren könnte, was der dann auch für fünf Cedi gemacht hat. Wenn ihr jetzt aber glaubt, dass er uns in drei Etappen einzeln gefahren hat, geht das doch ziemlich an der ghanaischen Realität vorbei. Natürlich haben wir drei uns irgendwie mit auf den Sitz gequetscht und sind zu viert auf einer kleinen Maschine die paar Kilometer ins übernächste Dorf geknattert. Gemütlich war es natürlich nicht, aber ein sehr aufregendes Erlebnis, an das ich mich dank einer Brandwunde am Bein (blöder Auspuff…) auch noch lange erinnern werde. Am Ziel angekommen musste erst einmal ein guide geholt werden, so oft kommen wohl keine Touris vorbei. Laut Mightys Aussage hat unser guide gerade Besuch von einem wohl recht attraktiven Mädchen bekommen, das mit ihm den Republic Day feiern wollte… Im Nachhinein noch mal eine dicke Entschuldigung für die von uns zu verantwortene Verzögerung 😉 Nach Bezahlen des Eintritts ging es dann auch los in Richtung Höhlen. An einer Abzweigung hatten wir die Wahl zwischen einer anstrengenden Abkürzung und dem längeren, regulären Pfad. In unserem jugendlichen Übermut und mit unseren vom Vortag gestählten Waden haben wir uns natürlich für die Abkürzung entschieden. Zwar war der Weg weniger holprig als der am Vortag, aber dafür ging es für eine halbe Stunde fast andauernd steil nach oben. Und ich muss zugeben, zwischendurch musste ich schon an meine Grenzen gehen und zwei-, dreimal ordentlich verschnaufen und durchpusten. Aber die Aussicht, die wir von da oben genießen konnten, war Entschädigung für jeden einzelnen Schweißtropfen, einfach atemberaubend!
Doch das wahre Abenteuer sollte ja erst noch kommen. Mit unserem guide ging es zu und in insgesamt sechs Höhlen, in denen die Dorfbewohner vor einigen Jahrhunderten Zuflucht vor ihren Feinden gesucht haben. Die Höhlen waren jetzt an sich nicht besonders beeindruckend, aber die Kletterpartien zu den verschiedenen Verstecken waren ein großartiges Erlebnis. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, sonst machen sich Mama und die Omas im Nachhinein noch Sorgen, wobei doch alles gut gegangen ist. Aber in Deutschland würde man so eine Tour nur machen können, wenn man durch Seile gesichert ist, einen Helm trägt und diverse andere Sicherheitsmaßnahmen beachtet. Wir sind hingegen einfach so (manchmal gab es ein Seil zum Festhalten) am Abgrund langgekraxelt und im Dunkel durch die Höhlen gekrochen. Nicht ganz ungefährlich, aber genau wegen solcher Abenteuer macht man solche Touren ja. Mit dem ganzen security-Gedöns wäre es sicherlich nur halb so spaßig gewesen. Nach der ca. einstündigen Tour und einer kleinen Picknickpause inklusive tollem Panoramablick ging es dann wieder vom Berg, und dieses Mal auf der „gemütlichen“ Seite, herunter und zurück nach Wli. Da haben wir dann eben unsere Sachen aus der Lodge geholt um über Hohoe zum Affenschutzreservat nach Tafi Atome zu fahren. Das letzte Teilstück durften wir auch hier wieder auf dem Rücksitz eines Motorrades zurücklegen, dieses Mal aber ganz brav jeder auf seinem eigenen Motorrad 🙂
Nachdem wir uns angemeldet und unser Zimmer, übrigens dasselbe wie bei meinem ersten Besuch, bezogen hatten, haben wir direkt eine kleine Tour durch’s Dorf gemacht und dabei bereits die ersten Affen entdeckt, die wir eine Viertelstunde beim Kämpfen beobachtet haben. Den Rest des Nachmittags haben wir dann lesenderweise (ist ja schließlich Urlaub…) verbracht und abends ging es nach einem Bierchen, das wir uns nach den Anstrengungen auch verdient hatten, früh ins Bett. Schließlich ging am nächsten Morgen um 06 Uhr die Führung durch den ans Dorf angrenzenden Wald inklusive Affenfütterung los. Ganz entgegen der Gewohnheit war unserer ghanaischer guide auch pünktlich, dafür hatten zwei unserer weißen Mitstreiter wohl verpennt, sowas soll’s auch mal geben 😉 Auch Thees war wieder mit am Start, schließlich will ich mir nicht vorwerfen lassen, dass er bei und mit mir nichts erlebt hätte! Die Fütterung der Affen war natürlich wieder das Highlight, ist schon ein lustiges Gefühl einen kleinen Affen auf dem Arm sitzen zu haben, der versucht eine Banane aus der Hand zu grapschen.
Nach einem umfangreichen, ausgiebigen und sehr leckeren Frühstück (Tee, Brot, Margarine) haben wir uns dann auch direkt auf den Weg gemacht. Unser Ziel war Aburi, eine Kleinstadt im Dunstkreis von Accra, die vor allem durch den 1890 eröffneten Botanischen Garten bekannt ist, der auch unser Ziel war. Davor stand aber eine beschwerliche Reise, zumindest hatte ich dies erwartet. Doch nichts da! Bei drei von vier Umstiegen mussten wir weniger als zwei Minuten (!) auf unsere nächste Fahrtmöglichkeit warten und auch bei unserem einzig längeren Zwischenstopp hat die Zeit gerade gereicht um uns einen kleinen Snack zu besorgen und uns zu stärken. So waren wir dann auch schon gegen Mittag in Aburi und nachdem wir ein Hotel gefunden hatten ging es auch schon in den Botanischen Garten. Auch wenn dieser von Ausflüglern und Kirchengruppen bevölkert war (Wochenende halt…) und es dementsprechend recht laut zuging, war es doch ganz nett da. Wir sind einmal durchspaziert und haben ein paar ruhige Ecken gefunden. Auf einer Bank haben wir dann ein bißchen relaxt und die letzten Tage Revue passieren lassen.
Mir hat der Trip großen Spaß gemacht, die Landschaft in der Voltaregion ist einfach umwerfend und das Wandern hat irre Laune gemacht. Außerdem war es noch mal gut ein paar Tage aus dem Alltagstrott rauszukommen, bevor jetzt der Endspurt losgeht. Das beste war aber natürlich die Zeit mit einem Freund zu verbringen und endlich mal jemandem nahebringen zu können, was ich hier alles erlebt habe und was Ghana so ausmacht, auch wenn wir nur an der Oberfläche kratzen können. Bevor es dann ins Hotel zurückging haben wir uns noch mit einer leckeren Portion Fufuo gestärkt und Thomas hat ein paar Souvenirs gekauft. Ich habe auch mal zugeschlagen und bin jetzt stolzer Besitzer eines Schlüsselanhängers in Form eines kleinen Holzelefanten.
Am nächsten Morgen haben sich Thomas‘ und meine Wege dann vorerst getrennt. Ich bin zurück nach Kumasi gefahren während Thommy in den folgenden Tagen die Küste erkunden und ein bißchen Strandurlaub, den er sich auch redlich verdient hatte, machen wollte.

Tja, und damit sind wir auch schon am Ende meines/unseren kleinen Reiseberichts angelangt. Mittlerweile sind wieder ein paar Tage vergangen und morgen geht’s für mich nach Accra um die letzten beiden Tage von Thomas Ghanabesuch gemeinsam mit ihm zu verbringen. Ihr werdet diese Zeilen aber erst lesen, wenn er schon wieder in Deutschland ist, aber das macht nüscht.

Ich kann nur sagen, dass ich die Zeit mit meinem Besuch sehr genossen habe und ich mich unheimlich gefreut habe, dass er weder Kosten noch Mühen gescheut hat, mich hier zu besuchen. Danke! Und da wir noch ein paar „Andenken“ im Kühlschrank haben, wird diese Freude noch ein paar Tage anhalten 😉
Gleichzeitig steigt schon die Vorfreude auf die nächste Besucherin, denn in gut drei Wochen wird Jenni in Accra landen und dann werden wir, nachdem wir ein gutes Dreivierteljahr engste Lern-, Suppen- und Apfelkollegen waren, einen verdienten Magisterurlaub machen. Ich freue mich…

Bis dahin gibt es natürlich noch ein paar Neuigkeiten aus Denkyemuoso inklusive Solarpumpe, Schulende, etc. Also, seid gespannt.

Viele Grüße,
Andreas

Kindergarten & Thomas

Liebe Blogfreunde,

 

hier mal wieder Neuigkeiten aus dem fernen Ghana. Da ich in den letzten Tagen unterwegs war will ich gar nicht lange rumschnacken sondern direkt loslegen.

 

Am 23.06. war der große Tag der Kindergarteneröffnung gekommen. Wie nicht anders zu erwarten waren die letzten Arbeiten noch nicht abgeschlossen, so dass noch am frühen Morgen geklopft, gehämmert, gefegt und dekoriert wurde. Zumindest von außen sah das Gebäude dann auch wirklich gut aus, der erste Eindruck muss halt stimmen für die Gäste. Im Inneren muss auf jeden Fall noch was gemacht werden, mal schauen, ob das auch noch zeitnah geschieht oder ob das jetzt wieder aufgeschoben wird, wo der zeitliche Druck weg ist.

Um 10.30 Uhr ging dann die Eröffnungsfeier los, an der auch Vertreter von Politik und Medien, sowie der Chief samt seines Gefolges teilgenommen haben. Schön war, dass es keine steife Veranstaltung war, sondern dass die KG-Kids, die ja im Zentrum des Ganzen standen, auch wirklich miteinbezogen wurden. Sie haben ein paar Lieder gesungen und eine kleine Aufführung gemacht, was wirklich niedlich war und alle Anwesenden begeistert hat.

Leider konnte ich die offizielle Eröffnung dann nicht mehr erleben, da ich mich auf den Weg nach Accra machen musste, um Thomas vom Flughafen abzuholen. Die Reise war auch unproblematisch, so dass ich um 20 Uhr am Flughafen war und eine Viertelstunde später kam auch schon eine SMS von Thomas, dass er gelandet ist und nun nur noch das Prozedere von Pass- und Zollkontrolle hinter sich bringen müsse. Ab diesem Moment war ich richtig gespannt und auch ein kleines bißchen aufgeregt. Nachdem ich bereits zweimal mit am Flughafen war als die anderen Besuch bekommen haben, würde nun auch ich endlich wieder ein bekanntes Gesicht wiedersehen. Und eine halbe Stunde später war es dann so weit. Nach der Begrüßung hieß es dann aber erst mal warten. Da unsicher war, ob ich Thomas abholen könne oder nicht, hatte er vorsichtshalber ein Zimmer in einem Hotel mit Shuttle-Service gebucht. Bis die anderen Gäste dann auch da waren haben wir schon mal ein bißchen gequatscht und Thomas hat die ersten ghanaischen Snacks probiert, die ich mitgebracht hatte. Im Hotel und im Zimmer angekommen musste ich mich erst einmal an den ungewohnten „Luxus“ gewöhnen: Fernseher, Klimaanlage, fließendes, heißes Wasser! Natürlich hatte das auch seinen Preis, das Doppelzimmer hat 130 US-$ (!) gekostet. Sobald man hier höheren Standard möchte, gehen die Preise direkt unverhältnismäßig in die Höhe, so dass ein Zimmer auf normalem europäischen Niveau deutlich teurer ist als zu Hause. Dies ist aber auch verständlich, wenn man bedenkt, dass die Hotels qualifiziertes Personal benötigen, Getränke und Speisen sowie Technik und Baumaterialien importieren müssen. Aber was soll’s, ich habe diesen ungewohnten Luxus, der auch ein umfangreiches Frühstücksbuffet eingeschlossen hat, sehr genossen.

Am nächsten Morgen sind wir dann aber in ein deutlich günstigeres Hotel umgezogen, bevor wir dann durch Accra gelaufen sind. Wir haben die wenigen Sehenswürdigkeiten besucht und sind einfach durch die Stadt gelaufen, damit Thomas mal einen ersten Eindruck einer afrikanischen Stadt gewinnt. Nach einer kleinen Pause ging es dann am frühen Nachmittag in eine Chop Bar, wo es dann auch schon direkt eine ghanaische Mahlzeit (Red-Red) für meinen Besucher gab, die ihm gut geschmeckt hat. Danach konnte ich mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und wir sind ins „Creamy inn“ gegangen, wo ich mir, wie bei meinem letzten Accra-Besuch, ein Eis gegönnt habe. Genießen konnte ich es aber nicht wirklich, was an den Gästen am Nachbartisch lag. Es sah aus wie ein Kindergeburtstag von etwa einem Dutzend 15-16 Jahre alter ghanaischer Kids, die den Tisch voller Fast Food und Hähnchenschenkeln hatten. Als sie dann fertig waren, sind dann insgesamt fünf unberührte Teller mit Reis zurückgegangen. Da musste ich dann doch kurz schlucken. Nur ein paar Kilometer entfernt verrecken die Leute, weil sie nicht genug zu essen haben und hier wird das Essen einfach weggeschmissen. Wenn man dieses krasse Wohlstandsgefälle hautnah mitbekommt ist es dann doch was anderes, als wenn man in Deutschland sagt, dass irgendwo in der Welt die Leute verhungern und wir leben im Überfluss. Auf jeden Fall hat mir das wieder klar gemacht, wie gut es uns eigentlich geht und jeder, der in Deutschland jammert, wie schlecht es ihm doch geht, sollte sich diese Vorstellung mal ins Gedächtnis rufen. Na ja, der Tag fand dann aber noch ein positives Ende. Wir sind noch auf zwei Bier in die rooftop-Bar gegangen, von der man einen netten Ausblick über Accra hat und haben über alles Mögliche gequatscht, bevor wir um 21.15 Uhr todmüde ins Bett gefallen sind.

 

Am nächsten Morgen ging es dann zur bus station, wo wir uns wegen des Gepäcks gegen ein Tro-Tro und für einen luxuriöseren Bus mit Klimaanlage und deutlich mehr Platz entschieden haben. Das Problem ist, dass es ungleich länger dauert, bis der Bus voll ist, so dass wir noch fast drei Stunden bis zur Abfahrt warten mussten. Das Schlimmste sollte aber noch kommen: Die ersten anderthalb Stunden Fahrt, die aufgrund der miserablen Straßenverhältnisse eh schon eine Qual sind, wurden uns dann noch durch einen Prediger versüßt, der uns 45 Minuten lang auf Twi angebrüllt hat, sowie einen Pillenverkäufer, der den Reisenden irgendwelche Wundermittelchen andrehen wollte. Man kann es sich kaum vorstellen, aber ich war wirklich froh, als endlich der Fernseher mit den ghanaischen Schundfilmen angestellt wurde 😉

In Denkyemuoso stand dann erst mal Kennenlernen von Umgebung und den anderen Leuten auf dem Programm, bevor Thomas weiter in die ghanaische Küche samt ihrer Obstspezialitäten eingetaucht ist und wir den Abend einer Runde Wizard abgerundet haben.

 

Den Sonntag haben wir dann ruhig angehen lassen. Nach einem gemütlichen Frühstück sind wir zum Markt gefahren, haben eingekauft und waren im Internet-Café. Am Nachmittag stand dann schon ein weiteres Ghana-Highlight auf dem Programm. Wir haben, mit Hilfe unseres ghanaischen Freundes Eric, selber Fufuo gemacht und auch Thomas hat eine Runde gestampft, wobei er sich wirklich geschickt angestellt hat. Dementsprechend gut hat es uns dann auch geschmeckt, selbstgemachtes Essen schmeckt halt immer noch am besten 🙂

 

Der Montag hielt dann eine Premiere für mich bereit: zum ersten Mal, seit ich hier bin, hat es am Morgen geregnet. Das hatte natürlich Auswirkungen auf meinen Unterricht, denn die Schüler (und übrigens auch die anderen Lehrer) kamen erst nach und nach zur Schule. Aber so ist das halt hier, wenn es regnet… Nach der Schule sind Thomas und ich dann nach Kumasi gefahren, wo wir eine Erkundungstour über den Central Market gedreht haben. In diesem unüberschaubaren Gewusel lässt man sich am besten einfach von der Menge treiben, ein geordnetes Durchgehen ist eh nicht möglich. So haben wir dann auch nur zufällig die „Fischabteilung“ gefunden, die es aber in sich hatte. Dutzende, vielleicht Hunderte von Ständen, an denen Unmengen an Fisch verkauft wurde: frisch, geräuchert, getrocknet, usw. Und auch wenn alles in Körben und auf Tischen gelagert wird, ist es nicht unappetitlich, eher im Gegenteil. Es hat sehr gut gerochen und ich hatte schon Lust auf ein schönes Stück Fisch. Leider ist es auf dem Markt viel zu eng und zu hektisch, als dass man mal Fotos machen könnte. Aber man muss die gesamte Atmosphäre mit all seinen Sinnen aufnehmen, auf Bildern kommt die Stimmung, die auf dem Markt herrscht, nicht im entferntesten rüber. Von daher müsst ihr wohl nach hier kommen, wenn ihr euch ein Bild vom Kejetia Market machen wollt.

Abends stand dann noch ein Treffen mit Albert auf dem Programm , auf dem wir mal ein paar Probleme angesprochen haben, die uns bewegen und was man in Zukunft verbessern könnte. Albert ist wirklich ein unheimlich faszinierender Mensch, der eine unheimliche Präsenz ausstrahlt und bei dem man das Gefühl hat, dass er hier Sachen wirklich verändern kann. Er versteht halt die ghanaische Mentalität, hat aber gleichzeitig keine Scheu auf Probleme hinzuweisen und Kritik zu üben, so dass er Sachen bewegen kann.

 

Der Dienstag ging dann, schon wieder, mit Regen los. Nicht dass das hier zur Gewohnheit wird. Oder liegt es einfach an Thomas? Auf jeden Fall ein bißchen blöd für ihn, denn während es in Afrika regnet und ich wegen der Kälte sogar eine lange Hose anziehen musste, hat Deutschland unter Temperaturen von über 35 Grad geächzt, verrückt. Nichtsdestotrotz war auch heute wieder Unterricht angesagt und dieses Mal habe ich Thomas mitgenommen, so dass er mal einen Einblick in mein Leben als Lehrer gewinnt. Und auch er war von den selben Dingen geschockt wie ich: schlechte Sprachkenntnisse, mangelndes Interesse und die fehlende Fähigkeit eben Gelerntes auf andere Sachverhalten anzuwenden.

Um 13 Uhr sollte dann noch ein Meeting mit Albert sowie Mitgliedern des GGFA stattfinden. Auch hier konnten wir Thomas das typische Ghana präsentieren. Um 13 Uhr war natürlich niemand bei uns und es hat auch keiner angerufen, dass sich das Treffen verzögert. Stattdessen kam dann um 13.50 Uhr jemand um Bescheid zu sagen, dass wir jetzt den Ausflug machen würden, der eigentlich nach dem Meeting stattfinden sollte, und zwar sofort. Tja, das ist halt Ghana 🙂

Dieser Ausflug mit Albert und Appau, dem Architekten des Vereins, führte uns zuerst zu einem alten Freund von Albert, von dem wir mit leckersten Bananen und Orangen (sooo saftig!) versorgt wurden. Danach ging es zu einem Workcamp, wo der Sohn eines Bekannten von Albert aus München für fünf Wochen ist. Auch er hat schon einiges der hiesigen Mentalität mitbekommen. Denn leider konnte er noch nicht am Bau einer Schule teilnehmen, weswegen er eigentlich hier ist. Denn trotz gegenteiliger Ansagen war weder Werkzeug noch Baumaterialien vorhanden, so dass er nichts machen konnte. Wir haben so etwas zwar bereits auch kennengelernt, aber wenn man nur fünf Wochen im Land ist kann das schon sehr frustrierend sein. Der Höhepunkt des Tages erwartete Sabrina, Thomas und mich dann aber auf der Rückfahrt. Da wir noch jemanden aus dem Workcamp mit nach Kumasi genommen haben, war leider nicht genug Platz auf der Rückbank. Somit sind wir auf die Ladefläche geklettert, wo wir dann stehenderweise einen Großteil der Rückfahrt verbracht haben. Ziemlich lässig und ein Heidenspaß, so was könnte man in Deutschland nie machen und so haben wir dieses Abenteuer dann auch sehr genossen. Den Abend haben wir dann in der Bar ausklingen lassen, was angesichts des für Thomas und mich anstehenden Programms vielleicht nicht die beste Idee war. Am nächsten Morgen hat nämlich bereits um 5 Uhr der Wecker geklingelt und wir haben uns auf den Weg in die Voltaregion gemacht. Doch davon mehr beim nächsten Mal…

 

So viel schon vorweg, wir haben viel erlebt und hatten eine Menge Spaß. Ich bin gut wieder in Kumasi angekommen, nachdem sich unsere Wege am gestrigen Sonntag getrennt haben. Thomas erkundet jetzt die Küste, während ich die letzte Unterrichtswoche an der Schule bestreite und wir dem fleißigen Ingenieur bei der Installation der neuen Solarpumpe und der generellen Optimierung der Wasserversorgung zu Hand gehen. Ihr seht, es gibt viel zu tun. Mehr dazu dann in ein paar Tagen.

 

Gehabt euch wohl!

 

Andreas

Mango-Dinner und Kindergarten

Liebe Blogfreunde,

 

schnell noch einen neuen Eintrag, bevor morgen ein paar spannende Wochen beginnen.

 

Hinter uns liegt ein sehr langes Wochenende, da es an der Schule von Donnerstag bis Montag mid-term-Ferien gab. Dementsprechend hieß das für uns, dass wir mittags nun kein Essen aus der Schulkantine bekommen würden. Also haben wir uns nach Alternativen umgeschaut und haben uns gegen Kochen entschieden. Da wir am Donnerstag alle große Lust auf Fufuo hatten, sind wir am Nachmittag in eine Chop Bar gegangen und haben uns eine Portion des leckeren Maniok-Kochbananen-Breis gegönnt. Und weil es so lecker war und wir nichts zu tun hatten, haben wir uns danach noch ein Bierchen in der Bar gegönnt. Es war ein richtig gemütlicher Nachmittag und es hat uns so gut gefallen, dass wir das am Freitag gleich wiederholt haben. Schon wurden wir herzlich von den Mitarbeiterinnen begrüßt und eine Frau hat mich auch direkt gefragt, ob ich sie nicht heiraten möchte. Tja, so schnell geht das hier… Auch am Montag waren wir wieder da um eine Runde Fufuo zu futtern und mittlerweile werden wir schon begrüßt wie langjährige Stammgäste. Ich weiß auch nicht, wie sie es schaffen uns nach ein paar Besuchen direkt wiederzuerkennen 🙂 Übrigens werde ich gleich wieder dort zu Mittag essen, da es an der Schule mittwochs Red-Red gibt, das ich aufgrund des dafür benutzten roten Palmöls leider nicht vertrage.

 

Am Wochenende ging zudem Sabrinas Geburtstag in die nun aber wirklich letzte Runde. Wir hatten ihr ja ein „perfektes Mango-Dinner“ zum Geburtstag geschenkt und das wollten wir Samstag zubereiten. Nachdem wir mittags auf dem Markt alles eingekauft hatten, ging es gegen 15 Uhr los mit den Vorbereitungen. Als Vorspeise sollte es eine Mango-Tomaten-Suppe mit Ingwer geben, als Hauptgang dann Mangoreis mit Hühnchen und Salat und zum Dessert ein Mangosorbet. Da unsere Kochutensilien sehr begrenzt sind und wir nur über zwei Gaskochplatten verfügen, wurde natürlich viel improvisiert. Zum Glück hat uns Fabis Gastmutter ihren Mixer ausgeliehen, der uns die Arbeit doch erheblich erleichtert hat. Ohne groß um den (Mango-) Brei herumzureden: es war sehr lecker! Doch noch mehr als das Essen habe ich das Kochen genossen. Endlich mal wieder „richtig“ in der Küche arbeiten und was leckeres zaubern, da freue ich mich jetzt auch wieder in Deutschland drauf. Da wir keine Rezepte hatten und auf gut Glück ausprobiert haben war das Dinner aber natürlich nicht perfekt. Die Suppe war doch ziemlich scharf und weniger Ingwer hätte es auch getan, aber die Suppe werde ich auf jeden Fall zu Hause noch mal Nachkochen. Der Mangoreis war zwar nicht besonders geschmacksintensiv, aber doch war es etwas anderes als man sonst bekommt. Der Nachtisch hingegen war der Knaller, da kann ich nicht anders als uns selbst loben. Einfach das Mangofleisch vom Kern lösen und in den Mixer und dann das Ganze ohne irgendwelche Zusätze in Tassen und ab ins Eisfach. Dann haben wir noch ein paar Melonenwürfel geschnitten und sie oben drauf gelegt und wieder ins Eisfach. Kurz vorm Dessert dann in den Kühlschrank, antauen lassen und fertig war das leckerste Mangoeis, das ihr euch vorstellen könnt. Einfach nur der pure, erfrischende Fruchtgeschmack. Das war wirklich der Hammer.

 

Der Sonntag war dann eher ereignisarm, jedenfalls bis zum späten Nachmittag. Da habe ich nämlich erfahren, dass mich auch noch meine liebe Freundin Jenni zu besuchen gedenkt! Da wir gemeinsam unsere Magisterarbeit geschrieben haben und auch danach oft zusammen für die Prüfungen gelernt haben, ist dies dann unser kleiner „Magisterurlaub“, den wir uns auch redlich verdient haben. Sie kommt pünktlich zum Ende des Schuljahres und wird Ghana zwei Tage vor Lisas Ankunft verlassen, so dass ich die letzten fünf Wochen quasi am Stück unterwegs bin und mir bestimmt nicht langweilig wird. Ich freu mich jetzt schon!

 

Montagabend haben wir uns dann mit Albert, dem Präsidenten des Deutsch-Ghanaischen Freundschaftskreises, getroffen. Er kommt aus Denkyemuoso, hat die Schule gegründet und ist wegen der Kindergarteneröffnung nun hier. Wir haben lange über alles Mögliche, hauptsächlich aber unsere Erfahrungen in Ghana, gequatscht. Dabei kam dann auch das Thema auf die doch vorhandenen Sprachprobleme. Hier gibt es sicherlich von beiden Seiten Verbesserungspotential. Die Deutschen sollen versuchen besser die lokale Sprache Twi zu lernen, während die Ghanaer mehr Englisch sprechen sollen um die Praktikanten mehr einzubeziehen. Hier muss ich auch ganz selbstkritisch gestehen, dass meine anfängliche Motivation die Sprache zu lernen dann doch schnell nachgelassen hat. Ein paar Wörter und die wichtigsten Phrasen beherrsche ich zwar, aber da ich die Sprache wahrscheinlich nicht wieder gebrauchen werde, habe ich dann auch rasch mit dem Lernen aufgehört. Das Problem ist aber auch, dass wir uns die Sprache quasi selber beibringen müssen, es gibt keinen Twi-Unterricht oder dergleichen. Lediglich Fabi spricht mittlerweile recht gut Twi, was vor allem daran liegt, dass er in einer ghanaischen Familie lebt. Von daher halte ich es auch für eine gute Idee, dass die kommenden Freiwilligengenerationen bei Einheimischen untergebracht werden sollen. So lernen sie nicht nur schneller und besser die Sprache, sondern lernen auch das Leben in Ghana viel besser kennen und die Integration wird deutlich vereinfacht.

Ansonsten ging es vor allem darum, wie wir uns fühlen, ob wir zufrieden sind und was uns an unseren jeweiligen Situationen gefällt und nicht gefällt und wie wir diese Sachen ändern können. Insgesamt ein dufter Abend und ich denke, dass sich Albert unsere Anliegen wirklich zu Herzen nimmt und wir somit auch zu Veränderungen beitragen können.

Natürlich ging es auch um das große Thema Kindergarteneröffnung, wobei sich Albert mit dem Stand der Vorbereitungen alles andere als zufrieden gezeigt hat. Die letzten Tage muss auf jeden Fall noch richtig rangeklotzt werden, damit am Donnerstag auch alles bereit ist. Und dass Albert hier ordentlich Druck macht wurde uns dann Dienstagvormittag klar, als ein Planierfahrzeug die doch ziemlich erodierte und kaum noch zu befahrene Lehmstraße an der Schule eingeebnet hat. Ich bin mal gespannt, ob da auch nach der KG-Eröffnung noch was passiert um die Situation langfristig zu verbessern. Wenn nämlich nichts gemacht wird, sieht es in ein paar Monaten wieder genauso aus wie vorher und das kann ja nicht Sinn der Sache sein.

 

So, das soll es auch schon gewesen sein. Morgen ist der große Tag dann endlich da, der neue Kindergarten wird feierlich eröffnet. Ich muss mich jedoch schon während der Zeremonie vom Acker machen, da für mich der Höhepunkt des Tages erst am Abend stattfindet, wenn ich Thomas am Flughafen in Accra abhole. Nach genau vier Monaten sehe ich zum ersten Mal wieder ein vertrautes Gesicht wieder, die Vorfreude kennt keine Grenzen 🙂 Nach einem Tag in Accra geht es dann Samstag nach Kumasi und von dort aus am Dienstag oder Mittwoch in Richtung Voltaregion. Und nach diesem Kurztrip stehen auch schon die letzten Wochen in der Schule an, wir werden zwei Wochen einen jungen Ingenieur bei uns haben und auch sonst wird sicherlich noch viel passieren. Ihr seht, die Zeit vergeht momentan rasend schnell und ich bin mir ziemlich sicher, dass die bis zu meinem Abflug verbleibenden 78 Tage sehr schnell verstreichen wird.

 

Macht es gut und bis die Tage,

Andreas

Geburtstag

Hallo liebe Blogfreunde,

in der vergangenen Woche ist wieder einiges passiert, daher hier eine kleine Rekapitulation der Ereignisse.

Beginnen wir direkt mit dem Highlight der letzten Woche, dem Tripelgeburtstag am 10.06. Sabrina hat ihren 29. Geburtstag gefeiert, die Schneiderlehrerin Harriet ist 35 geworden und unser „Chef“ Sarkodie hatte seinen „Geburtstag-Tag“. Dazu vielleicht eine kleine Erklärung. Die Ashanti haben alle einen traditionellen Namen, der sich vom Wochentag ableitet, an dem sie geboren worden sind. Somit spielt dieser Tag in ihrem Leben stets eine besondere Rolle. Sarkodie wurde zwar erst am Sonntag 30 Jahre alt, da er aber einem Freitag geboren wurde, hat er kurzerhand auch am 10. Mitgefeiert.
Jedoch gingen die Festivitäten bereits am Donnerstagabend los. Wir haben ganz gemütlich einen Film geguckt als Sabrina einen Anruf erhielt. Unsere Freundin Mary hat sie dann zu sich gebeten, damit sie ihren Geburtstagskuchen abholt. Wir waren natürlich ganz gespannt, was sich dahinter verbergen sollte und waren baff als Sabrina wieder zurück war. Sie hatte nämlich einen herzförmigen Kuchen mit einer dicken Schokoladen- und Zuckergussschicht mitgebracht! Und damit noch nicht genug. Obendrein gab es noch eine Flasche Wein, die Mary im Auftrag des Vereinspräsidenten besorgt hatte. Wir konnten und wollten natürlich nicht bis zum nächsten Tag warten um den Kuchen zu probieren. Also haben wir, nachdem Mary und Sarkodie vorbeigekommen sind, bereits um 22 Uhr ein Stück Kuchen verputzt und die Flasche Wein geleert. Aber das war ja vollkommen ok, in Deutschland war schließlich schon Sabrinas Geburtstag gekommen. Und da sie nun „offiziell“ Geburtstag hatte, kam sie auch in den Genuss der besonderen ghanaischen Art zu feiern. Diese zeigt sich dergestalt, dass die Person, die etwas zu feiern hat, nämlich mit Wasser bespritzt wird. Was ein Glück, dass wir immer ein paar 500ml-Pakete Wasser im Kühlschrank haben. So hat Sabrina dann ihre erste Geburtstagsdusche bekommen.
Am nächsten Morgen stand dann direkt die nächste an. Zuerst gab es bei der Morgenansprache eine kleine Überraschung. Ruven und Fabian haben mit ihren Deutsch-Klassen nämlich „Zum Geburtstag viel Glück“ eingeübt, so dass es ein kleines Ständchen gab. Und auch die Schüler kennen natürlich die „ponding“-Tradition und haben Sabrina noch einen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet. Danach ging es kurz zu Harriet, die ja auch Geburtstag hatte und die, neben den üblichen Gratulationen, auch eine kleine Dusche bekommen hat.
Ist schon ganz lustig, jedenfalls wenn man lediglich Zuschauer oder „Befeuchter“ ist, aber als Geburtstagskind ist es schon ein bißchen nervig, dauernd nass gemacht zu werden. Zum Glück ist es hier ja meistens warm genug, dass die Klamotten schnell wieder trocken. Mal schauen, wie diese Tradition ankommt, wenn ich sie nach meiner Rückkehr (natürlich erst NACH meinem Geburtstag) in Deutschland einführe. Es stehen im Herbst ja durchaus noch ein paar Geburtstage unter meinen Lesern an…
Wir haben Sabrina dann eine Wassermelone geschenkt und dazu noch einen Gutschein für ein Mango-Dinner, da sie der größte Mango-Fan ist, den ich je getroffen habe. Mal schauen, wann wir das Menu kochen, aufgrund unserer begrenzten Mittel wird es sicherlich nicht ganz so einfach. Abends sollte dann eine kleine Feier stattfinden, die Sabrina, Harriet und die Küchenfeen bereits vorbereitet hatten. Nachmittags haben wir einen Klassenraum leergeräumt und ein paar Stühle und Tische aufgestellt, so dass es um 19 Uhr losgehen konnte. Für Musik war auch gesorgt und die Deutschen (und sogar zwei Ghanaer!) waren um Sieben versammelt und nachdem die restlichen Gäste nach und nach eingetrudelt waren ging es dann um 19.45 Uhr los. Zuerst gab es ein paar kurze Dankesworte der Feiernden, wobei der Dank an Gott für alles und jeden natürlich nicht fehlen durfte. Dann begannen einige Anwesende auch schon das Tanzbein zu schwingen. Vor allem Harriet legte einige beeindruckende Moves auf’s Parkett und hat jeden angetanzt, der sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnte. Dies lag wahrscheinlich auch daran, dass wir zu diesem Zeitpunkt bereits zwei oder drei Sangria-Packungen geleert, die die hochmotivierte Harriet verteilt, aber vor allem selbst konsumiert hatte. Zwischendrin gab es dann noch das von den Catering-Mädels zubereitete Essen – leckeren Reis mit einem tollen Salat (sogar mit Kartoffeln), sowie eine erneute Dusche für die Geburtstagskinder. Danach gab es noch einen Kuchen, der auch nicht zu verachten war. Zu diesem Zeitpunkt galt aber die ganze Aufmerksamkeit bereit Harriet, die wie ein Derwisch durch den Raum fegte. Vielleicht wären zwei-drei Becher Sangria weniger besser gewesen. Sie war schon ziemlich betrunken. An und für sich ja kein Problem, sowas muss ja auch mal drin sein. Dumm nur, dass wir ja in der Schule gefeiert hatten und somit auch einige Schüler mit im Raum waren bzw. draußen gestanden und zugeguckt haben. Um 21 Uhr war dann aber auch Ende, schließlich müssen die Schüler ne halbe Stunde später im Bett sein und da ist es klar, dass die Musik dann aus ist und wir nicht weiterfeiern können. Das war auch ganz gut so, so konnten wir Harriet dann auch überreden nach Hause zu gehen, was gar nicht so einfach war, da sie total aufgedreht war.
Wir Praktikanten haben den großen Geburtstag dann noch gemütlich mit einem Bier in der Bar ausklingen lassen.

Am Sonntag stand dann Teil 2 des Tripelgeburtstags an. Wir haben Harriet und Sarkodie zu deutschen Pfannkuchen eingeladen. Natürlich ganz uneigennützig, schließlich mögen wir alle Pfannkuchen nicht so wirklich gerne 😉
Da wir ja Gäste erwarteten gab es dieses Mal auch die doppelte Menge, so dass wir über ne Stunde an unserem kleinen Gaskocher an den Pfannen standen. Am Ende hatten wir ca. 40 Pfannkuchen, was natürlich viel zu viel war, vor allem da Harriet nicht gekommen war und lieber in die Kirche gegangen sind. Na ja, sie hatte ja auch einige Sünden zu beichten 🙂
Wir hatten jedoch einen schönen Vormittag, vor allem mit Sarkodie war es richtig nett. Ansonsten ist er immer im Stress und hat kaum Zeit. Wenn er dann aber mal ein paar Minuten hat, geht er richtig aus sich raus und erzählt und erzählt.

Am Montag hatte uns dann der Alltag wieder. Neben dem üblichen Schulprogramm, waren wir diese Woche vor allem mit unserem Kochbuch-Projekt beschäftigt. Wie einige sicherlich wissen sammeln wir ja Spenden für den Bau eines Sportplatzes. Und als kleines Dankeschön für die Spender haben wir eine kleine Sammlung ghanaischer Rezepte zusammengestellt, die wir durch unsere eigenen Kreationen ergänzt haben. Nachdem wir die Rezepte geschrieben haben sind wir nun mit der Feinarbeit beschäftigt und hoffen Ende der Woche fertig zu werden. Falls ihr am Ergebnis interessiert seid und auch ein Freiwilligenkochbuch haben wollt – ganz einfach: ein bißchen Geld spenden und schon gibt’s die Ghanaisch-Deutsche Küche auch bei euch zu Hause.

Der Höhepunkt der Woche, soviel ist jetzt schon sicher, fand schon am Mittwoch statt. Am Montag ist die Schulsekretärin Millicent in die Klinik gekommen, da bei ihr die Wehen eingesetzt haben. Dienstagabend war es dann soweit, ihre kleine, noch namenlose Tochter, hat das Licht der Welt erblickt. Und Mittwochmittag war sie dann wieder hier an der Schule und wir konnten einen ersten Blick auf den kleinen Wurm werfen. Ich glaube, ich habe noch nie einen Menschen so frisch nach der Lieferung gesehen. Unfassbar süß, die Kleine. Noch ganz zerknautscht, dafür aber erstaunlich viele Haare auf dem Kopf. Und mit den krausen Locken sieht das Baby natürlich noch ne ganze Ecke niedlicher aus. Beiden geht es den Umständen entsprechend gut und da am Mittwoch auch die kurzen Midterm-Ferien begonnen haben, ist es an der Schule auch schön ruhig, so dass die Erholung deutlich leichter fällt.

Bei mir an der Grundschule gibt es zum Glück keinen Midterm, worüber ich aufgrund der eh schon knappen Zeit froh bin. Seit dieser Woche habe ich auch meinen freien Mittwoch geopfert um einen Tag mehr Unterricht geben zu können. Vielleicht werde ich den Schülern auch noch anbieten an einem Nachmittag Nachhilfe zu geben, damit die mangelnde Beschäftigung mit dem Stoff wenigstens ein wenig kompensiert wird. Schau’n mer mal…

Ansonsten ist die Kindergarteneröffnung das große Thema. Wie schon erwähnt ist am Donnerstag der große Tag da. Mittlerweile werden die letzten Arbeiten abgeschlossen, so dass alles rechtzeitig fertig wird. Bereits am Montag kommt der Gründer des Deutsch-Ghanaischen Freundschaftskreises und der Schule nach Denkyemuoso und wird sicherlich einiges zu erzählen haben.

Des Weiteren bekommen Ruven und ich Ende des Monats einen neuen Mitbewohner. Aus Deutschland kommt ein Ingenieur, der eine neue Wasserpumpe installieren wird und der dann für die Zeit bei uns unterkommt. Bin schon gespannt, wie das wird und ob wir auch mit anfassen dürfen /bzw. sollen.

Das soll es soweit erst mal gewesen sein. Falls der nächste Blogeintrag etwas auf sich warten lassen sollte, bitte seht es mir nach. Schließlich bekomme ich nächste Woche Besuch, der dann natürlich Vorrang genießt.

Bis bald,
Andreas

Fußball

Liebe Leser,

 

nachdem ihr zuletzt ein bißchen länger auf einen Blogeintrag warten musstet, geht es jetzt Schlag auf Schlag. Und der Grund dafür ist ein sehr schöner: ich war nämlich bei einem Fußballspiel!

 

Aber der Reihe nach. Eins meiner Ziele war ja den Länderpunkt Ghana zu machen, also ein Fußballspiel hier in Ghana zu besuchen. Bisher hatte es aus den unterschiedlichsten Gründen leider nicht geklappt zu einem Match des lokalen Erstligaclubs Asante Kotoko zu gehen und langsam wurde es eng, schließlich neigt sich auch hier die Saison dem Ende entgegen. In der vergangenen Woche erhielten wir dann aber die Info, dass das nächste Qualifikationsspiel der ghanaischen Nationalmannschaft für den Afrika Cup 2012 in Kumasi stattfinden sollte. Nachdem es ein paar Unklarheiten über das Spieltagsdatum gegeben hatte wurde uns dann von diversen Quellen bestätigt, dass das Match gegen den Kongo am Freitag um 17 Uhr angepfiffen werden sollte. Für Ruven und mich war natürlich klar, dass wir uns das nicht entgehen lassen konnten. Vor allem, da Ruven und Fabian bei ihrem ersten Besuch eines Spiels der Black Stars nur ein müdes 0-0 gegen den Sudan mitverfolgen durften.

Nach dem Mittagessen ging es dann am Freitag in Begleitung von Sabrina, die ihr erstes Live-Fußballspiel erleben sollte, Richtung Kumasi. Nachdem wir die erste Teilstrecke im shared taxi zurückgelegt hatten, mussten wir auf ein weiteres Taxi warten, das in unsere Richtung fuhr. Am Straßenrand haben wir schon ein bißchen Aufmerksamkeit erregt, was wohl daran lag, dass ich zur Feier des Tages mein Ghana-Trikot angezogen hatte. Und so viele Obroni laufen nun wirklich nicht im ghanaischen Trikot herum. Wahrscheinlich lag es auch an meiner Aufmachung, dass plötzlich ein Auto am Straßenrand hielt und der Fahrer uns herangewinkt hat. Ihr könnt euch sicherlich denken, was dann passiert ist. Er hat uns gefragt, wo wir hinwollten und als wir darauf antworteten, dass wir zum Stadion fahren, hat er uns gesagt, dass wir einsteigen sollen, da er auch auf dem Weg dorthin sei. Das Angebot haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen, besonders angenehm war, dass der Wagen auch noch eine Klimaanlage hatte. Das sollte sich auf der Fahrt auch bezahlt machen. Freitagnachmittags ist in Kumasi, wie in eigentlich jeder größeren Stadt der Welt, natürlich Verkehrschaos angesagt. Wenn dann auch noch die Nationalmannschaft spielt ist natürlich klar, dass es dann noch mal ne Ecke schlimmer ist. So haben wir für eine Strecke von weniger als zehn Kilometern dann auch über eine Stunde gebraucht, zum Glück hatten wir das einkalkuliert, so dass wir ca. anderthalb Stunden vor Anpfiff am Stadion waren.

Und die Vorfreude stieg bei mir dann so richtig an, als ich die Flutlichtmasten und den ersten Blick auf die Tribüne werfen konnte – endlich wieder Fußball im Stadion! Am Baba Yara Stadium angekommen stellte sich dann erst einmal die Kartenfrage: Kurve, Gegengerade, Haupttribüne oder VIP? Hat man die Eintrittspreise für ein höherklassiges Spiel in Deutschland im Kopf werdet ihr jetzt wahrscheinlich in Tränen ausbrechen. Für ein offizielles Qualifikationsmatch der ghanaischen Nationalmannschaft zahlt man für den Sitzplatz in der Kurve nämlich vier Cedi, also weniger als zwei Euro! Auf der Gegengerade sitzt man für sechs, auf der Haupttribüne für zehn und im VIP-Bereich fünfzehn Cedi. Stellt euch das mal vor, ihr wollt ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft im VIP-Bereich anschauen und müsst dafür sieben Euro zahlen, der Knaller! Nun denn, wir haben uns gegen die Haupttribüne entschieden und haben versucht Karten für die Kurve zu bekommen. Dies sollte sich jedoch als schwierig gestalten, da es an den Schaltern kaum noch Karten gab. Dies lag an den äußerst fleißigen Schwarzmarkthändlern, die uns von allen Seiten Tickets unter die Nase hielten. Anscheinend haben sie alle ihr ganzes Geld zusammengekratzt und dutzendweise Karten gekauft um sie dann mit einem Aufschlag von zwei Cedi weiterzuverkaufen. Sehr geschäftstüchtig, die Jungs. Nach einer etwas längeren Suche haben wir dann noch Tickets für fünf Cedi bekommen und haben dann ca. 70 Minuten vor Anpfiff den Block geentert.

Da der Afrika Cup 2008 in Ghana stattfand und auch in Kumasi Spiele absolviert wurden, genügt das Stadion dank der damaligen Renovierungsmaßnahmen vollkommen europäischen Ansprüchen. 40.000 Sitzplätze, die Haupttribüne ist überdacht und es gibt eine Videoleinwand. Ein richtig schönes Fußballstadion, nur die Laufbahn stört ein wenig. Besonders angenehm war, dass es keine festen Plätze gab, sondern wir uns aussuchen konnten, wo wir sitzen wollten. Und kaum im Rund angekommen, ging es auch schon los mit „afrikanischer Fußballatmosphäre“. In beiden Kurven haben sich verschiedene Gruppen (ca. 100-200 Leute) versammelt, die alle gleich gekleidet waren und schon weit vor Anpfiff richtig Alarm gemacht haben. Da wurde geklatscht, gesungen, getanzt, getrommelt und getrötet. Richtig geile Stimmung, ohne dass irgendetwas passiert, das hat schon richtig Lust auf mehr gemacht und ich war doch etwas euphorisiert. Auch die Vuvuzelas, die natürlich nicht fehlen durften, waren live nicht annähernd so schlimm, wie es sich im TV immer anhört. Natürlich sollte sich der Nebenmann keine dieser Tröten kaufen, dann wird es nämlich dann doch ziemlich laut und anstrengend, aber zum Glück war das nur für die letzten zwanzig Minuten der Fall, von daher noch alles ok.

Die Zeit bis zum Anpfiff haben wir uns dann mit Rumgucken, ein bißchen tanzen und verpflegen vertrieben und 15 Minuten vor Anpfiff hat sich dann auch Kwakye, der Gastvater von Fabi, zu uns gesellt, dem wir vorher noch ne Karte besorgt hatten. Und somit kommen wir zum unerfreulichen Teil des Nachmittags. Der Himmel sah nämlich den ganzen Tag schon eher unfreundlich aus und noch im Auto auf dem Weg zum Stadion gab es schon den ersten Schauer. Und während der Anpfiff immer näher rückte, kamen auch die dicken, grauen Wolken immer näher. Ca. zehn Minuten bevor es dann losgehen sollte fing es dann auch, Regenzeit halt, ordentlich an zu schütten. Da Sabrinas kleiner Regenschirm den Wassermassen nicht wirklich gewachsen war, haben wir recht schnell resigniert und den Regen einfach ertragen. Hilft ja nichts und es ist ja nur Wasser. Und kalt ist es schließlich auch nicht, wobei die ein oder andere Windböe bei mir schon für Gänsehaut gesorgt hat. Als dann aber die Mannschaften auf’s Spielfeld kamen, ging die Party richtig los. Ich weiß nicht ob es trotz oder gerade wegen des Regens war, aber als alle pitschnass waren, war eine total ausgelassene Stimmung und alle haben getanzt und gesungen, absolut genial! Zum Glück war der Schauer dann auch nach zwanzig Minuten vorüber und wir konnten uns auf das Spiel konzentrieren.

In der ersten Halbzeit war Ghana das deutlich aktivere Team, obwohl der Kongo gut mitgehalten hat und vor allem bei Kontern und Standards gefährlich war. Aber angetrieben von Mickael Essien und vor allem Kevin-Prince Boateng kamen die Black Stars doch einige Male gefährlich vor’s Tor, wo der Ball dann aber vertändelt und / oder die Chance leichtfertig vergeben wurde. So ging es dann mit einem 0-0 in die Halbzeit und ich habe Ruven schon einreden wollen, dass er ein Unglücksbringer ist.

In der zweiten Halbzeit ging es dann aber direkt mit einer schönen Kombination los, die von einem Kongolesen nur per Foulspiel gestoppt werden konnte, wofür er die gelb-rote Karte sah und was somit eine 40-minütige Überzahl für Ghana bedeutete. Die wurde dann auch bald ausgenutzt, als nach einer Ecke der völlig blank stehende und auch ansonsten starke Isaac Vorsah zum 1-0 einköpfen konnte. Dies sorgte natürlich wieder für ausgelassene Stimmung auf den Rängen, die zehn Minuten später noch besser wurde, als Prince Tagoe zum 2-0 abstauben konnte. Dass es danach aber noch mal spannend wurde lag am eigentlich ziemlich guten ghanaischen Torhüter Richard Kingson, der an diesem Nachmittag nicht wirklich überzeugen konnte. Um die 75. Minute wollte er einen Rückpass kurz außerhalb des Strafraums mit der Brust annehmen und sich dann selbst per Fuß in den Sechzehner zurücklegen, um ihn dort mit der Hand aufnehmen zu können. Dies klappte allerdings nicht so wie gedacht und da dummerweise noch ein kongolesischer Stürmer in der Nähe war, konnte er die Kugel ins leere Tor bugsieren. Jedoch war nicht lange zittern angesagt, nach einem leichten Ballverlust der kongolesischen Abwehr konnte Agyeman (?) mit einem sehenswerten Fernschuss den alten Abstand wieder herstellen. Bis zum Abpfiff gab es dann keine Höhepunkte mehr, so dass der wichtige Sieg auf den Tribünen gefeiert werden konnte.

Nach dem Schlusspfiff leerte sich das Stadion dann aber doch recht bald und wir haben uns auch auf den Weg zu Kwakyes Auto gemacht, der uns netterweise mit nach Hause nehmen wollte. Dies war auch sehr gut, da es nämlich ne halbe Stunde nach Abpfiff wieder ordentlich angefangen hat zu schütten. Aber da saßen wir zum Glück schon im Auto und waren auf dem Weg nach Hause. Dort angekommen hieß es dann erst einmal raus aus den immer noch feuchten Klamotten und rein in die gemütliche Jogginghose und den wärmenden Pullover (!). Um uns auch noch von innen aufzuwärmen gab es dann noch einen Kakao um den äußerst gelungenen Tag abzurunden.

 

Insgesamt war es ein richtig tolles Erlebnis mal ein Fußballspiel in Afrika im Stadion zu schauen. Die Stimmung war ziemlich genial, auch wenn sie sich doch deutlich von dem unterscheidet, was ich aus deutschen Stadien kenne. Aber genau das hat den Tag so besonders gemacht und auch der Regenschauer hat mit dazu beigetragen.

 

Auch sonst langweilen wir uns hier nicht. Vor ein paar Tagen waren wir auf der Hochzeit einer unserer Küchenfeen, die den Architekten des Kindergartens und Mitglied der Ghanaian German Friendship Association geehelicht hat. Natürlich wird in der Kirche geheiratet, so was wie eine standesamtliche Hochzeit gibt es hier nicht. Auch wenn der Gottesdienst (der zum Glück nicht so lange gedauert hat) auf Twi war und ich somit nicht allzu viel verstanden habe, war es doch ein nettes Erlebnis. Leider konnte ich mich nicht dazu aufraffen mit den anderen tanzen zu gehen, aber auch wenn die Kirchen hier nicht so aussehen wie unsere deutschen Kirchen, kann ich mich dort einfach nicht richtig entspannen und Spaß haben.

Wir sind dann auch noch zur „Feier“ geblieben, wobei diese nicht mit einer deutschen Hochzeitsfete zu vergleichen ist. Diese fand nämlich im Untergeschoss der Kirche mit ca. 150 Leuten statt. Hauptbestandteil der ca. zweistündigen Feier war ein Spiel, bei dem es darum ging möglichst viel Geld einzusammeln. Hierbei steht das Brautpaar unter einem Luftballonbogen und ein Moderator nennt dann verschiedene Cedi-Beträge (von 50 bis runter zu einem), für die ein Luftballon zerstochen werden konnte. Dazu gab’s dann noch ein paar Reden und am Ende gab’s für jeden Gast noch eine Tüte mit einem kleinen Snack und Getränk und dann war das Ganze auch schon wieder vorbei. Immerhin gab es eine Hochzeitstorte, von der dann jeder Gast auch ein paar Krümel abbekommen hat. Wie so oft bei solchen Veranstaltungen dreht sich eigentlich alles ums Geld. Auf der einen Seite schon etwas schade, andererseits aber auch durchaus verständlich, schließlich sind mit so einem Fest ja auch enorme Kosten verbunden. Aber mir würde es trotzdem besser gefallen, wenn der monetäre Aspekt weniger offensiv in den Mittelpunkt gestellt werden würde.

 

Ansonsten ist der Juni wohl der Monat der Feste. Am Freitag haben unsere liebe Schneiderin Harriet und Sabrina Geburtstag, was wir ein bißchen feiern werden und am 23. ist dann endlich die Kindergarteneröffnung. Dazu kommt auch der Gründer des Deutsch-Ghanaischen Freundschaftskreises aus München nach Denkyemuoso. Ich bin mal gespannt, wie das wird. Und am selben Abend landet dann auch schon Thommy in Accra, den ich dann spätestens Freitag abholen werde. Zusammen mit ihm werde ich dann noch ein bißchen reisen und dann haben wir auch schon Juli und das Schuljahr neigt sich dem Ende zu.

 

In der Schule wird es jetzt deutlich stressiger, da wir notgedrungen auf die Tube drücken müssen. Momentan steht jeden Tag ein neues Thema auf dem Programm, damit wir möglichst viel bis zum Ende des terms durchbekommen. Dies bedeutet aber leider, dass ich dadurch nicht wirklich auf die Probleme der Schüler eingehen und problematische Aufgaben vertiefen behandeln kann. Die wenigsten Schüler verstehen die Themen direkt beim ersten Mal, aber es fehlt wegen des Streiks einfach die Zeit die Themen ausgiebig durchzugehen. Schon eine recht unbefriedigende Situation für mich, aber auf der anderen Seite ist den Schülern ja auch nicht geholfen, wenn wir am Ende nicht alle Themen behandelt haben und die dann am Ende in der Klassenarbeit abgefragt werden.

 

Na gut, das soll es für heute gewesen sein. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr noch auf der Homepage bei Radio Fritz nach dem „Blue Moon“- Podcast vom 06.06.11 suchen und ihn gegebenenfalls runterladen. Dort haben wir, bzw. Ruven und Sabrina, ein fast halbstündiges Interview über unsere Zeit hier in Ghana gegeben. Viel Spaß damit.

 

Bis bald und alles Gute,

Andreas

PS: Fotos folgen in den nächsten Tagen…