Kindergarten & Thomas

Liebe Blogfreunde,

 

hier mal wieder Neuigkeiten aus dem fernen Ghana. Da ich in den letzten Tagen unterwegs war will ich gar nicht lange rumschnacken sondern direkt loslegen.

 

Am 23.06. war der große Tag der Kindergarteneröffnung gekommen. Wie nicht anders zu erwarten waren die letzten Arbeiten noch nicht abgeschlossen, so dass noch am frühen Morgen geklopft, gehämmert, gefegt und dekoriert wurde. Zumindest von außen sah das Gebäude dann auch wirklich gut aus, der erste Eindruck muss halt stimmen für die Gäste. Im Inneren muss auf jeden Fall noch was gemacht werden, mal schauen, ob das auch noch zeitnah geschieht oder ob das jetzt wieder aufgeschoben wird, wo der zeitliche Druck weg ist.

Um 10.30 Uhr ging dann die Eröffnungsfeier los, an der auch Vertreter von Politik und Medien, sowie der Chief samt seines Gefolges teilgenommen haben. Schön war, dass es keine steife Veranstaltung war, sondern dass die KG-Kids, die ja im Zentrum des Ganzen standen, auch wirklich miteinbezogen wurden. Sie haben ein paar Lieder gesungen und eine kleine Aufführung gemacht, was wirklich niedlich war und alle Anwesenden begeistert hat.

Leider konnte ich die offizielle Eröffnung dann nicht mehr erleben, da ich mich auf den Weg nach Accra machen musste, um Thomas vom Flughafen abzuholen. Die Reise war auch unproblematisch, so dass ich um 20 Uhr am Flughafen war und eine Viertelstunde später kam auch schon eine SMS von Thomas, dass er gelandet ist und nun nur noch das Prozedere von Pass- und Zollkontrolle hinter sich bringen müsse. Ab diesem Moment war ich richtig gespannt und auch ein kleines bißchen aufgeregt. Nachdem ich bereits zweimal mit am Flughafen war als die anderen Besuch bekommen haben, würde nun auch ich endlich wieder ein bekanntes Gesicht wiedersehen. Und eine halbe Stunde später war es dann so weit. Nach der Begrüßung hieß es dann aber erst mal warten. Da unsicher war, ob ich Thomas abholen könne oder nicht, hatte er vorsichtshalber ein Zimmer in einem Hotel mit Shuttle-Service gebucht. Bis die anderen Gäste dann auch da waren haben wir schon mal ein bißchen gequatscht und Thomas hat die ersten ghanaischen Snacks probiert, die ich mitgebracht hatte. Im Hotel und im Zimmer angekommen musste ich mich erst einmal an den ungewohnten „Luxus“ gewöhnen: Fernseher, Klimaanlage, fließendes, heißes Wasser! Natürlich hatte das auch seinen Preis, das Doppelzimmer hat 130 US-$ (!) gekostet. Sobald man hier höheren Standard möchte, gehen die Preise direkt unverhältnismäßig in die Höhe, so dass ein Zimmer auf normalem europäischen Niveau deutlich teurer ist als zu Hause. Dies ist aber auch verständlich, wenn man bedenkt, dass die Hotels qualifiziertes Personal benötigen, Getränke und Speisen sowie Technik und Baumaterialien importieren müssen. Aber was soll’s, ich habe diesen ungewohnten Luxus, der auch ein umfangreiches Frühstücksbuffet eingeschlossen hat, sehr genossen.

Am nächsten Morgen sind wir dann aber in ein deutlich günstigeres Hotel umgezogen, bevor wir dann durch Accra gelaufen sind. Wir haben die wenigen Sehenswürdigkeiten besucht und sind einfach durch die Stadt gelaufen, damit Thomas mal einen ersten Eindruck einer afrikanischen Stadt gewinnt. Nach einer kleinen Pause ging es dann am frühen Nachmittag in eine Chop Bar, wo es dann auch schon direkt eine ghanaische Mahlzeit (Red-Red) für meinen Besucher gab, die ihm gut geschmeckt hat. Danach konnte ich mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und wir sind ins „Creamy inn“ gegangen, wo ich mir, wie bei meinem letzten Accra-Besuch, ein Eis gegönnt habe. Genießen konnte ich es aber nicht wirklich, was an den Gästen am Nachbartisch lag. Es sah aus wie ein Kindergeburtstag von etwa einem Dutzend 15-16 Jahre alter ghanaischer Kids, die den Tisch voller Fast Food und Hähnchenschenkeln hatten. Als sie dann fertig waren, sind dann insgesamt fünf unberührte Teller mit Reis zurückgegangen. Da musste ich dann doch kurz schlucken. Nur ein paar Kilometer entfernt verrecken die Leute, weil sie nicht genug zu essen haben und hier wird das Essen einfach weggeschmissen. Wenn man dieses krasse Wohlstandsgefälle hautnah mitbekommt ist es dann doch was anderes, als wenn man in Deutschland sagt, dass irgendwo in der Welt die Leute verhungern und wir leben im Überfluss. Auf jeden Fall hat mir das wieder klar gemacht, wie gut es uns eigentlich geht und jeder, der in Deutschland jammert, wie schlecht es ihm doch geht, sollte sich diese Vorstellung mal ins Gedächtnis rufen. Na ja, der Tag fand dann aber noch ein positives Ende. Wir sind noch auf zwei Bier in die rooftop-Bar gegangen, von der man einen netten Ausblick über Accra hat und haben über alles Mögliche gequatscht, bevor wir um 21.15 Uhr todmüde ins Bett gefallen sind.

 

Am nächsten Morgen ging es dann zur bus station, wo wir uns wegen des Gepäcks gegen ein Tro-Tro und für einen luxuriöseren Bus mit Klimaanlage und deutlich mehr Platz entschieden haben. Das Problem ist, dass es ungleich länger dauert, bis der Bus voll ist, so dass wir noch fast drei Stunden bis zur Abfahrt warten mussten. Das Schlimmste sollte aber noch kommen: Die ersten anderthalb Stunden Fahrt, die aufgrund der miserablen Straßenverhältnisse eh schon eine Qual sind, wurden uns dann noch durch einen Prediger versüßt, der uns 45 Minuten lang auf Twi angebrüllt hat, sowie einen Pillenverkäufer, der den Reisenden irgendwelche Wundermittelchen andrehen wollte. Man kann es sich kaum vorstellen, aber ich war wirklich froh, als endlich der Fernseher mit den ghanaischen Schundfilmen angestellt wurde 😉

In Denkyemuoso stand dann erst mal Kennenlernen von Umgebung und den anderen Leuten auf dem Programm, bevor Thomas weiter in die ghanaische Küche samt ihrer Obstspezialitäten eingetaucht ist und wir den Abend einer Runde Wizard abgerundet haben.

 

Den Sonntag haben wir dann ruhig angehen lassen. Nach einem gemütlichen Frühstück sind wir zum Markt gefahren, haben eingekauft und waren im Internet-Café. Am Nachmittag stand dann schon ein weiteres Ghana-Highlight auf dem Programm. Wir haben, mit Hilfe unseres ghanaischen Freundes Eric, selber Fufuo gemacht und auch Thomas hat eine Runde gestampft, wobei er sich wirklich geschickt angestellt hat. Dementsprechend gut hat es uns dann auch geschmeckt, selbstgemachtes Essen schmeckt halt immer noch am besten 🙂

 

Der Montag hielt dann eine Premiere für mich bereit: zum ersten Mal, seit ich hier bin, hat es am Morgen geregnet. Das hatte natürlich Auswirkungen auf meinen Unterricht, denn die Schüler (und übrigens auch die anderen Lehrer) kamen erst nach und nach zur Schule. Aber so ist das halt hier, wenn es regnet… Nach der Schule sind Thomas und ich dann nach Kumasi gefahren, wo wir eine Erkundungstour über den Central Market gedreht haben. In diesem unüberschaubaren Gewusel lässt man sich am besten einfach von der Menge treiben, ein geordnetes Durchgehen ist eh nicht möglich. So haben wir dann auch nur zufällig die „Fischabteilung“ gefunden, die es aber in sich hatte. Dutzende, vielleicht Hunderte von Ständen, an denen Unmengen an Fisch verkauft wurde: frisch, geräuchert, getrocknet, usw. Und auch wenn alles in Körben und auf Tischen gelagert wird, ist es nicht unappetitlich, eher im Gegenteil. Es hat sehr gut gerochen und ich hatte schon Lust auf ein schönes Stück Fisch. Leider ist es auf dem Markt viel zu eng und zu hektisch, als dass man mal Fotos machen könnte. Aber man muss die gesamte Atmosphäre mit all seinen Sinnen aufnehmen, auf Bildern kommt die Stimmung, die auf dem Markt herrscht, nicht im entferntesten rüber. Von daher müsst ihr wohl nach hier kommen, wenn ihr euch ein Bild vom Kejetia Market machen wollt.

Abends stand dann noch ein Treffen mit Albert auf dem Programm , auf dem wir mal ein paar Probleme angesprochen haben, die uns bewegen und was man in Zukunft verbessern könnte. Albert ist wirklich ein unheimlich faszinierender Mensch, der eine unheimliche Präsenz ausstrahlt und bei dem man das Gefühl hat, dass er hier Sachen wirklich verändern kann. Er versteht halt die ghanaische Mentalität, hat aber gleichzeitig keine Scheu auf Probleme hinzuweisen und Kritik zu üben, so dass er Sachen bewegen kann.

 

Der Dienstag ging dann, schon wieder, mit Regen los. Nicht dass das hier zur Gewohnheit wird. Oder liegt es einfach an Thomas? Auf jeden Fall ein bißchen blöd für ihn, denn während es in Afrika regnet und ich wegen der Kälte sogar eine lange Hose anziehen musste, hat Deutschland unter Temperaturen von über 35 Grad geächzt, verrückt. Nichtsdestotrotz war auch heute wieder Unterricht angesagt und dieses Mal habe ich Thomas mitgenommen, so dass er mal einen Einblick in mein Leben als Lehrer gewinnt. Und auch er war von den selben Dingen geschockt wie ich: schlechte Sprachkenntnisse, mangelndes Interesse und die fehlende Fähigkeit eben Gelerntes auf andere Sachverhalten anzuwenden.

Um 13 Uhr sollte dann noch ein Meeting mit Albert sowie Mitgliedern des GGFA stattfinden. Auch hier konnten wir Thomas das typische Ghana präsentieren. Um 13 Uhr war natürlich niemand bei uns und es hat auch keiner angerufen, dass sich das Treffen verzögert. Stattdessen kam dann um 13.50 Uhr jemand um Bescheid zu sagen, dass wir jetzt den Ausflug machen würden, der eigentlich nach dem Meeting stattfinden sollte, und zwar sofort. Tja, das ist halt Ghana 🙂

Dieser Ausflug mit Albert und Appau, dem Architekten des Vereins, führte uns zuerst zu einem alten Freund von Albert, von dem wir mit leckersten Bananen und Orangen (sooo saftig!) versorgt wurden. Danach ging es zu einem Workcamp, wo der Sohn eines Bekannten von Albert aus München für fünf Wochen ist. Auch er hat schon einiges der hiesigen Mentalität mitbekommen. Denn leider konnte er noch nicht am Bau einer Schule teilnehmen, weswegen er eigentlich hier ist. Denn trotz gegenteiliger Ansagen war weder Werkzeug noch Baumaterialien vorhanden, so dass er nichts machen konnte. Wir haben so etwas zwar bereits auch kennengelernt, aber wenn man nur fünf Wochen im Land ist kann das schon sehr frustrierend sein. Der Höhepunkt des Tages erwartete Sabrina, Thomas und mich dann aber auf der Rückfahrt. Da wir noch jemanden aus dem Workcamp mit nach Kumasi genommen haben, war leider nicht genug Platz auf der Rückbank. Somit sind wir auf die Ladefläche geklettert, wo wir dann stehenderweise einen Großteil der Rückfahrt verbracht haben. Ziemlich lässig und ein Heidenspaß, so was könnte man in Deutschland nie machen und so haben wir dieses Abenteuer dann auch sehr genossen. Den Abend haben wir dann in der Bar ausklingen lassen, was angesichts des für Thomas und mich anstehenden Programms vielleicht nicht die beste Idee war. Am nächsten Morgen hat nämlich bereits um 5 Uhr der Wecker geklingelt und wir haben uns auf den Weg in die Voltaregion gemacht. Doch davon mehr beim nächsten Mal…

 

So viel schon vorweg, wir haben viel erlebt und hatten eine Menge Spaß. Ich bin gut wieder in Kumasi angekommen, nachdem sich unsere Wege am gestrigen Sonntag getrennt haben. Thomas erkundet jetzt die Küste, während ich die letzte Unterrichtswoche an der Schule bestreite und wir dem fleißigen Ingenieur bei der Installation der neuen Solarpumpe und der generellen Optimierung der Wasserversorgung zu Hand gehen. Ihr seht, es gibt viel zu tun. Mehr dazu dann in ein paar Tagen.

 

Gehabt euch wohl!

 

Andreas

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