Schulalltag

Hallo liebe Ghana-Freunde,

solltet ihr diesen Blogeintrag heute am Donnerstag lesen, dürft ihr mir heute zur Halbzeit gratulieren. 97 Tage meines kleinen Afrikaabenteuers liegen jetzt hinter mir und noch einmal derselbe Zeitraum liegt jetzt noch vor mir. Und die kommende Hälfte wird wahrscheinlich noch mal aufregend, was vor allem an meinen zwei (vielleicht sogar drei) Besuchern liegt, auf deren Kommen ich mich schon freue.

Korrektur: Wir befinden uns schon in der zweiten Hälfte. Eigentlich wollte ich den Eintrag am Donnerstag veröffentlicht haben, aber mein malader Körper hat mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber kein Grund zur Sorge, nichts ernstes und ich bin mittlerweile auch wieder voll auf der Höhe. Aber weiter mit dem Eintrag…

Natürlich werde ich in den kommenden Wochen auch noch unterrichten und versuchen meinen Schülern ein bißchen Mathe beizubringen. Und von meinen diesbezüglichen Versuchen handelt auch der heutige Eintrag.
Wie schon beim letzten Mal geschrieben begann der Unterricht nicht am 02., sondern erst am 09. Mai. Und von der ersten eher schleppend verlaufenen Woche habe ich euch ja auch schon berichtet.
Am 16.05. sollte ich dann wirklich loslegen, da aber noch nicht alle Schüler ihre „graph books“ hatten, habe ich noch mal wiederholt. Diese Kleinigkeiten machen wohl den größten Unterschied zu Deutschland aus, es ist einfach nicht selbstverständlich, dass die Schüler alle Unterrichtsmaterialien besitzen. Mal fehlt der Bleistift, mal ist das Heft voll und kein Geld für ein Neues da. Daran muss man sich erst mal gewöhnen.
Und auch ansonsten lief es in den letzten beiden Wochen nicht so gut, wie ich es mir erhofft hatte. Das größte Hindernis ist dabei eindeutig die Sprachbarriere. Zwar versuche ich möglichst langsam, laut und deutlich zu sprechen und auch einfaches Englisch zu benutzen, aber ich habe oft das Gefühl, dass mich die meisten Schüler überhaupt nicht verstehen. Jedoch liegt es auch an den teilweise doch miserablen Sprachkenntnissen der Schüler. Selbst einfachste Fragestellungen und Aufgaben werden von vielen Schülern nicht verstanden, so dass sie immer nachfragen, was sie denn eigentlich machen müssen.
Ein damit zusammenhängendes Problem ist, dass die Schüler sich auch nicht trauen zuzugeben, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Meistens nicken sie alle nur mit dem Kopf und sagen „Yes, Sir!“, wenn ich frage, ob alles verstanden worden ist. Letzte Woche meinte Madame Linda, dass sie den Schülern noch mal was erklären musste, da sie zu ihr gekommen sind, weil sie meine Erklärung nicht verstanden hätten. Als ich aber gefragt hatte, hat sich keiner getraut sich zu melden. Grund für dieses Verstecken in der Masse liegt wohl auch im Verhalten der Schüler der begründet. Sobald einer von der Masse abweicht und zugibt, dass er etwas nicht verstanden hat, erntet er Gelächter von seinen Klassenkameraden. Kein Wunder, dass sich dann keiner traut, sich zu melden.
Auch hat Linda erst in dieser Woche begonnen den Unterricht im Klassenraum zu verfolgen, so wie es eigentlich abgesprochen war. Davor ist sie entweder nach draußen oder ins Lehrerzimmer gegangen um dort zu telefonieren, zu quatschen oder zu frühstücken. Da war es dann auch kein Wunder, dass die Klasse meistens recht unruhig war und nicht wirklich konzentriert gearbeitet hat. Gestern und heute war sie jedoch die ganze Zeit im Klassenraum und schon war eine deutlich angenehmere Arbeitsatmosphäre vorhanden. Zudem kann sie bei Problemen auch was auf Twi erklären. Hoffen wir mal, dass es so bleibt. Das würde mir die Sache deutlich vereinfachen.
Jedoch glaube ich, dass die nächsten Wochen doch recht stressig werden. Durch den Streik im letzten term ist doch ziemlich an Stoff liegengeblieben und muss in den verbleibenden Wochen den Schülern eingetrichtert werden. Da sich nämlich nach der sechsten Klasse entscheidet, wer auf die weiterführende Schule darf und wer nicht, gibt es eine zentrale Abschlussarbeit für alle sechsten Klassen der Ashanti-Region. Daher müssen alle Themen des Buches noch durchgenommen werden, auch wenn es eigentlich kontraproduktiv ist. Für das jetzige Thema habe ich ca. zweieinhalb Wochen gebraucht und wenn man bedenkt, dass es noch fünf Kapitel gibt, in knapp acht Wochen aber schon die Klassenarbeiten geschrieben werden, könnt ihr euch vorstellen, was da noch auf mich zukommt. Na ja, ich bin mal gespannt, wie wir das regeln. Ich werde euch natürlich auf dem Laufenden halten…

Ansonsten ist hier in den letzten Wochen nicht besonders viel passiert. Dies war wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass ich letzte Woche auch einen kleinen Durchhänger hatte. So haben mich die Probleme in der Schule ein bißchen runtergezogen und auch sonst sind ein paar Kleinigkeiten vorgefallen, die mich leicht bis mittelschwer genervt haben. Dies in Verbindung mit dem variationsarmen Alltag habe ich dann so etwas wie einen kleinen Lagerkoller gehabt. Nach ein paar Stunden war der Ärger dann aber auch wieder verraucht. Zudem haben wir uns jetzt zum Ziel gesetzt das Kochbuch für die Sportplatzspender (noch mal vielen Dank an alle, die schon was überwiesen haben! Es wird langsam…) in den nächsten zwei Wochen fertigzustellen, so dass es erst mal nicht so langweilig ist. Und dann wird auch schon der neue Kindergarten eröffnet, mein Besuch kommt und dann ist das Schuljahr auch schon fast zu Ende. Daher glaube ich auch, dass die zweite Hälfte meines Aufenthaltes noch schneller vorbeigehen wird als die Erste.

Langsam steigt auch bei mir die Vorfreude auf Familie & Freunde und, auch wenn ich es nicht gerne zugebe, auf Deutschland. Erst wenn man weg ist, merkt man mal, wie entspannt ein geordnetes, bürokratisches Leben doch sein kann. Mal sehen, ob mir die Umstellung dann leicht fällt, aber ich denke nicht, dass ich lange im gemütlichen afrikanischen Trott verweilen werde.

Na gut, das soll es für heute gewesen sein. Macht es gut und bis bald,
Andreas

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