Schnelldurchlauf

Liebe Blogfreunde,

zwar ist mein letzter Eintrag noch gar nicht so lange her, aber da ich damals schon ein bißchen hintendran war, sind nun doch schon über zwei Wochen vergangen, in denen einiges passiert ist. Von daher geht’s auch schon los und dieses Mal versuche ich es wirklich kurz zu halten.

Der letzte Eintrag hat mit dem Abschied von Thomas geendet, der ab dem 03.07. ein paar Tage die Küste auf eigene Faust erkundet hat, während ich zurück nach Denkyemuoso gefahren bin, schließlich musste ich ja in die Schule.
Sonntagnachmittag war ich wieder zu Hause und habe auch direkt Stephan kennengelernt. Er ist ein junger Ingenieur, der sich bei den „Ingenieuren ohne Grenzen“ engagiert und an unserer Schule u.a. eine Solarpumpe installiert hat. Diese Pumpe wird der Schule in Zukunft einiges an Geld sparen, da nun kein Strom mehr für den Betrieb der Pumpe bezahlt werden muss. Geld, welches auch in die Verbesserung des Lehrbetriebes gesteckt werden kann.
Stephan hat auch bei uns im Zimmer gewohnt, jedoch haben wir von ihm nicht so viel von ihm mitbekommen, da er ständig auf Achse war. Und damit möchte ich es auch zu diesem Thema bewenden lassen. Wer mehr dazu erfahren möchte, muss sich bis zu meiner Rückkehr gedulden.

Am Montag ging es dann wieder in die Schule, wo ich erfahren habe, dass die Abschlussexamen noch früher beginnen als gedacht, nämlich bereits ab dem 14.07. und ich somit nur noch eine Woche zum Unterrichten hatte, in der ich den Schülern noch zwei Themen nahe bringen sollte. Wie ihr euch sicher vorstellen könnt war dies nicht sonderlich erfolgversprechend, aber was soll’s. Über die Umstände hab ich ja schließlich schon oft genug jammernd, da hieß es einfach Augen zu und durch.
Außerdem habe ich mich in dieser Woche begonnen um meine Zukunft zu kümmern. Das Ende meiner Zeit Ghana bedeutet ja gleichzeitig auch den Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Wenn ich zurück bin muss und will ich mal anfangen zu arbeiten. Aus diesem Grund habe ich meine Bewerbungsunterlagen mal auf Vordermann gebracht und auch schon drei Bewerbungen abgeschickt. So richtig wird der Bewerbungsmarathon war erst nach meiner Rückkehr legen, aber so habe ich mein Gewissen schon mal beruhigt, indem ich es schon mal versucht habe.

Ansonsten ist die Woche ohne besondere Vorkommnisse verlaufen und am Freitag habe ich mich direkt nach der Schule auf den Weg nach Accra gemacht um die letzten Tage von Thomas in Ghana gemeinsam mit ihm zu verbringen. Ich bin nachmittags angekommen und nachdem wir an der Straße eine Riesenportion Banku mit Okra gegessen haben, ging es noch auf zwei Bier in die rooftop bar, eine Bar auf dem Dach eines vierstöckigen Gebäudes, von dem man einen recht schönen Überblick über die Stadt hat. Dort hat Thomas dann von seinen Erlebnissen erzählt und wir haben über seine Zeit hier gequatscht und wie es ihm hier gefallen hat. Dass er ein paar schöne Tage hatte, war auch für mich beruhigend, schließlich war ich es ja, der ihn nach hier gelockt hat.
Am Samstag haben wir nach dem Frühstück erst einmal ein bißchen relaxt, bevor wir in ein anderes Hotel umgezogen sind. Danach sind wir ins Nationalmuseum gegangen, das durchaus interessant war, auch wenn es leicht unstrukturiert aufgebaut war. Aber vor allem eine Sonderausstellung über die Geschichte des Sklavenhandels, illustriert am Beispiel eines dänischen Sklavenschiffes, war gut gemacht und aufschlussreich. Danach sind wir noch ein bißchen durch die Stadt spaziert und haben uns doch gewundert wie wenig in der Stadt los ist, zumindest in den Vierteln, wo ansonsten gearbeitet wird. Total tote Hose. Den Nachmittag haben wir dann in einer Strandbar ausklingen lassen, wo wir bei einem Bierchen den Blick über’s Meer haben schweifen lassen und noch was gequatscht haben. Nach einem kleinen Nickerchen im Hotel hat mich Thommy dann noch zu einer Riesenportion Fufuo eingeladen und nachher gab’s noch ein Malzbier zum Abschluss des Tages.
Sonntagmorgen hieß es dann Abschiednehmen. Es waren ein paar sehr schöne Tage hier mit meinem Besucher und ich hoffe, dass auch meine zwei kommenden Gäste so eine gute Zeit in Ghana haben werden! Am 30.07. kommt ja schon meine liebe Freundin Jenni um mir die Zeit bis zur meiner letzten Etappe hier zu vertreiben.

Nach dem Frühstück ging es für mich aber nicht direkt nach Hause, sondern erst einmal nach Kumasi. Am Nachmittag war nämlich wieder Fußball angesagt, juchuh! Die U23 Ghanas hatte das entscheidende Qualifikationsspiel für die All African Games vor der Brust. Und das ausgerechnet gegen den Erzfeind Nigeria. Dummerweise ging das Hinspiel 1-3 verloren, so dass nun ein Sieg Pflicht war. Nachdem ich die Tickets besorgt hatte und mich mit den anderen Nasen getroffen hatte, ging es auch schon ins dieses Mal nicht so gut gefüllte Baba Yara Stadium. Dass die Stimmung dennoch recht gut war, lag wohl auch am frühen Führungstreffer der „Black Meteorits“. In dem recht munteren Spiel ging es zumeist in Richtung des nigerianischen Tors, aber bis zur Halbzeit sollte es beim 1-0 bleiben. Danach spielte Ghana munter weiter munter nach vorne und nach ca. 70 Minuten gelang dann das erlösende 2-0, das die erfolgreiche Qualifikation bedeuten würde. Und dieses Resultat konnte auch über die Zeit gerettet werden, wobei die vielen „schweren Verletzungen“ der ghanaischen Jungkicker gegen Ende der 90 Minuten schon recht lächerlich und nervend waren. Na ja, aber so kennt man es ja, nicht schön, gehört aber außerhalb Englands wohl dazu.
Die gute Stimmung nach dem Sieg sollte am Abend aber abrupt verfliegen. Zu Hause angekommen habe ich nämlich festgestellt, dass ich Dummbatz irgendwo am oder im Stadion mein Portemonnaie mit 30-40 Cedi, meinem neuen internationalen Studentenausweis und meiner Kreditkarte verloren hatte. Tolle Wurst! Natürlich war ich stinksauer über meine Trotteligkeit und auch eine Portion Nudeln mit Gemüsestew und Parmesan konnte mich nicht wirklich aufmuntern. Zum Glück konnte ich wenigstens meine persönliche Finanzbeauftragte erreichen, so dass sie die Karte sperren konnte. Kein toller Abschluss des Wochenendes, aber et kütt wie et kütt, wat fott is, is fott und lebbe geht weida.

Und zwar mit meinen letzten Tagen als Lehrer. Von Montag bis Mittwoch stand Wiederholung des gesamten Stoffes auf dem Plan. Ich hatte die Schüler gebeten über’s Wochenende mal in ihre Notizen zu schauen und mir dann zu sagen, wo sie denn Probleme hätten. Die Überraschung bei mir war aber trotzdem eher gering, als ich auf meine Frage, bei welchen Themen es denn noch Schwierigkeiten gibt, nur ein Schweigen geerntet habe. Na gut, dann habe ich halt einfach auf gut Glück was zu jedem Thema erklärt und Übungen machen lassen. Ganz sicher nicht das, was ich mir unter einer vernünftigen revision vorgestellt habe, aber wenn man einfach keine Fortschritte sieht oder wenigstens den Willen zum Lernen erkennt, verlässt einen auch irgendwann die Motivation. Am Dienstag lief es zwar etwas besser, aber ich hatte trotzdem nicht das Gefühl, dass die Schüler wirklich verstehen, was sie da machen. Am Mittwoch sollte eigentlich dann meine letzte Stunde sein, zu meiner Überraschung war dann aber doch schon die erste Klassenarbeit angesetzt. Linda wollte sie zwar erst mittags schreiben lassen, aber dann hätte ich nur noch knapp anderthalb Stunden Zeit gehabt und außerdem wären die kids eh total unkonzentriert gewesen. Von daher habe ich es dann gelassen und nur noch eine Runde Süßigkeiten verteilt. Und im Gegensatz zu den (teilweise erwachsenen) Schülern an der GGS haben sich auch alle brav bedankt und keiner hat sich beschwert, dass er nur eins bekommen hat. Und ja, trotz aller Probleme und der nur kurzen Zeit, die ich an der Schule verbracht habe, bin ich doch ein bißchen wehmütig geworden. Auch wenn es nicht so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe, gab es doch auch positive Momente und die Erfahrungen möchte ich auch nicht missen.

Donnerstag und Freitag standen dann ganz im Rahmen der „school prefect“-Wahlen. Hier gibt es für jeden möglichen Scheiß einen Beauftragten, die nun zum ersten Mal gewählt und nicht bestimmt werden sollten. In den Wochen zuvor konnten sich die Schüler für die diversen Positionen bewerben und am Donnerstagnachmittag hatten sie nun die Chance ihr „Programm“ vorzustellen und sich den Fragen der Schüler zu stellen. Wie nicht anders zu erwarten ging die ganze dreistündige Veranstaltung unter ständigem Gebrülle, Gejohle und Getrommel vonstatten. Somit habe ich auch nur die Hälfte der Veranstaltung wirklich verstanden, es war aber schon lustig zu sehen, wie so was hier abläuft. Und ein paar gute Reden waren auch dabei. Wirklich nervend waren nur mal wieder die Lehrer. Ich frage mich wirklich, wieso die sich über Respektlosigkeiten von Seiten der Schüler beschweren. Wenn man die Schüler nicht respektiert muss man sich nicht wundern, wenn auch nichts zurückkommt. Selbst wenn wie Schüler mal kurz ruhig waren, die Lehrer haben trotzdem hemmungslos weiter gequatscht. Schon traurig, dass die ganze Lehrer-Schüler-Beziehung hier nur auf Autorität und blindem Gehorsam beruht und nicht auf Zusammenarbeit.
Am Freitagmorgen fand dann die Wahl statt und als ausgebildeter Politikwissenschaftler habe natürlich gerne die Rolle als Wahlbeauftragter wahrgenommen. Ich habe also die Urne bewacht, die ihre Stimme abgebenden Schüler notiert und am Ende auch mit an der Auszählung teilgenommen. Und was dann passiert ist, kann man sich kaum vorstellen. Mit einem unglaublich hohen Maß an Kreativität, das die Schüler während der Schulzeit sehr gut zu verbergen wissen, haben sie eine symbolische Beerdigung für die Verlierer vorbereitet, inklusive provisorischem Sarg und Umzug zum „Friedhof“. Und natürlich wurde bei der Veröffentlichung der Ergebnisse erst mal richtig krass gefeiert. Die Gewinner wurden unter lautem Gebrüll auf den Schultern durch die Gegend getragen, mit Eimern voller Wasser überschüttet und mit Puder eingestaubt. Eine richtig geile Show, die sie da abgezogen haben!

Am Abend ist dann Appau vorbeigekommen um mit uns über den Fortgang des Sportplatzprojektes zu beraten. Um euch auch auf den neuesten Stand zu bringen: wir haben mittlerweile 5.000 Euro beisammen, was die Hälfte des von uns veranschlagten Betrages ist. Von daher schon mal ein dickes Dankeschön an die Spender und vielleicht ist es ja eine kleine Motivation für die anderen, auch noch den einen oder anderen Euro zusammenzukratzen. Jedenfalls haben wir Appau noch mal klargemacht, dass wir zwar eine qualitativ vernünftige Anlage wollen, aber auf irgendwelche Extras wie Tribünen oder Sitzbänke verzichten. So ein Schnickschnack kann ja immer noch gemacht werden, wenn der Platz mal fertig ist. Wir haben dann auch noch über den optimalen Standort für die Anlage diskutiert und es scheint, dass die Sache jetzt wirklich ins Rollen kommt.

Samstagvormittag bin ich mit Sabrina nach Kumasi gefahren um noch mal ein bißchen Stoff zu kaufen und Lebensmitte einzukaufen. Auf dem Rückweg hat dann Stephan angerufen, dass sich der Schnitt auf seinem Fuß, den er sich ein paar Tage zuvor zugezogen hatte, entzündet hat du nun ziemlich schmerzen würde. Schon ein mieses Timing, er sollte ja am kommenden Tag nach Accra fahren und wieder nach Hause fliegen. Er hatte schon die glorreiche Idee sich die Wunde mit einem Taschenmesser aufzuschneiden, wovon Ruven ihn aber gerade so noch abhalten konnte. Er hat sich dann erst mal mit Antibiotika von Sabrina begnügt, zum Arzt wollte er aber nicht. Nachdem wir mit Harriet Fufuo gepoundet und uns das Ergebnis haben schmecken lassen, sind die Schmerzen dann aber wohl doch so stark geworden, dass er nun doch zum Arzt wollte. Und da geteiltes Leid halbes Leid (oder in diesem Fall gevierteltes) Leid ist, sind wir alle mitgefahren. Um uns die Wartezeit zu verkürzen, haben wir uns dann aber ein Bier geholt und es draußen vor der Praxis getrunken, schon lustig. Na ja, es hat sich herausgestellt, dass der Doc in Bad Hersfeld gelebt hat und daher fließend Deutsch konnte. Nachdem Stephan nen Verband und ein paar Pillen bekommen hat, ging es dann auch wieder nach Hause.
Jedoch habe ich mich da schon ein bißchen schlapp gefühlt und bin direkt ins Bett. Nachts bin ich dann ein paar Mal aufgewacht und hatte Durchfall, Fieber, Schweißausbrüche und bin auch einmal zusammengeklappt. Alles eher uncool. Natürlich war jetzt die Frage, ob mich die Malaria nun doch erwischt hat, aber da ich „nur“ Fieber, Durchfall und ein bißchen Magenschmerzen hatte, es mir also noch recht gut ging, haben wir das ausgeschlossen. Und im Laufe des Tages habe ich mich auch langsam besser gefühlt, so dass ich Montagmorgen nach einer ordentlichen Mütze Schlaf fast wieder hergestellt war. Wahrscheinlich war es nur ein kleiner Infekt, also kein Grund zur Sorge. Mal schauen, ob ich die letzten 51 Tage weiterhin so viel Glück habe und es ohne Malaria nach Hause schaffe…

Tja, und gestern ist dann die letzte Woche an der GGS gestartet. Und zwar mit Fabis Geburtstag. 21 ist der Kleine geworden und damit wir auch ordentlich feiern können, gab es beim Frühstück die feierliche Öffnung des von Thomas mitgebrachten Käses und der Marmelade, hmmmm… Ein Geschenk hatten wir uns von Thommy auch mitbringen lassen, nämlich das tolle Kartenspiel Wizard, auf das Fabi total abgeht. Er hat sich auch sehr gefreut, sicherlich mehr als über die drei Komplettduschen, die er an seinem Geburtstag abbekommen hat. Ich muss schon sagen, dass ich ganz fro bin, dass ich an meinem Geburtstag nicht mehr hier bin, auf diesen Brauch steh ich nicht wirklich.

So, das war der Versuch eines Schnelldurchlaufs durch einen halben Monat. Demnächst gibt’s dann mehr von den letzten Schultagen und den Examen.

Bis bald,
Andreas

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