Fußball

Liebe Leser,

 

nachdem ihr zuletzt ein bißchen länger auf einen Blogeintrag warten musstet, geht es jetzt Schlag auf Schlag. Und der Grund dafür ist ein sehr schöner: ich war nämlich bei einem Fußballspiel!

 

Aber der Reihe nach. Eins meiner Ziele war ja den Länderpunkt Ghana zu machen, also ein Fußballspiel hier in Ghana zu besuchen. Bisher hatte es aus den unterschiedlichsten Gründen leider nicht geklappt zu einem Match des lokalen Erstligaclubs Asante Kotoko zu gehen und langsam wurde es eng, schließlich neigt sich auch hier die Saison dem Ende entgegen. In der vergangenen Woche erhielten wir dann aber die Info, dass das nächste Qualifikationsspiel der ghanaischen Nationalmannschaft für den Afrika Cup 2012 in Kumasi stattfinden sollte. Nachdem es ein paar Unklarheiten über das Spieltagsdatum gegeben hatte wurde uns dann von diversen Quellen bestätigt, dass das Match gegen den Kongo am Freitag um 17 Uhr angepfiffen werden sollte. Für Ruven und mich war natürlich klar, dass wir uns das nicht entgehen lassen konnten. Vor allem, da Ruven und Fabian bei ihrem ersten Besuch eines Spiels der Black Stars nur ein müdes 0-0 gegen den Sudan mitverfolgen durften.

Nach dem Mittagessen ging es dann am Freitag in Begleitung von Sabrina, die ihr erstes Live-Fußballspiel erleben sollte, Richtung Kumasi. Nachdem wir die erste Teilstrecke im shared taxi zurückgelegt hatten, mussten wir auf ein weiteres Taxi warten, das in unsere Richtung fuhr. Am Straßenrand haben wir schon ein bißchen Aufmerksamkeit erregt, was wohl daran lag, dass ich zur Feier des Tages mein Ghana-Trikot angezogen hatte. Und so viele Obroni laufen nun wirklich nicht im ghanaischen Trikot herum. Wahrscheinlich lag es auch an meiner Aufmachung, dass plötzlich ein Auto am Straßenrand hielt und der Fahrer uns herangewinkt hat. Ihr könnt euch sicherlich denken, was dann passiert ist. Er hat uns gefragt, wo wir hinwollten und als wir darauf antworteten, dass wir zum Stadion fahren, hat er uns gesagt, dass wir einsteigen sollen, da er auch auf dem Weg dorthin sei. Das Angebot haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen, besonders angenehm war, dass der Wagen auch noch eine Klimaanlage hatte. Das sollte sich auf der Fahrt auch bezahlt machen. Freitagnachmittags ist in Kumasi, wie in eigentlich jeder größeren Stadt der Welt, natürlich Verkehrschaos angesagt. Wenn dann auch noch die Nationalmannschaft spielt ist natürlich klar, dass es dann noch mal ne Ecke schlimmer ist. So haben wir für eine Strecke von weniger als zehn Kilometern dann auch über eine Stunde gebraucht, zum Glück hatten wir das einkalkuliert, so dass wir ca. anderthalb Stunden vor Anpfiff am Stadion waren.

Und die Vorfreude stieg bei mir dann so richtig an, als ich die Flutlichtmasten und den ersten Blick auf die Tribüne werfen konnte – endlich wieder Fußball im Stadion! Am Baba Yara Stadium angekommen stellte sich dann erst einmal die Kartenfrage: Kurve, Gegengerade, Haupttribüne oder VIP? Hat man die Eintrittspreise für ein höherklassiges Spiel in Deutschland im Kopf werdet ihr jetzt wahrscheinlich in Tränen ausbrechen. Für ein offizielles Qualifikationsmatch der ghanaischen Nationalmannschaft zahlt man für den Sitzplatz in der Kurve nämlich vier Cedi, also weniger als zwei Euro! Auf der Gegengerade sitzt man für sechs, auf der Haupttribüne für zehn und im VIP-Bereich fünfzehn Cedi. Stellt euch das mal vor, ihr wollt ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft im VIP-Bereich anschauen und müsst dafür sieben Euro zahlen, der Knaller! Nun denn, wir haben uns gegen die Haupttribüne entschieden und haben versucht Karten für die Kurve zu bekommen. Dies sollte sich jedoch als schwierig gestalten, da es an den Schaltern kaum noch Karten gab. Dies lag an den äußerst fleißigen Schwarzmarkthändlern, die uns von allen Seiten Tickets unter die Nase hielten. Anscheinend haben sie alle ihr ganzes Geld zusammengekratzt und dutzendweise Karten gekauft um sie dann mit einem Aufschlag von zwei Cedi weiterzuverkaufen. Sehr geschäftstüchtig, die Jungs. Nach einer etwas längeren Suche haben wir dann noch Tickets für fünf Cedi bekommen und haben dann ca. 70 Minuten vor Anpfiff den Block geentert.

Da der Afrika Cup 2008 in Ghana stattfand und auch in Kumasi Spiele absolviert wurden, genügt das Stadion dank der damaligen Renovierungsmaßnahmen vollkommen europäischen Ansprüchen. 40.000 Sitzplätze, die Haupttribüne ist überdacht und es gibt eine Videoleinwand. Ein richtig schönes Fußballstadion, nur die Laufbahn stört ein wenig. Besonders angenehm war, dass es keine festen Plätze gab, sondern wir uns aussuchen konnten, wo wir sitzen wollten. Und kaum im Rund angekommen, ging es auch schon los mit „afrikanischer Fußballatmosphäre“. In beiden Kurven haben sich verschiedene Gruppen (ca. 100-200 Leute) versammelt, die alle gleich gekleidet waren und schon weit vor Anpfiff richtig Alarm gemacht haben. Da wurde geklatscht, gesungen, getanzt, getrommelt und getrötet. Richtig geile Stimmung, ohne dass irgendetwas passiert, das hat schon richtig Lust auf mehr gemacht und ich war doch etwas euphorisiert. Auch die Vuvuzelas, die natürlich nicht fehlen durften, waren live nicht annähernd so schlimm, wie es sich im TV immer anhört. Natürlich sollte sich der Nebenmann keine dieser Tröten kaufen, dann wird es nämlich dann doch ziemlich laut und anstrengend, aber zum Glück war das nur für die letzten zwanzig Minuten der Fall, von daher noch alles ok.

Die Zeit bis zum Anpfiff haben wir uns dann mit Rumgucken, ein bißchen tanzen und verpflegen vertrieben und 15 Minuten vor Anpfiff hat sich dann auch Kwakye, der Gastvater von Fabi, zu uns gesellt, dem wir vorher noch ne Karte besorgt hatten. Und somit kommen wir zum unerfreulichen Teil des Nachmittags. Der Himmel sah nämlich den ganzen Tag schon eher unfreundlich aus und noch im Auto auf dem Weg zum Stadion gab es schon den ersten Schauer. Und während der Anpfiff immer näher rückte, kamen auch die dicken, grauen Wolken immer näher. Ca. zehn Minuten bevor es dann losgehen sollte fing es dann auch, Regenzeit halt, ordentlich an zu schütten. Da Sabrinas kleiner Regenschirm den Wassermassen nicht wirklich gewachsen war, haben wir recht schnell resigniert und den Regen einfach ertragen. Hilft ja nichts und es ist ja nur Wasser. Und kalt ist es schließlich auch nicht, wobei die ein oder andere Windböe bei mir schon für Gänsehaut gesorgt hat. Als dann aber die Mannschaften auf’s Spielfeld kamen, ging die Party richtig los. Ich weiß nicht ob es trotz oder gerade wegen des Regens war, aber als alle pitschnass waren, war eine total ausgelassene Stimmung und alle haben getanzt und gesungen, absolut genial! Zum Glück war der Schauer dann auch nach zwanzig Minuten vorüber und wir konnten uns auf das Spiel konzentrieren.

In der ersten Halbzeit war Ghana das deutlich aktivere Team, obwohl der Kongo gut mitgehalten hat und vor allem bei Kontern und Standards gefährlich war. Aber angetrieben von Mickael Essien und vor allem Kevin-Prince Boateng kamen die Black Stars doch einige Male gefährlich vor’s Tor, wo der Ball dann aber vertändelt und / oder die Chance leichtfertig vergeben wurde. So ging es dann mit einem 0-0 in die Halbzeit und ich habe Ruven schon einreden wollen, dass er ein Unglücksbringer ist.

In der zweiten Halbzeit ging es dann aber direkt mit einer schönen Kombination los, die von einem Kongolesen nur per Foulspiel gestoppt werden konnte, wofür er die gelb-rote Karte sah und was somit eine 40-minütige Überzahl für Ghana bedeutete. Die wurde dann auch bald ausgenutzt, als nach einer Ecke der völlig blank stehende und auch ansonsten starke Isaac Vorsah zum 1-0 einköpfen konnte. Dies sorgte natürlich wieder für ausgelassene Stimmung auf den Rängen, die zehn Minuten später noch besser wurde, als Prince Tagoe zum 2-0 abstauben konnte. Dass es danach aber noch mal spannend wurde lag am eigentlich ziemlich guten ghanaischen Torhüter Richard Kingson, der an diesem Nachmittag nicht wirklich überzeugen konnte. Um die 75. Minute wollte er einen Rückpass kurz außerhalb des Strafraums mit der Brust annehmen und sich dann selbst per Fuß in den Sechzehner zurücklegen, um ihn dort mit der Hand aufnehmen zu können. Dies klappte allerdings nicht so wie gedacht und da dummerweise noch ein kongolesischer Stürmer in der Nähe war, konnte er die Kugel ins leere Tor bugsieren. Jedoch war nicht lange zittern angesagt, nach einem leichten Ballverlust der kongolesischen Abwehr konnte Agyeman (?) mit einem sehenswerten Fernschuss den alten Abstand wieder herstellen. Bis zum Abpfiff gab es dann keine Höhepunkte mehr, so dass der wichtige Sieg auf den Tribünen gefeiert werden konnte.

Nach dem Schlusspfiff leerte sich das Stadion dann aber doch recht bald und wir haben uns auch auf den Weg zu Kwakyes Auto gemacht, der uns netterweise mit nach Hause nehmen wollte. Dies war auch sehr gut, da es nämlich ne halbe Stunde nach Abpfiff wieder ordentlich angefangen hat zu schütten. Aber da saßen wir zum Glück schon im Auto und waren auf dem Weg nach Hause. Dort angekommen hieß es dann erst einmal raus aus den immer noch feuchten Klamotten und rein in die gemütliche Jogginghose und den wärmenden Pullover (!). Um uns auch noch von innen aufzuwärmen gab es dann noch einen Kakao um den äußerst gelungenen Tag abzurunden.

 

Insgesamt war es ein richtig tolles Erlebnis mal ein Fußballspiel in Afrika im Stadion zu schauen. Die Stimmung war ziemlich genial, auch wenn sie sich doch deutlich von dem unterscheidet, was ich aus deutschen Stadien kenne. Aber genau das hat den Tag so besonders gemacht und auch der Regenschauer hat mit dazu beigetragen.

 

Auch sonst langweilen wir uns hier nicht. Vor ein paar Tagen waren wir auf der Hochzeit einer unserer Küchenfeen, die den Architekten des Kindergartens und Mitglied der Ghanaian German Friendship Association geehelicht hat. Natürlich wird in der Kirche geheiratet, so was wie eine standesamtliche Hochzeit gibt es hier nicht. Auch wenn der Gottesdienst (der zum Glück nicht so lange gedauert hat) auf Twi war und ich somit nicht allzu viel verstanden habe, war es doch ein nettes Erlebnis. Leider konnte ich mich nicht dazu aufraffen mit den anderen tanzen zu gehen, aber auch wenn die Kirchen hier nicht so aussehen wie unsere deutschen Kirchen, kann ich mich dort einfach nicht richtig entspannen und Spaß haben.

Wir sind dann auch noch zur „Feier“ geblieben, wobei diese nicht mit einer deutschen Hochzeitsfete zu vergleichen ist. Diese fand nämlich im Untergeschoss der Kirche mit ca. 150 Leuten statt. Hauptbestandteil der ca. zweistündigen Feier war ein Spiel, bei dem es darum ging möglichst viel Geld einzusammeln. Hierbei steht das Brautpaar unter einem Luftballonbogen und ein Moderator nennt dann verschiedene Cedi-Beträge (von 50 bis runter zu einem), für die ein Luftballon zerstochen werden konnte. Dazu gab’s dann noch ein paar Reden und am Ende gab’s für jeden Gast noch eine Tüte mit einem kleinen Snack und Getränk und dann war das Ganze auch schon wieder vorbei. Immerhin gab es eine Hochzeitstorte, von der dann jeder Gast auch ein paar Krümel abbekommen hat. Wie so oft bei solchen Veranstaltungen dreht sich eigentlich alles ums Geld. Auf der einen Seite schon etwas schade, andererseits aber auch durchaus verständlich, schließlich sind mit so einem Fest ja auch enorme Kosten verbunden. Aber mir würde es trotzdem besser gefallen, wenn der monetäre Aspekt weniger offensiv in den Mittelpunkt gestellt werden würde.

 

Ansonsten ist der Juni wohl der Monat der Feste. Am Freitag haben unsere liebe Schneiderin Harriet und Sabrina Geburtstag, was wir ein bißchen feiern werden und am 23. ist dann endlich die Kindergarteneröffnung. Dazu kommt auch der Gründer des Deutsch-Ghanaischen Freundschaftskreises aus München nach Denkyemuoso. Ich bin mal gespannt, wie das wird. Und am selben Abend landet dann auch schon Thommy in Accra, den ich dann spätestens Freitag abholen werde. Zusammen mit ihm werde ich dann noch ein bißchen reisen und dann haben wir auch schon Juli und das Schuljahr neigt sich dem Ende zu.

 

In der Schule wird es jetzt deutlich stressiger, da wir notgedrungen auf die Tube drücken müssen. Momentan steht jeden Tag ein neues Thema auf dem Programm, damit wir möglichst viel bis zum Ende des terms durchbekommen. Dies bedeutet aber leider, dass ich dadurch nicht wirklich auf die Probleme der Schüler eingehen und problematische Aufgaben vertiefen behandeln kann. Die wenigsten Schüler verstehen die Themen direkt beim ersten Mal, aber es fehlt wegen des Streiks einfach die Zeit die Themen ausgiebig durchzugehen. Schon eine recht unbefriedigende Situation für mich, aber auf der anderen Seite ist den Schülern ja auch nicht geholfen, wenn wir am Ende nicht alle Themen behandelt haben und die dann am Ende in der Klassenarbeit abgefragt werden.

 

Na gut, das soll es für heute gewesen sein. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr noch auf der Homepage bei Radio Fritz nach dem „Blue Moon“- Podcast vom 06.06.11 suchen und ihn gegebenenfalls runterladen. Dort haben wir, bzw. Ruven und Sabrina, ein fast halbstündiges Interview über unsere Zeit hier in Ghana gegeben. Viel Spaß damit.

 

Bis bald und alles Gute,

Andreas

PS: Fotos folgen in den nächsten Tagen…

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