vielleicht zum letzten Mal…

Liebe Blogfreunde,

 

das Ende naht, in sechs Wochen werde ich schon wieder in Deutschland sein. Da sieht man mal, wie schnell so ein halbes Jahr rumgeht. Und da die letzten Wochen in Ghana noch einmal Reisezeit bedeuten kann es durchaus sein, dass dies der letzte Blogeintrag sein wird. Vielleicht schaffe ich es zwischen meinen beiden Besuchern eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse zu schreiben, aber versprechen kann und möchte ich nichts. Vielleicht schreibe ich am Ende noch mal ein Fazit, aber auch da gilt: alles kann, nichts muss…

 

Nun aber erst mal eine kleine Zusammenfassung der letzten Tage, here we go:

 

Generell ist in den letzten Tagen schon eine richtige Endzeitstimmung aufgekommen. Vor allem bei Ruven ist es der Fall, schließlich wird er schon in anderthalb Wochen Ghana verlassen und nach fast zwölf Monaten nach Deutschland zurückkehren. Aber auch bei uns anderen beginnt das innere Abschied nehmen. Auch wenn wir noch länger im Land sein werden, werden wir Denkyemuoso schon früher den Rücken kehren, bzw. nur noch für kurze Stippvisiten und zum Verschnaufen zurückkehren. Und da in der Schule dann Ferien sind, heißt es zumindest schon mal den Schülern Tschüss zu sagen.

Dies haben wir dann auch letzten Samstag offiziell getan. Am letzten „entertainment-Abend“ des terms wurde noch einmal ein DJ und Boxen gemietet, um ein letztes Mal Halli-Galli zu machen. Außerdem konnten die Schüler noch etwas performen und ein paar haben dann auch getanzt oder gesungen. Wir wollten uns natürlich auch nicht lumpen lassen und nachdem Fabi einen auf Eminem gemacht hat, kam Ruvens und mein großer Auftritt. Gemeinsam haben wir von Fettes Brot „Jein“ gerappt und ich muss zugeben, es war ein großer Spaß. Zwar war es etwas problematisch, da wir nur ein Mikro haben, aber es ging ja eh nur um den Spaß an der Freud‘ und anhand der Reaktion der Schüler würde ich schon sagen, dass unser Auftritt ganz gut angekommen ist. Danach wurde noch mal ordentlich abgefeiert und wieder mal war es faszinierend zu sehen, wie die Leute hier abgehen, wenn sie einfach nur Musik haben – echt stark!

 

Teil des Abschiedes sind natürlich auch die Examen, die am Ende des Schuljahres geschrieben werden. Vielleicht könnt ihr euch noch daran erinnern, dass wir am Ende des zweiten Terms Unmengen an Examen für die Lehrer abtippen mussten. Dieses Mal war es zum Glück nicht so schlimm. Wir haben dem Schuldirektor deutlich gesagt, dass wir gerne helfen, aber nicht als Deppen vom Dienst die Arbeit der Lehrer übernehmen. Und anscheinend haben die Worte gewirkt, viele der Lehrer haben ihre Arbeiten dann selbst abgetippt, so dass wir deutlich weniger zu schreiben hatten. Die paar restlichen Examen waren dann nicht der Rede wert und so haben wir noch im Büro ein bißchen geholfen, die Fragen auszudrucken und für die Examen vorzubereiten. Alles in allem recht unproblematisch und wie gesagt, helfen tun wir ja gerne, solange wir uns nicht ausgenutzt vorkommen. Würde zu gerne wissen, ob diese Praxis jetzt beibehalten wird oder ob die Neuen auch wieder als Schreibkräfte umfunktioniert werden.

 

Auch bei mir an der Grundschule standen ja die Abschlussarbeiten an und da die Grundschule nach der sechsten Klasse endet, gab es dieses Mal vom Ghana Education Service vorgegebene Vergleichsarbeiten. Und als ich letzten Mittwoch zur Mathearbeit kam, hat Linda mir schon gesagt, dass die Ergebnisse in den anderen Fächern nicht wirklich gut waren. Und als ich das Aufgabenblatt für das Matheexamen gesehen habe, war mir schon klar, dass auch die Resultate in diesem Fach nicht gut sein werden. Schon die Formulierung der Fragen war für einige meiner Schüler wohl schon zu viel, jedenfalls kann man dies aus den vollkommen wirren Antwortversuchen schließen. Teilweise wurden einfach irgendwelche Zahlen in den merkwürdigsten Formeln aufgeschrieben, die nichts mit der Aufgabenstellung zu tun hatte. Dementsprechend waren dann auch die Ergebnisse. Zum Verständnis, bei 40 % der erreichten Punkte hat man bestanden und leider war das nur bei meinem Klassenbesten der Fall, der es auf 49 % gebracht hat. Zwei oder drei andere Schüler waren noch zwischen 30 % und 40 %, der Rest unter ferner liefen. Wenn man es wohlwollend beschreiben will, ein recht ernüchterndes Ergebnis, man kann es auch katastrophal nennen. Aber ich würde gerne wissen, wie die Ergebnisse in anderen Schulen ausgesehen haben, ich kann mir nicht vorstellen, dass meine kids wirklich so dumm sind und sie die Ausnahme darstellen.

Jedoch muss ich auch zugeben, dass einige wirklich nicht das Niveau der sechsten Klasse haben und für das schlechteste Viertel wird die Schulkarriere nun wohl auch beendet sein. Wenn ich es richtig verstanden habe, dürfen diese Schüler nämlich nach den Sommerferien nicht die Junior Secondary School besuchen, jedenfalls nicht die staatliche. Keine Ahnung, ob sie auch ohne entsprechende Ergebnisse auf eine private Schule können, aber solange das Schulgeld gezahlt wird kann ich mir das schon vorstellen.

 

Gestern stand dann zum Abschluss des Schuljahres noch ein Ausflug an. Ziel war der Kakum National Park und Cape Coast Castle. Nach den für Ghana üblichen Verzögerungen ging es um 06.30 Uhr in einem viel zu kleinem Bus los. Nach viereinhalb Stunden Fahrt hatten wir unser erstes Etappenziel erreicht und es gab erst einmal ein mitgebrachtes Mittagessen. Danach ging es mit unserer fast 50 Personen zählenden Gruppe auf den Canopy Walkway. In ca. 30 Metern Höhe wurde im und über dem Regenwald eine Bretterkonstruktion befestigt, auf der man nun über dem Urwald spazieren kann. Nichts für Leute mit Höhenangst, ich fand es aber auf jeden Fall ziemlich gut. Auch die Schüler hatten jede Menge Spaß, für sie war es sicherlich ein tolles Erlebnis. Danach ging es zur ehemaligen Sklavenburg nach Cape Coast, wo wir noch eine informative Führung bekommen haben. Vorher hatte ich aber ein sehr unschönes Erlebnis, ich hatte nämlich das erste Mal das Gefühl wegen meiner Hautfarbe anders behandelt zu werden. Alle Lehrer sollten einen Cedi für die Führung bezahlen, nur ich sollte fünf bezahlen. Begründet wurde dies mit der Tatsache, dass es steuerliche Gründe habe, weil ich kein Ghanaer bin. Auf meinen Einwand, ob denn bei jedem Besucher der Ausweis kontrolliert werde um festzustellen, ob die Person vielleicht Nigerianer, Togolese oder Ivorer sei, gab es als Antwort, dass sie das sofort sehen würden. Diese Antwort hat mich nicht wirklich befriedigt und ich war richtig wütend. Ich habe dann aber die fünf Cedi bezahlt, damit die Schüler ihre Tour machen können.

Auch wenn es keine große Sache war muss ich doch zugeben, dass es mir ziemlich nahe gegangen ist. Ich möchte nicht wissen, wie es wohl für Afrikaner in Deutschland ist, die jeden Tag mit Ungleichbehandlungen oder Diskriminierungen oder sogar Fremdenfeindlichkeit konfrontiert werden. Was wohl in ihnen vorgeht, wenn sie Tag für Tag solche Erlebnisse ertragen müssen, ich könnte das nicht.

 

Mit diesem ernsten Thema möchte ich diesen Eintrag beenden, natürlich nicht ohne einen kurzen Ausblick auf die nächsten Tage zu geben. Am morgigen Freitag steht die Abschiedsfeier an. Wir haben bei den Küchenfeen ein Essen bestellt und haben einige Freunde und Bekannte eingeladen. Wir wollen ein paar Fotos zeigen und nach dem „offiziellen“ Teil noch in die Bar weiterziehen.

Samstagmorgen geht es dann für Fabi und mich nach Accra, wo wir abends seine Herzensschönste und meine Freundin und Magisterleidensgenossin Jenni vom Flughafen abholen. Sonntag geht es dann zurück nach Kumasi und am Dienstag werden sich all unsere Wege für’s erste trennen, bevor wir uns am Wochenende in Accra wiedertreffen um Ruven zu verabschieden.

 

Damit soll’s das auch gewesen sein, genießt den restlichen Sommer (haha!) und bis spätestens in Deutschland.

 

Ich freu mich auf euch!

 

Bis dann,

Andreas

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