Geburtstag

Hallo liebe Blogfreunde,

in der vergangenen Woche ist wieder einiges passiert, daher hier eine kleine Rekapitulation der Ereignisse.

Beginnen wir direkt mit dem Highlight der letzten Woche, dem Tripelgeburtstag am 10.06. Sabrina hat ihren 29. Geburtstag gefeiert, die Schneiderlehrerin Harriet ist 35 geworden und unser „Chef“ Sarkodie hatte seinen „Geburtstag-Tag“. Dazu vielleicht eine kleine Erklärung. Die Ashanti haben alle einen traditionellen Namen, der sich vom Wochentag ableitet, an dem sie geboren worden sind. Somit spielt dieser Tag in ihrem Leben stets eine besondere Rolle. Sarkodie wurde zwar erst am Sonntag 30 Jahre alt, da er aber einem Freitag geboren wurde, hat er kurzerhand auch am 10. Mitgefeiert.
Jedoch gingen die Festivitäten bereits am Donnerstagabend los. Wir haben ganz gemütlich einen Film geguckt als Sabrina einen Anruf erhielt. Unsere Freundin Mary hat sie dann zu sich gebeten, damit sie ihren Geburtstagskuchen abholt. Wir waren natürlich ganz gespannt, was sich dahinter verbergen sollte und waren baff als Sabrina wieder zurück war. Sie hatte nämlich einen herzförmigen Kuchen mit einer dicken Schokoladen- und Zuckergussschicht mitgebracht! Und damit noch nicht genug. Obendrein gab es noch eine Flasche Wein, die Mary im Auftrag des Vereinspräsidenten besorgt hatte. Wir konnten und wollten natürlich nicht bis zum nächsten Tag warten um den Kuchen zu probieren. Also haben wir, nachdem Mary und Sarkodie vorbeigekommen sind, bereits um 22 Uhr ein Stück Kuchen verputzt und die Flasche Wein geleert. Aber das war ja vollkommen ok, in Deutschland war schließlich schon Sabrinas Geburtstag gekommen. Und da sie nun „offiziell“ Geburtstag hatte, kam sie auch in den Genuss der besonderen ghanaischen Art zu feiern. Diese zeigt sich dergestalt, dass die Person, die etwas zu feiern hat, nämlich mit Wasser bespritzt wird. Was ein Glück, dass wir immer ein paar 500ml-Pakete Wasser im Kühlschrank haben. So hat Sabrina dann ihre erste Geburtstagsdusche bekommen.
Am nächsten Morgen stand dann direkt die nächste an. Zuerst gab es bei der Morgenansprache eine kleine Überraschung. Ruven und Fabian haben mit ihren Deutsch-Klassen nämlich „Zum Geburtstag viel Glück“ eingeübt, so dass es ein kleines Ständchen gab. Und auch die Schüler kennen natürlich die „ponding“-Tradition und haben Sabrina noch einen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet. Danach ging es kurz zu Harriet, die ja auch Geburtstag hatte und die, neben den üblichen Gratulationen, auch eine kleine Dusche bekommen hat.
Ist schon ganz lustig, jedenfalls wenn man lediglich Zuschauer oder „Befeuchter“ ist, aber als Geburtstagskind ist es schon ein bißchen nervig, dauernd nass gemacht zu werden. Zum Glück ist es hier ja meistens warm genug, dass die Klamotten schnell wieder trocken. Mal schauen, wie diese Tradition ankommt, wenn ich sie nach meiner Rückkehr (natürlich erst NACH meinem Geburtstag) in Deutschland einführe. Es stehen im Herbst ja durchaus noch ein paar Geburtstage unter meinen Lesern an…
Wir haben Sabrina dann eine Wassermelone geschenkt und dazu noch einen Gutschein für ein Mango-Dinner, da sie der größte Mango-Fan ist, den ich je getroffen habe. Mal schauen, wann wir das Menu kochen, aufgrund unserer begrenzten Mittel wird es sicherlich nicht ganz so einfach. Abends sollte dann eine kleine Feier stattfinden, die Sabrina, Harriet und die Küchenfeen bereits vorbereitet hatten. Nachmittags haben wir einen Klassenraum leergeräumt und ein paar Stühle und Tische aufgestellt, so dass es um 19 Uhr losgehen konnte. Für Musik war auch gesorgt und die Deutschen (und sogar zwei Ghanaer!) waren um Sieben versammelt und nachdem die restlichen Gäste nach und nach eingetrudelt waren ging es dann um 19.45 Uhr los. Zuerst gab es ein paar kurze Dankesworte der Feiernden, wobei der Dank an Gott für alles und jeden natürlich nicht fehlen durfte. Dann begannen einige Anwesende auch schon das Tanzbein zu schwingen. Vor allem Harriet legte einige beeindruckende Moves auf’s Parkett und hat jeden angetanzt, der sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnte. Dies lag wahrscheinlich auch daran, dass wir zu diesem Zeitpunkt bereits zwei oder drei Sangria-Packungen geleert, die die hochmotivierte Harriet verteilt, aber vor allem selbst konsumiert hatte. Zwischendrin gab es dann noch das von den Catering-Mädels zubereitete Essen – leckeren Reis mit einem tollen Salat (sogar mit Kartoffeln), sowie eine erneute Dusche für die Geburtstagskinder. Danach gab es noch einen Kuchen, der auch nicht zu verachten war. Zu diesem Zeitpunkt galt aber die ganze Aufmerksamkeit bereit Harriet, die wie ein Derwisch durch den Raum fegte. Vielleicht wären zwei-drei Becher Sangria weniger besser gewesen. Sie war schon ziemlich betrunken. An und für sich ja kein Problem, sowas muss ja auch mal drin sein. Dumm nur, dass wir ja in der Schule gefeiert hatten und somit auch einige Schüler mit im Raum waren bzw. draußen gestanden und zugeguckt haben. Um 21 Uhr war dann aber auch Ende, schließlich müssen die Schüler ne halbe Stunde später im Bett sein und da ist es klar, dass die Musik dann aus ist und wir nicht weiterfeiern können. Das war auch ganz gut so, so konnten wir Harriet dann auch überreden nach Hause zu gehen, was gar nicht so einfach war, da sie total aufgedreht war.
Wir Praktikanten haben den großen Geburtstag dann noch gemütlich mit einem Bier in der Bar ausklingen lassen.

Am Sonntag stand dann Teil 2 des Tripelgeburtstags an. Wir haben Harriet und Sarkodie zu deutschen Pfannkuchen eingeladen. Natürlich ganz uneigennützig, schließlich mögen wir alle Pfannkuchen nicht so wirklich gerne 😉
Da wir ja Gäste erwarteten gab es dieses Mal auch die doppelte Menge, so dass wir über ne Stunde an unserem kleinen Gaskocher an den Pfannen standen. Am Ende hatten wir ca. 40 Pfannkuchen, was natürlich viel zu viel war, vor allem da Harriet nicht gekommen war und lieber in die Kirche gegangen sind. Na ja, sie hatte ja auch einige Sünden zu beichten 🙂
Wir hatten jedoch einen schönen Vormittag, vor allem mit Sarkodie war es richtig nett. Ansonsten ist er immer im Stress und hat kaum Zeit. Wenn er dann aber mal ein paar Minuten hat, geht er richtig aus sich raus und erzählt und erzählt.

Am Montag hatte uns dann der Alltag wieder. Neben dem üblichen Schulprogramm, waren wir diese Woche vor allem mit unserem Kochbuch-Projekt beschäftigt. Wie einige sicherlich wissen sammeln wir ja Spenden für den Bau eines Sportplatzes. Und als kleines Dankeschön für die Spender haben wir eine kleine Sammlung ghanaischer Rezepte zusammengestellt, die wir durch unsere eigenen Kreationen ergänzt haben. Nachdem wir die Rezepte geschrieben haben sind wir nun mit der Feinarbeit beschäftigt und hoffen Ende der Woche fertig zu werden. Falls ihr am Ergebnis interessiert seid und auch ein Freiwilligenkochbuch haben wollt – ganz einfach: ein bißchen Geld spenden und schon gibt’s die Ghanaisch-Deutsche Küche auch bei euch zu Hause.

Der Höhepunkt der Woche, soviel ist jetzt schon sicher, fand schon am Mittwoch statt. Am Montag ist die Schulsekretärin Millicent in die Klinik gekommen, da bei ihr die Wehen eingesetzt haben. Dienstagabend war es dann soweit, ihre kleine, noch namenlose Tochter, hat das Licht der Welt erblickt. Und Mittwochmittag war sie dann wieder hier an der Schule und wir konnten einen ersten Blick auf den kleinen Wurm werfen. Ich glaube, ich habe noch nie einen Menschen so frisch nach der Lieferung gesehen. Unfassbar süß, die Kleine. Noch ganz zerknautscht, dafür aber erstaunlich viele Haare auf dem Kopf. Und mit den krausen Locken sieht das Baby natürlich noch ne ganze Ecke niedlicher aus. Beiden geht es den Umständen entsprechend gut und da am Mittwoch auch die kurzen Midterm-Ferien begonnen haben, ist es an der Schule auch schön ruhig, so dass die Erholung deutlich leichter fällt.

Bei mir an der Grundschule gibt es zum Glück keinen Midterm, worüber ich aufgrund der eh schon knappen Zeit froh bin. Seit dieser Woche habe ich auch meinen freien Mittwoch geopfert um einen Tag mehr Unterricht geben zu können. Vielleicht werde ich den Schülern auch noch anbieten an einem Nachmittag Nachhilfe zu geben, damit die mangelnde Beschäftigung mit dem Stoff wenigstens ein wenig kompensiert wird. Schau’n mer mal…

Ansonsten ist die Kindergarteneröffnung das große Thema. Wie schon erwähnt ist am Donnerstag der große Tag da. Mittlerweile werden die letzten Arbeiten abgeschlossen, so dass alles rechtzeitig fertig wird. Bereits am Montag kommt der Gründer des Deutsch-Ghanaischen Freundschaftskreises und der Schule nach Denkyemuoso und wird sicherlich einiges zu erzählen haben.

Des Weiteren bekommen Ruven und ich Ende des Monats einen neuen Mitbewohner. Aus Deutschland kommt ein Ingenieur, der eine neue Wasserpumpe installieren wird und der dann für die Zeit bei uns unterkommt. Bin schon gespannt, wie das wird und ob wir auch mit anfassen dürfen /bzw. sollen.

Das soll es soweit erst mal gewesen sein. Falls der nächste Blogeintrag etwas auf sich warten lassen sollte, bitte seht es mir nach. Schließlich bekomme ich nächste Woche Besuch, der dann natürlich Vorrang genießt.

Bis bald,
Andreas

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2 responses to this post.

  1. Posted by ptm2806 on 17. Juni 2011 at 13:11

    Andreas, wie ist eigentlich Dein ghanaischer Name 🙂

    Antwort

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