Voltaregion reloaded

Yo party people!

Nachdem ich euch letzte Woche schon von meinen ersten Tagen mit Thomas berichtet habe, hier nun eine kleine Zusammenfassung unseres Ausflugs in die Voltaregion. Ich war ja bereits als Ruven Besuch von seinen Freunden bekommen hat zwei Tage dort unterwegs. Und mir hat es landschaftlich so gut gefallen, dass ich unbedingt noch mal dorthin zurückwollte, zumal es noch einiges zu entdecken gab, was wir im April nicht geschafft haben.

Am 29.06. hat der Wecker um 05.00 Uhr geklingelt und es hieß auf nach Kumasi um einen Platz im Metro Mass Bus nach Hohoe zu ergattern. Regelmäßige Leser kennen diese Busse schon, hierbei handelt es sich um ein staatliches Unternehmen, dass alle großen Städte Ghanas zu äußerst geringen Preisen miteinander verbindet. Nach Hohoe fährt aufgrund der großen Entfernung aber nur ein Bus von Kumasi aus, so dass frühes Erscheinen am Abfahrtsort ratsam ist. Und wir hatten Glück, als wir gegen 06.45 Uhr am Bus ankamen waren nur noch wenige Plätze frei. Dies hatte zur Folge, dass wir auch nicht mehr so lange auf die Abfahrt warten mussten und um 07.30 Uhr losgerollt sind. Die Entfernung zwischen Kumasi und Hohoe ist eigentlich nicht besonders groß, aber da der Voltastausee zwischen den beiden Städten liegt, ist ein großer Umweg leider nicht zu vermeiden. Somit waren wir inklusive zweier Pausen knapp sieben Stunden unterwegs, aber noch nicht am Ziel unserer Reise angekommen. Mit dem Tro-Tro ging es weiter nach Wli, wo wir die nächsten zwei Nächte in einer kleinen, von Deutschen betriebenen Lodge, übernachten sollten. Und man kann es nicht anders formulieren, wir haben wirklich einen Glücksgriff getan. Wir hatten ein kleines, sauberes Zimmer mit eigenem Bad für 26 Cedi und vom Garten hat man einen schönen Blick auf den bekannten Wasserfall. Auch die Küche konnte sich sehen lassen. Für ein Hotel waren die Preise wirklich akzeptabel, zudem es große Portionen gab. Mit uns war noch ein in Frankreich lebendes US-amerikanisches Pärchen mit ihren zwei adoptierten ghanaischen Mädchen und einem Freund da, mit denen wir auch den ein oder anderen Plausch gehalten haben. Außerdem haben wir an einem Nachmittag noch ein bißchen mit der sechsjährigen Tochter und dem Freund der Familie ne Runde Fußball gespielt, was richtig Laune gemacht hat. Aber kommen wir zum interessanten Part.
Im April war ich, wie gesagt, schon mal in Wli. Leider konnten wir damals nur den unteren der zwei Wasserfälle besuchen. Sabrina ist damals noch ein paar Tage dageblieben und hat dann noch eine Tour zum oberen Wasserfall gemacht, von dem sie durchaus begeistert war. Da diese mit einer längeren Wanderung verbunden ist, wollte ich die Tour auch noch gerne machen. Also ging es am Donnerstagmorgen höchst motiviert zum Besucherzentrum um von dort zu starten. Bereits am Abend zuvor hatte ich versucht unseren netten Guide von letzten Mal, Wisdom aka Mighty, zu erreichen, aber leider ging er nicht an sein Telefon. Umso größer war dann natürlich die Freude, als er mich auf dem Weg zum Büro erkannt hat. Schließlich hatte ich im vor zwei Monaten schon gesagt, dass ich noch mal wiederkommen würde. Somit war auch klar, dass wir natürlich seine Dienste in Anspruch nehmen würden um zum oberen Wasserfall zu wandern.
Nachdem wir uns für die fünfstündige Tour entschlossen und bezahlt hatten, ging es auch schon los. Zuerst ging es auf den Weg zum unteren Wasserfall als wir dann plötzlich ins Unterholz abgebogen sind und uns mit Stöcken bewaffnet haben. Und die konnte man wahrlich gut gebrauchen! Die nächsten zwei Stunden ging es querfeldein, über Stock und Stein, auf und nieder immer wieder. Im Ernst, es war wirklich ziemlich anstrengend, da auch die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit nicht wirklich wanderfreundlich waren und es teilweise steil nach oben ging. Aber gleichzeitig war es ein Riesenspaß und genau das, was ich machen wollte, seitdem ich die Berge das erste Mal vom Tro-Tro aus gesehen hatte. Und dass sich die Anstrengungen gelohnt haben, war uns klar, als wir dann am oberen Wasserfall angekommen waren. Im Vergleich zum unteren ist dieser zwar kleiner und daher weniger beeindruckend, aber durch seine Abgeschiedenheit viel naturbelassener und ruhiger. Es war wirklich wunderschön da oben, aber nach einer kleinen Verschnaufpause und einem Picknick sind wir wieder aufgebrochen. Baden wollten wir nämlich am unteren Pool, am oberen Wasserfall war es nämlich ziemlich windig und daher doch recht kühl. Also ging es auf demselben Weg wieder runter und nach einer insgesamt vier Stunden langen schweißtreibenden, aber sehr schönen und spaßigen Wanderung waren wir dann am beeindruckenden unteren Wasserfall angekommen, wo wir uns nach einer kurzen Verschnauf- und Bananenpause dann badefertig gemacht haben. Bevor wir uns ins kühle Nass gestürzt haben, musste ich aber natürlich noch meinen kleinen, orangen Oktopus-Kumpel Thees aus dem Rucksack befreien, der selbstverständlich auch mit unterm Wasserfall planschen wollte. Nach der damit natürlich verbundenen Fotosession ging es dann auch wieder zurück in Richtung Lodge, wo wir den restlichen Nachmittag fußballspielenderweise, vor allem aber mit Lesen und Relaxen verbracht haben. Abends gab es dann wieder was leckeres zu Essen, noch ein Bierchen sowie ein paar schmachvolle Niederlagen für mich beim Heckmecken, bevor wir gegen 21 Uhr todmüde ins Bett gefallen sind.
Am nächsten Morgen stand dann ein weiteres Abenteuer an. Zusammen mit unserem guide Wisdom wollten wir in den Nachbarort fahren um dort eine Höhlenwanderung zu unternehmen. Aber zuerst haben wir eine Stunde lang unsere ghanaische Lieblingssportart betrieben: warten. Als wir dann immer noch kein Tro-Tro oder Taxi ergattern konnten, haben wir ein verwegenes Abenteuer gewagt. Wisdom hat einen Motorradfahrer gefragt, ob der uns nicht die ca. acht km fahren könnte, was der dann auch für fünf Cedi gemacht hat. Wenn ihr jetzt aber glaubt, dass er uns in drei Etappen einzeln gefahren hat, geht das doch ziemlich an der ghanaischen Realität vorbei. Natürlich haben wir drei uns irgendwie mit auf den Sitz gequetscht und sind zu viert auf einer kleinen Maschine die paar Kilometer ins übernächste Dorf geknattert. Gemütlich war es natürlich nicht, aber ein sehr aufregendes Erlebnis, an das ich mich dank einer Brandwunde am Bein (blöder Auspuff…) auch noch lange erinnern werde. Am Ziel angekommen musste erst einmal ein guide geholt werden, so oft kommen wohl keine Touris vorbei. Laut Mightys Aussage hat unser guide gerade Besuch von einem wohl recht attraktiven Mädchen bekommen, das mit ihm den Republic Day feiern wollte… Im Nachhinein noch mal eine dicke Entschuldigung für die von uns zu verantwortene Verzögerung 😉 Nach Bezahlen des Eintritts ging es dann auch los in Richtung Höhlen. An einer Abzweigung hatten wir die Wahl zwischen einer anstrengenden Abkürzung und dem längeren, regulären Pfad. In unserem jugendlichen Übermut und mit unseren vom Vortag gestählten Waden haben wir uns natürlich für die Abkürzung entschieden. Zwar war der Weg weniger holprig als der am Vortag, aber dafür ging es für eine halbe Stunde fast andauernd steil nach oben. Und ich muss zugeben, zwischendurch musste ich schon an meine Grenzen gehen und zwei-, dreimal ordentlich verschnaufen und durchpusten. Aber die Aussicht, die wir von da oben genießen konnten, war Entschädigung für jeden einzelnen Schweißtropfen, einfach atemberaubend!
Doch das wahre Abenteuer sollte ja erst noch kommen. Mit unserem guide ging es zu und in insgesamt sechs Höhlen, in denen die Dorfbewohner vor einigen Jahrhunderten Zuflucht vor ihren Feinden gesucht haben. Die Höhlen waren jetzt an sich nicht besonders beeindruckend, aber die Kletterpartien zu den verschiedenen Verstecken waren ein großartiges Erlebnis. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, sonst machen sich Mama und die Omas im Nachhinein noch Sorgen, wobei doch alles gut gegangen ist. Aber in Deutschland würde man so eine Tour nur machen können, wenn man durch Seile gesichert ist, einen Helm trägt und diverse andere Sicherheitsmaßnahmen beachtet. Wir sind hingegen einfach so (manchmal gab es ein Seil zum Festhalten) am Abgrund langgekraxelt und im Dunkel durch die Höhlen gekrochen. Nicht ganz ungefährlich, aber genau wegen solcher Abenteuer macht man solche Touren ja. Mit dem ganzen security-Gedöns wäre es sicherlich nur halb so spaßig gewesen. Nach der ca. einstündigen Tour und einer kleinen Picknickpause inklusive tollem Panoramablick ging es dann wieder vom Berg, und dieses Mal auf der „gemütlichen“ Seite, herunter und zurück nach Wli. Da haben wir dann eben unsere Sachen aus der Lodge geholt um über Hohoe zum Affenschutzreservat nach Tafi Atome zu fahren. Das letzte Teilstück durften wir auch hier wieder auf dem Rücksitz eines Motorrades zurücklegen, dieses Mal aber ganz brav jeder auf seinem eigenen Motorrad 🙂
Nachdem wir uns angemeldet und unser Zimmer, übrigens dasselbe wie bei meinem ersten Besuch, bezogen hatten, haben wir direkt eine kleine Tour durch’s Dorf gemacht und dabei bereits die ersten Affen entdeckt, die wir eine Viertelstunde beim Kämpfen beobachtet haben. Den Rest des Nachmittags haben wir dann lesenderweise (ist ja schließlich Urlaub…) verbracht und abends ging es nach einem Bierchen, das wir uns nach den Anstrengungen auch verdient hatten, früh ins Bett. Schließlich ging am nächsten Morgen um 06 Uhr die Führung durch den ans Dorf angrenzenden Wald inklusive Affenfütterung los. Ganz entgegen der Gewohnheit war unserer ghanaischer guide auch pünktlich, dafür hatten zwei unserer weißen Mitstreiter wohl verpennt, sowas soll’s auch mal geben 😉 Auch Thees war wieder mit am Start, schließlich will ich mir nicht vorwerfen lassen, dass er bei und mit mir nichts erlebt hätte! Die Fütterung der Affen war natürlich wieder das Highlight, ist schon ein lustiges Gefühl einen kleinen Affen auf dem Arm sitzen zu haben, der versucht eine Banane aus der Hand zu grapschen.
Nach einem umfangreichen, ausgiebigen und sehr leckeren Frühstück (Tee, Brot, Margarine) haben wir uns dann auch direkt auf den Weg gemacht. Unser Ziel war Aburi, eine Kleinstadt im Dunstkreis von Accra, die vor allem durch den 1890 eröffneten Botanischen Garten bekannt ist, der auch unser Ziel war. Davor stand aber eine beschwerliche Reise, zumindest hatte ich dies erwartet. Doch nichts da! Bei drei von vier Umstiegen mussten wir weniger als zwei Minuten (!) auf unsere nächste Fahrtmöglichkeit warten und auch bei unserem einzig längeren Zwischenstopp hat die Zeit gerade gereicht um uns einen kleinen Snack zu besorgen und uns zu stärken. So waren wir dann auch schon gegen Mittag in Aburi und nachdem wir ein Hotel gefunden hatten ging es auch schon in den Botanischen Garten. Auch wenn dieser von Ausflüglern und Kirchengruppen bevölkert war (Wochenende halt…) und es dementsprechend recht laut zuging, war es doch ganz nett da. Wir sind einmal durchspaziert und haben ein paar ruhige Ecken gefunden. Auf einer Bank haben wir dann ein bißchen relaxt und die letzten Tage Revue passieren lassen.
Mir hat der Trip großen Spaß gemacht, die Landschaft in der Voltaregion ist einfach umwerfend und das Wandern hat irre Laune gemacht. Außerdem war es noch mal gut ein paar Tage aus dem Alltagstrott rauszukommen, bevor jetzt der Endspurt losgeht. Das beste war aber natürlich die Zeit mit einem Freund zu verbringen und endlich mal jemandem nahebringen zu können, was ich hier alles erlebt habe und was Ghana so ausmacht, auch wenn wir nur an der Oberfläche kratzen können. Bevor es dann ins Hotel zurückging haben wir uns noch mit einer leckeren Portion Fufuo gestärkt und Thomas hat ein paar Souvenirs gekauft. Ich habe auch mal zugeschlagen und bin jetzt stolzer Besitzer eines Schlüsselanhängers in Form eines kleinen Holzelefanten.
Am nächsten Morgen haben sich Thomas‘ und meine Wege dann vorerst getrennt. Ich bin zurück nach Kumasi gefahren während Thommy in den folgenden Tagen die Küste erkunden und ein bißchen Strandurlaub, den er sich auch redlich verdient hatte, machen wollte.

Tja, und damit sind wir auch schon am Ende meines/unseren kleinen Reiseberichts angelangt. Mittlerweile sind wieder ein paar Tage vergangen und morgen geht’s für mich nach Accra um die letzten beiden Tage von Thomas Ghanabesuch gemeinsam mit ihm zu verbringen. Ihr werdet diese Zeilen aber erst lesen, wenn er schon wieder in Deutschland ist, aber das macht nüscht.

Ich kann nur sagen, dass ich die Zeit mit meinem Besuch sehr genossen habe und ich mich unheimlich gefreut habe, dass er weder Kosten noch Mühen gescheut hat, mich hier zu besuchen. Danke! Und da wir noch ein paar „Andenken“ im Kühlschrank haben, wird diese Freude noch ein paar Tage anhalten 😉
Gleichzeitig steigt schon die Vorfreude auf die nächste Besucherin, denn in gut drei Wochen wird Jenni in Accra landen und dann werden wir, nachdem wir ein gutes Dreivierteljahr engste Lern-, Suppen- und Apfelkollegen waren, einen verdienten Magisterurlaub machen. Ich freue mich…

Bis dahin gibt es natürlich noch ein paar Neuigkeiten aus Denkyemuoso inklusive Solarpumpe, Schulende, etc. Also, seid gespannt.

Viele Grüße,
Andreas

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