Schulalltag

Hallo liebe Ghana-Freunde,

solltet ihr diesen Blogeintrag heute am Donnerstag lesen, dürft ihr mir heute zur Halbzeit gratulieren. 97 Tage meines kleinen Afrikaabenteuers liegen jetzt hinter mir und noch einmal derselbe Zeitraum liegt jetzt noch vor mir. Und die kommende Hälfte wird wahrscheinlich noch mal aufregend, was vor allem an meinen zwei (vielleicht sogar drei) Besuchern liegt, auf deren Kommen ich mich schon freue.

Korrektur: Wir befinden uns schon in der zweiten Hälfte. Eigentlich wollte ich den Eintrag am Donnerstag veröffentlicht haben, aber mein malader Körper hat mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber kein Grund zur Sorge, nichts ernstes und ich bin mittlerweile auch wieder voll auf der Höhe. Aber weiter mit dem Eintrag…

Natürlich werde ich in den kommenden Wochen auch noch unterrichten und versuchen meinen Schülern ein bißchen Mathe beizubringen. Und von meinen diesbezüglichen Versuchen handelt auch der heutige Eintrag.
Wie schon beim letzten Mal geschrieben begann der Unterricht nicht am 02., sondern erst am 09. Mai. Und von der ersten eher schleppend verlaufenen Woche habe ich euch ja auch schon berichtet.
Am 16.05. sollte ich dann wirklich loslegen, da aber noch nicht alle Schüler ihre „graph books“ hatten, habe ich noch mal wiederholt. Diese Kleinigkeiten machen wohl den größten Unterschied zu Deutschland aus, es ist einfach nicht selbstverständlich, dass die Schüler alle Unterrichtsmaterialien besitzen. Mal fehlt der Bleistift, mal ist das Heft voll und kein Geld für ein Neues da. Daran muss man sich erst mal gewöhnen.
Und auch ansonsten lief es in den letzten beiden Wochen nicht so gut, wie ich es mir erhofft hatte. Das größte Hindernis ist dabei eindeutig die Sprachbarriere. Zwar versuche ich möglichst langsam, laut und deutlich zu sprechen und auch einfaches Englisch zu benutzen, aber ich habe oft das Gefühl, dass mich die meisten Schüler überhaupt nicht verstehen. Jedoch liegt es auch an den teilweise doch miserablen Sprachkenntnissen der Schüler. Selbst einfachste Fragestellungen und Aufgaben werden von vielen Schülern nicht verstanden, so dass sie immer nachfragen, was sie denn eigentlich machen müssen.
Ein damit zusammenhängendes Problem ist, dass die Schüler sich auch nicht trauen zuzugeben, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Meistens nicken sie alle nur mit dem Kopf und sagen „Yes, Sir!“, wenn ich frage, ob alles verstanden worden ist. Letzte Woche meinte Madame Linda, dass sie den Schülern noch mal was erklären musste, da sie zu ihr gekommen sind, weil sie meine Erklärung nicht verstanden hätten. Als ich aber gefragt hatte, hat sich keiner getraut sich zu melden. Grund für dieses Verstecken in der Masse liegt wohl auch im Verhalten der Schüler der begründet. Sobald einer von der Masse abweicht und zugibt, dass er etwas nicht verstanden hat, erntet er Gelächter von seinen Klassenkameraden. Kein Wunder, dass sich dann keiner traut, sich zu melden.
Auch hat Linda erst in dieser Woche begonnen den Unterricht im Klassenraum zu verfolgen, so wie es eigentlich abgesprochen war. Davor ist sie entweder nach draußen oder ins Lehrerzimmer gegangen um dort zu telefonieren, zu quatschen oder zu frühstücken. Da war es dann auch kein Wunder, dass die Klasse meistens recht unruhig war und nicht wirklich konzentriert gearbeitet hat. Gestern und heute war sie jedoch die ganze Zeit im Klassenraum und schon war eine deutlich angenehmere Arbeitsatmosphäre vorhanden. Zudem kann sie bei Problemen auch was auf Twi erklären. Hoffen wir mal, dass es so bleibt. Das würde mir die Sache deutlich vereinfachen.
Jedoch glaube ich, dass die nächsten Wochen doch recht stressig werden. Durch den Streik im letzten term ist doch ziemlich an Stoff liegengeblieben und muss in den verbleibenden Wochen den Schülern eingetrichtert werden. Da sich nämlich nach der sechsten Klasse entscheidet, wer auf die weiterführende Schule darf und wer nicht, gibt es eine zentrale Abschlussarbeit für alle sechsten Klassen der Ashanti-Region. Daher müssen alle Themen des Buches noch durchgenommen werden, auch wenn es eigentlich kontraproduktiv ist. Für das jetzige Thema habe ich ca. zweieinhalb Wochen gebraucht und wenn man bedenkt, dass es noch fünf Kapitel gibt, in knapp acht Wochen aber schon die Klassenarbeiten geschrieben werden, könnt ihr euch vorstellen, was da noch auf mich zukommt. Na ja, ich bin mal gespannt, wie wir das regeln. Ich werde euch natürlich auf dem Laufenden halten…

Ansonsten ist hier in den letzten Wochen nicht besonders viel passiert. Dies war wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass ich letzte Woche auch einen kleinen Durchhänger hatte. So haben mich die Probleme in der Schule ein bißchen runtergezogen und auch sonst sind ein paar Kleinigkeiten vorgefallen, die mich leicht bis mittelschwer genervt haben. Dies in Verbindung mit dem variationsarmen Alltag habe ich dann so etwas wie einen kleinen Lagerkoller gehabt. Nach ein paar Stunden war der Ärger dann aber auch wieder verraucht. Zudem haben wir uns jetzt zum Ziel gesetzt das Kochbuch für die Sportplatzspender (noch mal vielen Dank an alle, die schon was überwiesen haben! Es wird langsam…) in den nächsten zwei Wochen fertigzustellen, so dass es erst mal nicht so langweilig ist. Und dann wird auch schon der neue Kindergarten eröffnet, mein Besuch kommt und dann ist das Schuljahr auch schon fast zu Ende. Daher glaube ich auch, dass die zweite Hälfte meines Aufenthaltes noch schneller vorbeigehen wird als die Erste.

Langsam steigt auch bei mir die Vorfreude auf Familie & Freunde und, auch wenn ich es nicht gerne zugebe, auf Deutschland. Erst wenn man weg ist, merkt man mal, wie entspannt ein geordnetes, bürokratisches Leben doch sein kann. Mal sehen, ob mir die Umstellung dann leicht fällt, aber ich denke nicht, dass ich lange im gemütlichen afrikanischen Trott verweilen werde.

Na gut, das soll es für heute gewesen sein. Macht es gut und bis bald,
Andreas

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Aboakyer & Erholung

Liebe Leser,

es ist mal wieder Zeit für einen Blogeintrag. Falls ihr es noch nicht entdeckt habe, ich habe in den letzen Tagen auch ein paar Fotos hochgeladen, die ihr bei Picasa finden könnt. Anhand dieser könnt ihr euch vielleicht ein bißchen besser vorstellen, was ich in den vergangenen Wochen erlebt habe.

Nachdem ich über zwei Wochen fast ausschließlich unterwegs war, sollten die nächsten Tage deutlich ruhiger werden. In der Schule war nichts los, da ja noch Ferien waren und auch Ruven, Sabrina und Fabian waren noch unterwegs, so dass ich das erste Mal seit zwei Monaten wieder richtig alleine war. Auch wenn ich es die ersten Tage noch genossen habe, war mir doch bald schon recht langweilig so ganz ohne Gesellschaft. Jedoch hatte ich genug zu tun, so dass ich kaum Zeit hatte die anderen richtig zu vermissen 😉 Zuerst stand erst einmal Wäsche waschen auf dem Programm und zwar vier Tage lag jeweils zwei Eimer. Und das war eine eklige Suppe könnt ihr mir glauben. Was an Staub und Dreck in den Klamotten hängen bleibt, wenn man in Afrika unterwegs ist, ist schon erstaunlich.
Zudem musste ich mich nach meiner Rückkehr mal intensiv um meinen Computer kümmern. Leider macht sich sein Alter doch bemerkbar und die afrikanischen Verhältnisse setzen ihm doch mehr zu als befürchtet. Der Bildschirm macht schon seit einigen Wochen Probleme und mittlerweile erkennt er auch die USB-Anschlüsse nicht mehr. Dies ist umso tragischer, da ich auch meinen Internetstick nun nicht mehr gebrauchen kann. Auch kann ich weder meine Festplatte noch meine Kamera (aber die ist ja „zum Glück“ auch kaputt…) an den Computer anschließen. Na ja, hoffen wir mal, dass der Laptop wenigstens die letzten drei Monate noch durchhält, dann hat er seinen Dienst geleistet und hat sich einen würdevollen Tod verdient.
Trotz langer Aufenthalte im Internetcafé, des mühsamen Downloads eines Reparaturprogrammes und einiger Telefonkonferenzen mit dem Computerspezialisten meines Vertrauens stellte sich keine Besserung ein, aber immerhin war ich beschäftigt.
Ansonsten habe ich die Ruhe genossen, habe Zeitung gelesen und gerätselt, leckere Sachen gekocht, Blogartikel geschrieben und – ja, so was bleibt hat nicht aus, wenn man viel Zeit hat – ein bißchen mein Zuhause vermisst. Aber bei einem Blick in den Kühlschrank war dieses Gefühl direkt vergessen. Sowohl Ruvens Freunde als auch Fabis Eltern haben ihr Freigepäck nämlich ausgenutzt und uns zahlreiche Köstlichkeiten aus Deutschland mitgebracht. Unser Kühlschrank war randvoll mit Käse, Salami, Brot, Schokolade, Keksen, Gummibärchen und ich konnte es kaum erwarten bis die anderen wiederkommen würden um all diese Leckereien zu vernichten.
Und am Sonntag war es dann so weit. Am Vortag war Fabi schon wieder in Denkyemuoso eingetroffen und abends kamen auch die anderen an. Ich hatte nachmittags schon ein Gemüsestew gezaubert, so dass wir nur noch Nudeln machen mussten. Und dann kam der große Moment: es gab Parmesan! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie lecker diese paar Hobel Käse geschmeckt haben, es war ein ganz ungewohnter Geschmack, da man so was hier überhaupt nicht kennt. Auch das Frühstück erreichte nun vollkommen neue Dimensionen. Im ersten halben Jahr wurde hier wohl, auch aus Kostengründen, immer recht karg gefrühstückt. Aber seit dem Wechsel im Februar wurde die Frühstücksausstattung immer reichhaltiger und abwechslungsreicher. Momentan ist es jeden Tag ein wahres Festessen. Neben den importierten Köstlichkeiten wie Gouda und Salami gibt’s mittlerweile regelmäßig Schmierkäse, Corned Beef, Marmelade, Erdnussbutter, original ghanaische Schokocreme und auch Senf und Tomatenmark haben den Weg auf den Frühstückstisch gefunden. Zudem haben wir dank Dosenmilch einen Weg gefunden den wässrigen Kakao deutlich aufzuwerten. Auch machen wir nun öfter mal Haferschleim, pimpen diesen aber mit Kakaopulver und Bananen, so dass auch dieser deutlich besser schmeckt. Am Wochenende gibt es auch manchmal noch ein hartgekochtes Ei oder ein paar Tomaten dazu, so dass wir eine richtig gute Auswahl haben, jedenfalls solange wir noch ein paar Vorräte haben.
Die restlichen Tage, die Ruvens Freunde bei uns waren, wurde dann auch abends mit Daniels Hilfe groß gekocht und wir haben gut geschlemmt. Natürlich gab es zum Abschied noch unsere heißgeliebten Pfannkuchen, auch hier haben wir uns mittlerweile ein paar Variationsmöglichkeiten einfallen lassen. Aber es ist schon kurios. Wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich bei Pfannkuchen wohl unweigerlich an meine Zeit in Ghana denken müssen, schließlich sind die bei uns zu einer Art Festessen geworden.

Und dann waren die Ferien auch schon wieder vorbei und am 03. Mai sollte es eigentlich wieder mit der Schule weitergehen. Wie ihr euch schon anhand der Formulierung denken könnt, war dem aber nicht so, womit ich aber schon gerechnet hatte. Am ersten Schultag waren neben vier oder fünf Lehrer so ca. 20-25 Schüler da. An Unterricht war natürlich nicht zu denken, aber so habe ich mich ein bißchen mit Linda, der Lehrerin der Klasse in der ich unterrichte, unterhalten. Auch am nächsten Tag war nicht viel mehr los und die anwesenden Schüler wurden damit beauftragt das Schulgelände zu säubern. Es ist für das europäische schon merkwürdig mitanzusehen, aber hier wird jeden Tag das Gelände gefegt und aufgeräumt. Hierbei muss man sich aber vor Augen rufen, dass es sich hierbei um einen Gras- und Staubplatz handelt, der jeden Morgen gefegt wird.
Da auch nicht abzusehen war, dass in den nächsten Tagen mehr passieren würde, bin ich Donnerstag und Freitag nicht mehr zur Schule gegangen. Ein Grund dafür war auch, dass es für Sabrina und mich am Freitag mal wieder nach Winneba gehen sollte. Dieses Mal aber nicht (nur) wegen des Strandes. Am Samstag sollte nämlich eines der größten, bekanntesten und traditionellsten Festivals Ghanas – Aboakyer – in der Stadt stattfinden. Kurz gesagt geht es hierbei um einen Wettstreit zweier Gruppen, die auf einer alten Tradition basiert. Am ersten Samstag im Mai verlassen zwei Gruppen die Stadt auf der Suche nach einer Antilope, die ohne Hilfsmittel gefangen werden muss und dann geopfert wird. Mehr Informationen hat google parat, sonst wird das hier wieder viel zu lang 😉

Die Fahrt nach Winneba war doch ziemlich anstrengend, da wir faulerweise ganz normal aufgestanden waren und uns erst nach dem Frühstück zur Busstation aufgemacht hatten, wo aber schon eine elend lange Schlange am Schalter für Tickets nach Cape Coast wartete. Da sich auch nach einer Stunde noch nicht so viel bewegt hatte, haben wir uns mit einem Taxi quer durch die Stadt gequält um dort ein Tro-Tro zu nehmen, auf dessen Abfahrt wir dann aber auch noch eine Stunde warten mussten. Schlussendlich waren wir dann erst um 16 Uhr in Winneba, aber schon bei der Fahrt durch den Ort haben wir bemerkt, dass deutlich mehr los war als sonst. Auf dem Weg zu Aziz’ Guesthouse sind wir dann schon in einen ersten Umzug einer der beiden Gruppen gekommen. Auch ansonsten war auf den Straßen viel los und zu unserer Überraschung auch viele als Frauen verkleidete Männer. Was genau es damit auf sich hat konnte und niemand erklären, es war aber in jedem Fall sehr lustig das zu sehen, vor allem da die Männer hier doch ansonsten recht chauvinistisch sind. Nach dem Abendessen sind wir dann noch zum Strand, da wir beide wenig Lust hatten uns in der vollen Innenstadt mit ohrenbetäubender Musik beschallen zu lassen. Warum können die Ghanaer nicht mal in angemessener Lautstärke Spaß haben? Oder bin ich einfach nur ein langweiliger, alter, weißer Spießer? Na ja, am Strand war, wie nicht anders zu erwarten, wunderschön. Keine Spur vom Trubel, der in der Stadt herrschte, dafür ein wolkenfreier Himmel mit einer unglaublichen Anzahl von Sternen. Dazu noch das Rauschen des Meeres, da kann man einfach nicht anders als sich hinzulegen, die Schönheit der Natur zu bewundern und langsam wegzudämmern.
Am nächsten Tag wollten wir uns um 6 Uhr mit Isaac treffen um uns gemeinsam die Rückkehr der „Krieger“ anzuschauen. Er und sein Besuch waren aber gerade erst aufgestanden und so sind wir schon mal zur Straße vorgegangen. Dort konnten wir dann feststellen, dass gerade erst der Auszug der zwei Gruppen stattfand. Es gab einige lustige, beeindruckende und außergewöhnliche Verkleidungen zu bewundern und auch der abschließende Aufmarsch der verschiedenen Chiefs war recht beeindruckend. Nach einem Frühstück wollten wir dann zum eigentlichen Festplatz weiter und wie wir nun feststellen sollten, war dies deutlich schwieriger als gedacht, da auch die Einheimischen nicht genau wussten, was wo passiert. So sind wir erstmal durch die Stadt gelaufen (wie sich nachher herausstellen sollte nur 100 Meter vom Festgelände entfernt) und aus der Stadt gefahren, bevor wir dann mit dem Taxi endlich an unserem Ziel angekommen sind. Da war auch schon einiges los, aber wir haben glücklicherweise noch einen Platz unter einem Zeltdach bekommen. Und das war auch gut so, denn in den kommenden zwei Stunden passierte außer den ermüdenden Reden von irgendwelchen Offiziellen nicht viel. Danach sorgte eine traditionelle Trommel- und Tanzgruppe für ein bißchen Unterhaltung, aber so langsam machte sich Langeweile breit und es wurde deutlich leerer auf dem Platz. Gegen 12 Uhr, nach dreistündigem Warten in der Hitze, kam aber auf einmal Unruhe auf. Und plötzlich kam eine Gruppe von ca. sechzig Leuten auf den Platz gelaufen und hat eine Runde gedreht. Und tatsächlich konnte ich im Getümmel sehen, wie einer der Männer eine kleine Antilope auf den Schultern trug, schon crazy. Gestoppt haben sie dann dummerweise am anderen Ende des Platzes, wo die Chiefs Platz genommen hatten. Wie die Leute um mich rum bin ich dann auch da hingelaufen, aber so richtig konnte ich nicht erkennen, was da vor sich geht. Dann zog die gesamte Gruppe und alle Schaulustigen ins Dorf und wir sind natürlich hinterher um zu sehen was weiterpassiert. Aber leider löste sich die Gruppe dann irgendwann auf, ohne dass wir erkennen konnten, wo die Protagonisten denn hingegangen waren. Wir waren ein bißchen enttäuscht, dass wir so wenig von der Aktion gesehen haben, von der wir uns doch etwas mehr versprochen hatten. Und so haben wir uns dann entschlossen einen entspannten Tag am Nachmittag zu verbringen, wenn wir schon mal da waren. Gesagt getan und am Strand relaxt und ein bißchen mit den Wellen gekämpft. Abends gingen wir dann wieder lecker Essen und haben den Abend mit einem Bierchen wieder unterm Sternenzelt mit Meeresrauschen im Ohr ausklingen lassen bis wir eingeschlafen sind. Daran könnte ich mich gewöhnen…
Sonntag ging es dann ohne Probleme zurück und auch wenn das Festival nicht das gehalten hat, was ich mir davon versprochen habe, so war es doch ganz nett einmal zu sehen, wie die Ghanaer ihre Traditionen feiern und wie so ein Fest abläuft.

Und dann hatten wir auch schon Montag uns auch wenn es kaum zu glauben ist, aber die Schule ging wirklich los! Na ja, so richtig dann auch wieder nicht. Zum einen hatten die Schüler noch kein Millimeterpapier, was wir aber eigentlich für das neue Thema (Graphen und Statistik) brauchen, zum anderen befindet sich Linda gerade selber im Prüfungsstress, weshalb sie es leider nicht geschafft hatte den Unterricht vorzubereiten… So wurde nur ein bißchen wiederholt, ich habe die Übungen korrigiert (ein roter Kuli ist schon ein sehr machtvolles Werkzeug) und die weitere Vorgehensweise mit Linda abgesprochen. Ich werde nun tatsächlich vier Mal die Woche (Mittwoch ist mein freier Tag und somit Waschtag) Mathe unterrichten. Linda bleibt aber in der Klasse oder ist im Lehrerzimmer, so dass ich sie bei Problemen holen lassen kann. Denn auch wenn Englisch Amtsprache ist, ist das Niveau der Schüler doch recht bescheiden, so dass es durchaus mal zu Problemen kommen kann, wenn ich versuche etwas zu erklären und ich es nicht schaffe rüberzubringen, was ich will. Dann kann sie das Ganze noch mal auf Twi erklären. Und zudem ist sie natürlich deutlich erfahrener und wie sie mit den Kids umzugehen hat. Schauen wir einfach mal, wie es wird.
Am Dienstag hatte ich dann doch wirklich meine erste richtige Stunde, und das nach nur knapp 11 Wochen, die seit meiner Ankunft in Ghana vergangen sind… Am Anfang ging es etwas stockend los, aber das ist wohl normal. Am Ende war es aber ganz ok, auch wenn es bei der Aufgabe, die wir gemacht haben, doch einige Probleme gab. Dies lag aber auch am Buch, das deutlich über dem Niveau der meisten Schüler liegt. Ein bißchen problematisch ist auch, dass mir die Namen der Schüler noch große Probleme machen, bis auf drei, vier Kinder kann ich sie nämlich noch nicht auseinanderhalten. Ich hatte mir zwar mal nen Sitzplan gebastelt, aber da die Schüler sich aber oft einfach dahinsetzen, wo sie gerade Lust zu haben, bringt der nicht ganz so viel. Ich versuche mir die Namen jetzt ein bißchen einzuprägen, indem ich den Schülern die Aufgabenhefte selber zurückgebe und dies nicht von den Schülern erledigen lasse.
Am Donnerstag ging ich dann frohen Mutes runter zur Grundschule, wo meiner aufkeimenden Euphorie ein herber Schlag versetzt wurde. Bis auf einen waren nämlich alle Lehrer nicht anwesend. Kein Wunder, dass ich sofort wieder mit einer Fortsetzung des Streiks gerechnet habe. Da ich aber schon mal da war, habe ich – wie auch schon beim ersten Streik vor den Ferien – einfach mal versucht alleine zu unterrichten. Dieses Mal hat es auch deutlich besser geklappt, was aber auch am einfachen Thema lag. Nichtsdestotrotz war ich am Nachmittag doch ziemlich enttäuscht und habe befürchtet, dass es das jetzt schon wieder mit Unterrichten war.
Am Freitag waren aber wieder alle Lehrer da und Linda hat mir gesagt, dass sie gestern wegen eines Meetings nicht da waren. Und tatsächlich ist eine Fortsetzung des Streiks nach wie vor möglich, in den folgenden Tagen finden weitere Verhandlungen statt und dann wird man sehen, wie die ganze Geschichte ausgeht. So viel erst einmal von meiner Lehrerkarriere.

Zum Schluss noch eine kurze Zusammenfassung der restlichen Woche, damit ihr auch wisst, was mich sonst wo bewegt. Und dies war letzte Woche vor allem die Bundesliga. Nachdem ich meine Borussia ja eigentlich schon abgeschrieben hatte, bestand doch nach einer großartigen Aufholjagd doch tatsächlich die Chance noch die Klasse zu halten. Ich war die ganze Woche schon nervös und am Samstagvormittag wurde es dann noch schlimmer und kurz vor dem Abpfiff war mir regelrecht schlecht. Um das Spiel verfolgen zu können bin ich extra nach Kumasi gefahren und habe mich dort für zweieinhalb Stunden im Internetcafé einquartiert um den letzten Spieltag auf WDR 2 verfolgen zu können. Und es waren die erwarteten Höllenqualen, aber am Ende war es ja doch mehr oder weniger ok und es geht in die Relegation. Dies hat natürlich nicht zu meiner Entspannung geführt, vielmehr war ich den restlichen Samstag noch verkrampfter als vorher.

Ansonsten war die Woche von lukullischen Freuden geprägt, wir haben unsere erste (und leider auch vorletzte) Packung Parmesan zu einer leckeren Gemüsesauce gegessen, es gab zweimal Fufuo sowie Schoko-Bananen-Haferschleim und einige Kekse und Tafeln Schokolade mussten auch dran glauben. Unter anderem haben wir auch zwei Tafeln in unserer Deutschstunde im Radio verlost. Aber ach der Moderator hatte seinen Spaß an der lila Leckerei, er hat nämlich mehr als eine halbe Tafel live on air verputzt, ein großer Spaß.

So, mal wieder viel zu viel. Hoffen wir, dass mein nächster Bericht hauptsächlich von meinem Schulalltag handelt und hoffentlich auch von zwei sehr fröhlichen Abenden, die mit erfolgreichen Relegationsspielen zu tun haben. Also, Daumen drücken bitte!

Bis bald,
Andreas

Voltaregion

Verehrte Leserschaft,

und weiter geht’s mit der Erkundungstour durch Ghana. Nachdem der Norden und Accra schon abgehakt wurden, ging es nun für ein paar Tage in die Voltaregion im Südosten Ghanas, eine äußerst vegetationsreiche und landschaftlich schöne Gegend, die sich vom Rest des Landes dahingehend unterscheidet, dass es doch recht hügelig ist und sich dort auch der höchste Berg Ghanas (knapp 900 Meter) befindet.

Nachdem ich ziemlich geschafft Freitagnachmittag wieder in Denkyemuoso angekommen bin ging es Samstagmorgen um 6 Uhr auch schon wieder weiter, also keine Zeit zum Ausruhen. Mit fünf Personen (Fabi hatte seine Eltern zu Besuch und ist mit denen gereist), vier Rucksäcken und viel Vorfreude haben wir uns erst einmal in ein Tro-Tro gequetscht, wo eigentlich nur noch drei Plätze frei waren. Aber wenn der Mate sagt, dass es passt, dann passt es auch. Wobei ihr im Hinterkopf behalten dürft, dass die ganzen Reisen im Tro-Tro für mich nicht so beschwerlich sind und waren wie für Ruven (1,86 m) und besonders für seinen Besuch (beide über 1,90 m). Manchmal ist es doch von Vorteil klein zu sein 🙂

In Kumasi mussten wir dann noch eine ganze Zeit auf die Abfahrt des Tro-Tros warten, waren aber frohgemut, da der Minibus keinen Fernseher hatte und wir somit auf der langen Fahrt, die uns erwarten sollte, zumindest von afrikanischer Filmkunst verschont werden. Der erste Teil der Strecke war derselbe wie in Richtung Accra und es war schon ein wenig deprimierend, da ich vor weniger als 24 Stunden erst in die andere Richtung gefahren bin. Der zweite Teil der Fahrt hat mich dann aber entschädigt, da wir durch doch schon recht bergiges Gelände gefahren sind und teilweise auch ein paar Serpentinen bezwingen mussten. Die grünen Berge haben jedenfalls einen ersten Vorgeschmack auf das gegeben, was uns in den nächsten Tagen erwarten sollte.

Nachdem wir noch einmal umsteigen mussten hatten wir am frühen Nachmittag unser Ziel Akosombo erreicht. Diese Kleinstadt wurde in den 1960er Jahren aus dem Boden gestampft, da hier das wohl bedeutendste Bauprojekt Ghanas geschaffen wurde – der Voltastausee. Um den steigenden Energiebedarf des Landes bewältigen zu können wurde hier ein Wasserkraftwerk gebaut und der Volta gestaut, so dass der größte künstliche See der Welt geschaffen wurde! Und man merkt sofort, dass Akosombo eine künstlich angelegte Siedlung ist. Als wir auf der Suche nach einem Hotel durch den Ort gelaufen sind, haben wir uns gefühlt wie in einem amerikanischen Suburb. Überall kleine Reihenhäuser, teilweise mit kleinen Rasenflächen vor dem Haus, geteerte Straßen, Sportplätze mit richtigem Rasen und nichts was Ghana sonst ausmacht. Da es aufgrund der Ostertage auch sehr ruhig war und die Stadt recht verlassen gewirkt hat, haben wir uns doch etwas unwohl gefühlt. Insgesamt eine total merkwürdige Stadt, so was habe ich hier nicht erwartet. Da alle günstigen Hotels auch schon voll waren, sind wir dann zurück in den Nachbarort gefahren und haben da zwei günstige Zimmer bekommen. Danach sind wir ein bißchen spazieren gegangen und haben auf einer recht großen, freihängenden Brücke den Blick über den Volta genossen. Auf der Suche nach was zu essen sind wir dann auf dem Rückweg auf eine Bar gestoßen, in der die letzten fünf Minuten des Samstagabendspiels des 31. Spieltags – Borussia vs. Lüdenscheid-Nord – liefen. Da der Bildschirm zu klein war, konnte ich jedoch sehen, dass bei Gladbach eine Eins stand, aber nicht wie viele Tore Dortmund geschossen hatte. Da die aber verzweifelt nach vorne stürmten hatte ich die Hoffnung, dass es zumindest remis stehen würde. Gebannt habe ich die letzten Minuten verfolgt und als nach dem Schlusspfiff alle wahren Borussen die armen hochgerissen haben und das 1-0-Endergebis eingeblendet bin ich auch eine Runde durch Atimpoku gehüpft und der Abend war gerettet. Nachdem wir dann was gegessen hatten sind wir dann in eine Bar eingekehrt und waren ganz erstaunt, dass es in der kleinen Stadt so viele Leute unterwegs waren und überall richtig laute Musik gespielt wurde. Wie ich dann ein paar Tage später herausgefunden habe, wird Ostern im Osten Ghanas richtig groß gefeiert und zwar nicht nur in der Kirche, sondern auch tagsüber und abends lassen es die Ghanaer hier dann richtig krachen. Leider war ich aufgrund der Reisestrapazen ziemlich geschafft und bin früh ins Bett gegangen, denn am nächsten Tag sollte ein besonderer Ausflug stattfinden. Jedoch sollte der Tag mit einem großen Schock enden. Als ich bettfertig war musste ich mit Entsetzen, dass ich Malaria zu Hause vergessen hatte! Um mich vor den Mücken zu schützen, ist eine kleine Malaria-Plüschvire nämlich meine ständige Begleiterin. Und jetzt musste ich die nächsten Nächte komplett ohne ihren Schutz überstehen. In diesem Moment habe ich mir eingeredet, dass ich wohl dann demnächst krank werden würde, aber bisher ist nichts passiert – Glück gehabt.

Ostersonntag stand dann eine luxuriöse Bootstour auf dem Programm. Mit der „Dodi Princess“ wollten wir für ein paar Stunden auf dem Voltasee herumschippern und dazu war noch ein Landausflug auf Dodi Island vorgesehen. Mit 36 Cedi war es ein ziemlich teurer Spaß, auch wenn ein Getränk und das Mittagessen inklusive waren. Daher waren auch nur die wohlhabenden Ghanaer und jede Menge Ausländer an Bord. Schon lustig, wenn man auf einmal nicht derjenige mit dem meisten Geld im Portemonnaie ist. Zwar waren eigene Speisen und Getränke an Bord verboten, aber da eine ghanaische Familie eine Kühlbox mit an Bord geschleppt hat, konnten wir auch unsere Wasserflaschen noch mal auffüllen, damit nicht unsere ganze Kohle auf dem Schiff draufgeht, günstig waren die Preise nämlich überhaupt nicht. Da man keine Plätze reservieren konnte, waren wir schon um 8 Uhr an der Anlegestelle und mussten, nachdem wir eine Stunde gewartet hatten, um die Tickets zu kaufen, noch zwei Stunden auf die Abfahrt warten. Da wir mit als erstes an Bord waren, haben wir richtig gute Plätze auf dem schattigen Oberdeck bekommen. Frische Luft, tolle Aussicht und dazu noch weit genug von der Liveband entfernt, das ging auf schon mal gut los.

Schon vor der Fahrt wurde der Grill fünf Meter von uns entfernt angefeuert und uns ist das Wasser im Mund zusammengelaufen. Als die Ghanaer bei uns am Tisch uns dann zu einem Getränk und ein paar Hühnchenschenkeln eingeladen haben, war es für mich noch kein Problem Nein zu sagen. Als dann aber der frische Tilapia (Fisch aus dem See) gegrillt wurde, musste ich wirklich mit mir kämpfen nur Reis zum Mittag zu essen. Ich bin aber stark geblieben, auch wenn es mir schwer gefallen ist, als die anderen genüsslich ihren Fisch verspeist haben. Blöder Vegetarismus.

Den Landausflug konnte ich dann leider nicht mitnehmen, da ich nach 45-minütigem Anstehen gerade mein Essen bekommen hatte. Aber bis auf ein paar Trommel- und Tanzeinlagen habe ich wohl auch nicht viel verpasst. Die Rückfahrt verlief dann auch recht unspektakulär, wir haben die Aussicht und die Landschaft sowie ein Eis genossen und ein wenig relaxt. Um 16 Uhr haben wir dann wieder angelegt, dummerweise gab es kein Taxi und auch den Taxifahrer, dessen Nummer wir uns geben lassen hatten, konnten wir nicht erreichen. Zum Glück hat uns der Bus eines Hotels netterweise mit ins Dorf genommen, von wo aus wir dann die nächste Etappe in Angriff nehmen konnten. Bis zum Abend wollten wir es nach Hohoe schaffen, was sich aber als recht mühsam gestalten sollte. Zunächst einmal konnten wir nicht im Hotel anrufen um zu fragen, ob noch zwei Zimmer frei wären, da vor einem Jahr die Vorwahlen in Ghana geändert wurden und somit alle unsere Reiseführer dahingehend unbrauchbar sind. Also ohne Reservierung los. Dann sah es auch zunächst so aus, als ob es schwierig werden würde, nach Hohoe zu kommen, da uns gesagt wurde, dass es Sonntagabends kein direktes Tro-Tro mehr geben würde. Glücklicherweise haben wir dann doch noch eins bekommen und ich habe dann auch den äußerst beschissenen Platz – hinter dem Fahrer, unter mir der heiße Motor, keinerlei Beinfreiheit – in Kauf genommen. Die erste unschöne Überraschung gab es dann direkt nach dem Start. Der Fahrer hatte nämlich beschlossen den Preis um einen Cedi zu erhöhen. Vom Geld her ist das ja kein Problem, aber trotzdem ne ziemlich miese Aktion, aber er sitzt halt am längeren Hebel. Bei einem kleinen Zwischenstopp als es schon angefangen hat zu dämmern und wir noch einige Kilometer von unserem Ziel entfernt waren ist dann auch noch der Hinterreifen geplatzt – zum Glück als wir gestanden haben und nicht bei voller Fahrt. Na ja, der Reifenwechsel ging recht schnell von statten, aber ich war doch schon einigermaßen schlecht gelaunt dank Müdigkeit, Ungewissheit bezüglich unserer Unterbringung und der beschissenen Fahrt im beschissenen Tro-Tro mit dem beschissenen Fahrer. Er ist dann auch im Dunkeln weiter wie ein blöder geheizt und auf meinem Platz war das alles kein Spaß, so dass ich mich irgendwann – zum ersten und hoffentlich letzten Mal –zurück nach Deutschland gewünscht habe. Während meine Lieben einen gemütlichen Sonntagabend auf dem Sofa genießen konnten, war ich todmüde in einem heißen, klapprigen Bus eingepfercht, ohne zu wissen, wo ich die Nacht verbringen sollte. Aber dass so ein Moment der Schwäche kommen würde, war abzusehen. Und zum Glück habe ich mich auch recht schnell wieder gefangen. Um 21 Uhr sind wir dann doch noch ohne weitere Zwischenfälle in Hohoe angekommen und zu unserem Glück hatte das einzige günstige Hotel im Zentrum nämlich noch zwei, wenn auch überteuerte, Zimmer frei. Nachdem wir diese bezogen hatten und ich eine kühle Pepsi (yeah!) genossen hatte, sah die Welt schon wieder deutlich besser aus. Nichtsdestotrotz habe ich während der Fahrt gemerkt, wie sehr ich doch an meiner Familie und an meinen Freunden und meinem gewohnten Leben hänge. Zwar macht das alles hier sehr viel Spaß und ich genieße die Zeit und die Erfahrungen hier sehr, aber ich freue mich trotzdem schon jetzt, wenn ich wieder zurück bin.

Am nächsten Morgen hieß, wie so oft im „Urlaub“, wieder früh aufstehen, um möglichst früh Wli zu erreichen. Dieser kleine Ort befindet sich an der Grenze zu Togo und in der Nähe soll es einen sehr schönen Wasserfall geben. Schon die Fahrt nach Wli war ein Erlebnis. Die Landschaft – sattgrüne Hügelketten und unberührte Natur – war wirklich wunderschön. Am liebsten wäre ich einfach ausgestiegen und sofort losgewandert. In Wli angekommen haben wir uns erstmal mit viel Wasser und Bofrot versorgt, es sollte ja eine anstrengende Tour auf uns warten. Jedoch sollten wir, als wir uns im Besucherzentrum angemeldet hatten, erst einmal enttäuscht werden. Aufgrund irgendwelcher Feierlichkeiten konnten wir leider nicht zum oberen der zwei Wasserfälle wandern und mussten uns mit dem nähergelegenen Wasserfall begnügen. Zwar schade, aber mit einem der Besuche werde ich bestimmt noch mal zurückkehren. Mit unserem netten Führer Wisdom ging es dann durch den dichten Wald zum Wasserfall und ich muss zugeben, dass ich recht beeindruckt war. Seit Island bin ich ja eh ein großer Wasserfall-Fan, aber dieser war noch mal ganz besonders. Mit ca. 50-60 Metern Höhe war er alleine schon imposant, da aber an den Hängen um den Wasserfall noch Tausende Fledermäuse hingen und rumflogen, war es eine ganz besondere Atmosphäre. Wir waren alle ganz hin und weg und haben erst mal nur gestaunt und die Atmosphäre auf uns wirken lassen. Danach wurde das Ganze natürlich auch fotografisch festgehalten und die anderen haben es sich nicht nehmen lassen und sind ne Runde planschen gegangen, während ich draußen gesessen habe und einfach die Natur genossen habe. Richtig toll aber gleichzeitig auch schade, dass wir nicht weiter konnten, ich wäre gerne mal ein bißchen in Ghana gewandert. Aber was nicht ist kann ja noch werden…

Gegen Vormittag wurde es dann immer voller und es kamen immer mehr Leute mit Essen, Getränken und auch eine große Musikanlage wurde aufgebaut. Unser Führer hat unsere Befürchtung dann bestätigt, dass auch hier Ostern groß gefeiert wird. Und da es der Ghanaer gerne laut mag, wird auch so ein wunderschöner Ort dann gnadenlos beschallt. Gut, dass wir schon so früh da waren und nicht erst zur Party, das hätte uns die ganze Sache doch wohl ziemlich vermiest. Na ja, so waren wir dann mittags wieder in Hohoe und haben uns dann auch direkt wieder auf den Weg gemacht, Ziel war das Affenreservat von Tafi Atome. Wie auch in Buabeng-Fiema gibt es dort zahme Mona-Meerkatzen, die ins Dorf kommen und von den Besuchern gefüttert werden können

Um dort hinzukommen mussten wir erst ein paar Kilometer fahren und in einem kleinen Dorf noch mal umsteigen, wo dann eine böse Überraschung auf mich wartete. Die letzten Kilometer konnten weder per Tro-Tro oder Taxi zurückgelegt werden, dafür standen nur ein paar Motorräder zur Verfügung. Nach meinen Erfahrungen in Bolga hatte ich natürlich direkt wieder ein mulmiges Gefühl, das noch verstärkt wurde, als der Fahrer meinte, dass Sabrina und ich mitsamt unserer Rucksäcke doch bei ihm hintendrauf sollten. Unsere Einwände, dass das nicht Funktionieren könne, wurden weggewischt – ich will nicht wissen, was, wen und wie viel die sonst transportieren – und wir haben es uns „gemütlich“ gemacht. Erstaunlicherweise hat es auch recht gut geklappt und nach ein paar Minuten hat es mir sogar Spaß gemacht. Vielleicht werde ich ja doch noch zum Motorradfreund, wer weiß…

In Tafi angekommen gab es dann einen ordentlichen Schauer, der recht heftig ausfiel und auch etwas länger dauerte. Da uns der Sinn nach einer Abkühlung stand und wir doch recht staubig waren, haben wir uns schnell unsere Badehosen angezogen und eine kleine Regendusche genossen. Zum Glück haben uns nur ein paar andere Touris gesehen, die Ghanaer hätten uns bestimmt wieder mal für total bescheuert erklärt 😉

Nach dem Abendessen haben wir dann noch ein bißchen Karten gespielt, als wir auf einmal von ziemlich großen Insekten angegriffen wurden. Die meisten der Riesenbrummer sind zwar nur um die Lampe geschwirrt, aber ein paar sind uns auch direkt ins Gesicht geflogen. Zum Glück haben wir alle Angriffe der wilden Tiere überlebt und dank massiven Schlappeneinsatzes konnten wir nach zwanzig Minuten unser Spiel auch fortsetzen. Das ist also die Wildnis…

Am nächsten Morgen ging es dann um 6 Uhr zu den Affen. Zuerst wollten sie nicht so recht, doch unsere Führerin hat sie dann mit ein paar Früchten angelockt. Dann haben wir alle eine Banane oder eine kleine Mango bekommen, so dass die Meerkatzen auch zu uns gekommen sind. Und sie haben uns dann tatsächlich aus der Hand gefressen. Ein Affe ist mir dann sogar auf den Arm gestiegen um die Bananebesser erreichen zu können. Ziemlich lustig die ganze Sache, hat echt Spaß gemacht die Tiere zu beobachten, wie sie untereinander agieren usw. Nach einem kurzen Spaziergang durch den Wald und einem schnellen Frühstück ging es dann auch schon wieder weiter. Wir hatten schließlich einen toughen Zeitplan, Ruvens Freunde wollten schließlich möglichst viel von Ghana sehen.

Eigentlich war auch geplant, dass ich an diesem Tag nach Kumasi zurückfahre, aber da wir bis nach Accra schon fünf Stunden gebraucht hatten, habe ich mich dazu entschlossen, mit den Jungs (Sabrina hat noch zwei Tage in der Voltaregion drangehängt) weiter nach Winneba zu fahren. Nach insgesamt vier Umstiegen und ca. acht Stunden Fahrt waren wir dann endlich an der Küste, wo aber schon eine unangenehme Überraschung wartete. Von unterwegs hatten wir schon zwei Zimmer in einem Guesthouse reserviert, aber als wir dort ankamen wurde uns gesagt, dass dummerweise andere Leute gekommen sind und deswegen alles voll sei. Ganz große Aktion, da kann ich auch direkt sagen, dass es keine Reservierungen gibt, Depp. Na ja, wir sind dann zu unserem Guesthouse vom letzten Winneba-Besuch und haben dort zwei günstige Zimmer bekommen. Da es schon recht spät war sind wir schnell in unsere Badehosen geschlüpft und zum Strand gegangen. Auf der Fahrt haben Ruven und ich den beiden anderen schon vom genialen Strand vorgeschwärmt und waren dann doch niedergeschlagen, als wir dort ankamen. Auch in Winneba wurde wohl kräftig Ostern gefeiert, der ganze Strand war mit Müll bedeckt. Es hat mich zugleich traurig und wütend gemacht, wie die Leute hier mit der Umwelt umgehen. Diese Gedankenlosigkeit ist echt nicht schön, aber das ist wohl so in den Köpfen der Leute drin. Aber vor selbst in Europa war das Umweltbewusstsein vor zwanzig Jahren kaum ausgeprägt, da kann man das in einem Schwellenland wie Ghana wohl nicht erwarten. Nichtsdestotrotz ist das alles eher uncool, aber am nächsten Tag war der Strand wohl wieder sauber, wenigstens etwas.

Wir sind trotzdem ins Meer gehüpft und sind danach zu Isaac gegangen, mit dem wir dann noch was leckeres Essen gegangen sind. Als kleines Schmankerl wurde mir mein Fufuo dann nicht einfach ohne Fisch oder Fleisch serviert, es gab sogar ein bißchen Gemüse stattdessen. Sehr freundlich und manchmal sind es eben die kleinen Dinge, über die man sich am meisten freut 🙂 Den Abend haben wir dann ganz gemütlich ausklingen lassen, mit ein paar Mangos zum Nachtisch, einem nächtlichen Strandbesuch und Gitarrengeklimper. Wieder mal ein paar richtig schöne Stunden.

Am nächsten Morgen habe ich mich dann, nachdem ich eine ausgiebige Dusche mit tollem Strahl (ja, so etwas ist erwähnenswert!) genossen habe, auf den Heimweg gemacht. Über Cape Coast und Kumasi ging es problemlos nach Denkyemuoso und ich war doch froh, als ich wieder zu Hause war. Die letzten zwei Wochen waren doch ziemlich anstrengend und die nächsten Tage sollten dann doch recht ruhig verlaufen. Und am Dienstag sollte schließlich auch die Schule wieder losgehen. Aber ob das wirklich alles auch so klappt, davon beim nächsten Mal mehr…

Lasst es euch gut gehen,

Andreas

PS: Es gibt auch wieder ein paar neue Fotos und am Samstag kommen noch welche dazu…

Accra

Und direkt geht es weiter mit dem nächsten Bericht. Ich habe ja einiges aufzuarbeiten. Thema heute ist mein kleiner Ausflug nach Accra. Viel Spaß!

Nach der strapaziösen, aber ereignisreichen und tollen Reise in den Norden, hieß es nun erst einmal zwei Tage ausruhen, Wäsche waschen, Fotos sortieren, Blog schreiben, telefonieren, usw. Montags habe ich mich dann mal wieder im Basketball spielen versucht und habe nachher von einem Bekannten das Kompliment bekommen, dass ich „wirklich schlecht“ sei. Ja, das weiß ich auch selber, aber Spaß hat es trotzdem gemacht und ein bißchen Sport ist ja nie schlecht. Demnächst werde ich dann mal mit Fabi mit zum Volleyball gehen, das sollte eigentlich ein bißchen besser klappen

Am Dienstagmorgen haben Ruven und ich uns dann auf den ca. 270 km langen Weg in die Hauptstadt Ghanas gemacht. Grund dafür war, dass zwei Kumpels von Ruven am Abend zu Besuch kommen sollten, die er am Flughafen abholen wollte. Und da ich nach meiner Ankunft in Ghana ja nur eine Nacht in Accra verbracht habe und noch nicht wirklich was von der Stadt gesehen habe, habe ich die Gelegenheit genutzt mitzukommen und die Stadt ein bißchen zu erkunden.
Nachdem wir einige Zeit warten mussten um ein Taxi nach Kumasi zu bekommen, haben wir das nächste Tro-Tro geentert und waren nach gut fünf Stunden, die sich dank der qualitativ hochwertigen und äußerst sehenswerten afrikanischen Filme und der beschränkten Beinfreiheit an Bord wie eine halbe Ewigkeit im Fegefeuer angefühlt haben, am frühen Nachmittag in Accra. Von da aus ging es zu einem Hotel mit dem schönen Namen Crown Prince (merke: je exklusiver der Name des Hotels, desto schlechter ist es zumeist), wo wir dann auch genächtigt haben, da im YMCA (ja, das mit den schwulen Indianern, Polizisten und Bauarbeitern…) alles voll war. Nachdem wir also die Unterkunft klargemacht hatten, mussten wir uns nun irgendwie die Zeit bis zum Abend vertreiben. Und da wir nichts besseres zu tun hatten und man eine Stadt ja am besten zu Fuß kennenlernt, sind wir einfach mal in Richtung Flughafen losgestiefelt. Unterwegs gab es dann nach längerer Zeit mal wieder Fufuo und frisch gestärkt ging es weiter. Die Strecke zog sich dann doch einigermaßen, aber schon auf den paar Kilometern zum Flughafen wurde deutlich, dass sich Accra doch ziemlich von Kumasi und vor allem vom ländlichen Ghana unterscheidet. Die Straßen sind deutlich besser, die Autos neuer, es liegt weniger Müll herum, die Menschen sind westlicher gekleidet, es gibt teure Hotels, Fast Food-Restaurants und weniger Straßenbuden, etc. Die anderen hatten jedenfalls vollkommen Recht, als sie gesagt haben, dass man erst merkt, wie westlich Accra ist, wenn man sonst woanders in Ghana lebt. Na ja, gegen 18 Uhr waren wir dann am Flughafen, sind da noch ein bißchen herumgelaufen, haben versucht Zugang zur Landebahn zu bekommen, was aber leider nicht geklappt hat. Nachdem der Flieger gegen 19 Uhr gelandet ist, hat es noch eine gute Stunde gedauert bis der von Vorfreude erfüllte Ruven und ich seine Kumpels Christian und Sebastian in Empfang nehmen konnten. Nach einer etwas teuren Taxifahrt (am Flughafen wird die Preisverhandlung wohl beim Vierfachen und nicht beim doppelten Preis begonnen) ging es ins Hotel, wo das Gepäck abgelegt wurde und wir einen ersten Blick auf die mitgebrachten Schätze (Cookies! Prinzenrolle! Parmesan! Beck’s!) werfen konnten. Danach ging es dann auf ein Willkommensbier in eine nahegelegene Bar, die sich auf einem Dach befindet und auf der man einen coolen Blick über das nächtliche Accra hatte.

Am nächsten Morgen habe ich mich dann von den Jungs verabschiedet, die sich auf den Weg nach Kumasi gemacht haben. Da das Crown Prince wirklich so schlecht war, wie es der exklusive Name (Theorie bestätigt!) vermuten ließ, habe ich mich auf die Suche nach einer neuen Unterkunft für die nächsten zwei Nächte gemacht. Ich bin einfach ein bißchen durch die Straßen gestreift und habe nach Schildern Ausschau gehalten. Und nach einer halben Stunde hatte ich auch schon ein kleines Hotel gefunden, wo ich für 16 Cedi die Nacht ein kleines Zimmer mit eigenem Bad bekommen habe. Das Zimmer war zwar nicht wirklich schön und versprühte einen leichten Gefängnischarme, aber es war schon ok. Jetzt konnte die Erkundungstour also losgehen, aber erst einmal Frühstück. Wie meistens wenn ich auf Reisen bin gab es auch in Accra morgens immer ein leckeres, kleines Omelett, das zwischen zwei Brotscheiben gepackt wird und dann noch mal kurz in der Pfanne angebacken wird. So richtig kann ich mich nämlich noch nicht überwinden morgens schon Reis o.ä. zu essen 🙂
Und dann ging die Erkundungstour auch schon los. Mit Hilfe der Karten in meinem Reiseführer habe ich mir den Weg durch die Stadt gebahnt und habe mich teilweise auch einfach nur treiben lassen um zu sehen, wie Accra denn so als Stadt ist. Und ich muss sagen, dass ich positiv überrascht war. Zwar ist das Verkehrsaufkommen wirklich sehr hoch, auf den größeren Straßen ist meistens alles dicht, aber die Stadt ist deutlich übersichtlicher als ich es erwartet habe. Wahrscheinlich gilt das aber nur für das Zentrum, in den Randbezirken gibt es natürlich Slums und wohl auch chaotische Zustände, aber die habe ich nicht zu Gesicht bekommen. In Accra gibt es auch kein wirkliches Stadtzentrum, wie wir es aus europäischen Städten kennen. Die wichtigsten Banken, Geschäfte und Institutionen sind aber schon in zwei-drei Stadtteilen konzentriert, so dass man alles Wichtige an zwei Tagen zu Fuß sehen kann. Und bis auf den Unabhängigkeitsplatz, das Nationaltheater und den Kwame Nkrumah Memorial Park gibt es eigentlich auch keine Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinne. Spannend war es der Stadt beim Wachsen zuzusehen. In Accra wird an jeder gebaut, gehämmert und gebohrt. Ich würde gerne wissen, wie die Stadt dann in zehn oder zwanzig Jahren aussieht… Langweilig ist mir auf meiner zweitägigen Entdeckungstour aber nicht geworden. Und außerdem habe ich es genossen, einfach mal ziellos durch die Gegend laufen zu können, nicht in engen Tro-Tros sitzen zu müssen und nicht die Obroni-Attraktion zu sein. In Accra kann man einfach so durch die Gegend laufen, die Menschen interessiert es einfach nicht, dass man weiß ist. Auf jeden Fall sehr angenehm.
Gegen Abend war ich dann doch etwas geschafft und habe langsam Hunger bekommen. Und da ich in den chop bars nichts gefunden habe, worauf ich Lust hatte, habe ich beschlossen mir mal ein bißchen Luxus zu gönnen. Ich bin zu einem Hotel mit diversen Restaurants gelaufen und habe mir für 10 Cedi eine kleine Pizza und ein Wasser mit Kohlensäure gegönnt. Die Pizza kam geschmacklich natürlich nicht an das heran, was man in Deutschland bekommt, aber in diesem Moment war das egal und ich habe sie einfach nur genossen. Es waren sogar drei oder vier Oliven drauf, die ich wirklich genossen habe. Ich habe natürlich auch ein bißchen die anderen (zumeist weißen) Gäste beobachtet und mir ist aufgefallen, wie verschwenderisch mit dem Essen umgegangen wird, wenn man es sich denn leisten kann. Aber das ist bei den reichen Ghanaern wohl auch nicht anders. Trotzdem hat mir das ein wenig die Laune verdorben.
Zurück im Hotel gab es erst mal eine Dusche und im Spiegel habe ich dann noch einen Waschbären entdeckt. Mein Gesicht war nach einem Tag in der Sonne doch ziemlich rot, natürlich ausgenommen der Augen, wo die Brille sitzt. Sah ganz lustig aus 🙂 Dann wollte ich noch mal in irgendeine Bar, ein Bier trinken und was lesen, aber in der Rezeption lief gerade der Fernseher mit Fußball, also habe ich mich einfach mit auf den Boden gesetzt und mit den zwei Mitarbeitern TV geschaut. Schön, wie unkompliziert das alles ist.
Am nächsten Tag bin ich dann wieder durch die Stadt gelaufen, Ziel war unter anderem das „Amüsier- und Touristenviertel“ Osu. Auf dem Weg habe ich noch einen Supermarkt entdeckt, den ich auch besucht habe. Ist schon verrückt, man geht durch eine Tür und ist in einer anderen Welt. Auf einmal gibt es das Obst und Gemüse, das wir sonst direkt auf dem Markt oder an der Straße kaufen, gekühlt im Regal. Und auch sonst gibt es dort alles was das (Europäer-) Herz begehrt und vermisst. Es gab sogar eine Fleisch- und Käsetheke. Die Preise sind dann aber auch dementsprechend, schließlich muss das meiste Zeug importiert werden und so kann es dann sein, dass der Weichkäse, den ich zu Hause esse, auf einmal nicht mehr zwei sondern acht Euro kostet! Auch wenn ich mich nur dazu durchringen konnte eine Minipackung Kekse zu kaufen (übrigens ghanaische…) war es doch mal nett zu sehen, was es denn alles gibt und wie man hier leben kann, wenn man bereit ist ordentlich Geld auf den Tisch zu legen.
In Osu kam ich mir dann wirklich vor wie in einer Touristenwelt. Die Hauptstraße war gepflastert von Hotels, Restaurants und Fast-Food-Ketten. Sobald man aber in eine Seitenstraße abbiegt herrscht das gewohnte Bild mit kleinen Läden und Straßenständen vor, schon recht witzig. Mittags habe ich dann in einer Riesen-Chop Bar mit über 100 Plätzen endlich noch mal mein ghanaisches Lieblingsgericht red-red gegessen und das Essen war auch echt lecker und vor allem richtig viel. Wie sich später herausstellen sollte, hat mein Magen das Essen leider nicht so gut vertragen, Details erspare ich euch aber 😉
Danach war ich zwar pappsatt, aber die ganzen Fastfoodrestaurants haben mich aus irgendeinem Grund magisch angezogen. Zwar würde ich zu Hause da keinen Fuß freiwillig reinsetzen, aber es war heiß und ich hatte soooo Lust auf etwas kühles, erfrischendes, da konnte ich einfach nicht widerstehen. Also habe ich mir für happige drei Cedi einen Schoko-Milchshake gegönnt! Aber wenn ich mal die Gelegenheit habe, muss man die Chance auch ergreifen, wer weiß, wann ich das nächste Mal die Möglichkeit habe. Der Shake hat seinen Zweck auch voll und ganz erfüllt, mein Bauch war zwar kugelrund, aber ich war höchst befriedigt 🙂
Dann habe ich mich mit Fabi getroffen, der mittlerweile in Accra angekommen war um abends seine Eltern vom Flughafen abzuholen (ihr merkt schon, es war große Besuchszeit). Zusammen sind wir dann zur sagenumwobenen Accra Mall gefahren. Man kann es wohl so formulieren, am Stadtrand von Accra kann sich durch Betreten der Mall nach Europa zaubern. Zwei große Hypermärkte, eine Fressmeile, die keine Wünsche offen lässt und jede Menge Fachgeschäfte lassen einen glauben, man sein in einer deutschen Einkaufspassage. Einfach total krass, wenn man bedenkt, dass 100 Meter weiter Tag für Tag Leute an ihrem Stand stehen um ihren Lebensunterhalt zu sichern und hier schmeißen die oberen Zehntausend Ghanas (und natürlich viele Ausländer) das Geld mit beiden Händen raus. Ich war froh als ich aus der Mall wieder draußen war, da es mich doch etwas bedrückt hat. In solchen Momenten merke ich immer wieder was für ein luxuriöses Leben ich doch eigentlich führe und wie selbstverständlich man das alles nimmt, was wir in Deutschland haben.
Nach dieser Reise in eine andere Welt ging es dann Richtung Flughafen, wo ich Fabi nach einer Cola dann habe sitzen lassen und mich wieder auf den Weg in die Stadt gemacht habe. Unterwegs habe ich noch einen Ghanaer kennengelernt, mit dem ich mich ganz nett unterhalten habe und der mir bei der Tro-Tro-Suche behilflich war. Ich habe mir schon jetzt vorgenommen deutlich hilfsbereiter zu sein, wenn ich wieder zu Hause bin. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte und ob die Deutschen nicht irritiert sind, wenn ihnen auf einmal ein Wildfremder anquatscht und ihnen den Weg zeigen will, oder so…
Freitagmorgen bin ich dann um 5 Uhr aufgestanden um nicht den ganzen Tag auf der Straße zu verplempern. Um 05.45 Uhr war ich dann auch schon an der Station und habe direkt ein Tro-Tro bekommen und war fünf Minuten später schon unterwegs. Die Glückssträhne hielt aber nicht allzu lange, denn wie sich herausstellen sollte hatte ich das große Glück über die gesamte Fahrtzeit mit spannenden ghanaischen Filmen beschallt zu werden, auch der ipod auf voller Lautstärke hat da nicht geholfen. Zudem hat die Fahrt dieses Mal auch 10 anstatt 8 Cedi gekostet. Dies lag daran, dass an Karfreitag die große Reisewelle durch Ghana geschwappt ist und da wollen natürlich alle ein bißchen Geld machen. Gegen 12.30 Uhr war ich dann in Denkyemuoso, musste aber noch anderthalb Stunden auf den Zimmerschlüssel warten, der dummerweise mit den Jungs und Sabrina in Kumasi unterwegs war. Die Zeit habe ich dann bei der Schneiderlehrerin verbracht, die auch in der Schule wohnt. Na ja, der eigentliche Grund dort hin zu gehen ist eigentlich ihre bald einjährige Tochter, die wohl das süßeste Baby ist, das man sich vorstellen kann. Einfach unfassbar, wie niedlich die Kleine ist. Leider bin ich zu spät hier angekommen, die anderen haben nämlich schon alle Anspruch darauf erhoben sie mit nach Deutschland zu nehmen 😉
Nach ein bißchen Erholung sind dann nach und nach alle eingetrudelt und wir haben ein bißchen gequatscht, bevor Daniel, Eric und seine Freundin gekommen sind, die dann für uns red-red gemacht hat. Eigentlich ein Grund zur Freude, aber nach der vortäglichen Episode bin ich mit gemischten Gefühlen an die ganze Sache herangegangen. Und ich wurde leider nicht enttäuscht, nachts hat sich die Mahlzeit dann zurückgemeldet und ich muss mir wohl eine neue Lieblingsspeise hier suchen. Ich glaube auch mit dem roten Palmöl, in dem die Plantains frittiert werden, den Schuldigen für meine Probleme identifiziert zu haben. Schade, aber da man wohl nüscht machen. Dann heißt es also jetzt noch mehr Fufuo essen…
Eigentlich hatte ich mir einen Tag Ruhe nach dem doch recht anstrengenden Accra-Trip (ich habe wohl so 30-35 km an zweieinhalb Tagen zurückgelegt) gewünscht, da wurde mir jedoch ein Strich durch die Rechnung gemacht. Abends habe ich wieder gepackt, denn Samstagmorgen sollte es schon wieder losgehen. Ziel unser etwas größeren Reisegruppe bestehend aus Ruven & Kumpels, Sabrina und mir sollte die Voltaregion im Südosten Ghanas sein. Und was wir dort erlebt haben werdet ihr bald erfahren…

Alles Liebe,
Andreas

Bolga & Paga

Hallo!

Ich hoffe, ihr habt die Osterfeierlichkeiten gut überstanden und seid bereit für einen neuen Blogeintrag. Dass dieser mit etwas Verspätung kommt liegt daran, dass auch hier Ferien sind und ich die Zeit zum Reisen genutzt habe. Macht euch also bereit für eine Reihe an Einträgen in den kommenden Wochen.

Doch zunächst die Fortsetzung des Berichts des Trips in den Norden. Der Besuch des Mole Nationalparks endete für uns am Mittwoch, den 13.04. gegen 03.30 Uhr da der Bus ja um 04.00 Uhr abfahren wollte. Und da diesbezüglich schon Nachfragen kamen: ja, der Bus ist wirklich pünktlich abgefahren! Nach einer holprigen Fahrt, auf der mein Kopf ca. ein Dutzend Mal im Schlaf gegen die Fensterhalterung getitscht ist, waren wir dementsprechend früh wieder in Tamale. Nach einem kleinen Frühstück ging es dann mit dem Tro-Tro weiter nach Bolgatanga, die Hauptstadt der North East Region. Auf der Fahrt zeigten sich dann die deutlichen landschaftlichen Unterschiede im Vergleich zum Rest Ghanas. Noch mehr als im Nordwesten haben wir es mit einer Savannenlandschaft mit einer deutlich dünneren Vegetation und mehr Busch- als Baumbewuchs zu tun. Auch konnte man viele der traditionellen Rundhäuser sehen, die so oft mit Afrika in Verbindung gebracht werden. Diese aus Lehm gebauten Hütten sind oft zu kleinen Siedlungen verbunden, so dass die ganze Familie quasi in einem Minidorf für sich innerhalb der Ortschaft lebt. Insgesamt schon faszinierend, wie sich innerhalb weniger hundert Kilometer so ziemlich alles verändern kann. Und auch die Atmosphäre ist im Vergleich zu Kumasi vollkommen anders. In allen drei größeren Städten, die ich im Norden besucht habe, ging es viel entspannter zu als ich es gewohnt bin. Sicherlich liegt es auch daran, dass Wa, Tamale und Bolga ein bis zwei Nummern kleiner sind, aber es ist insgesamt viel ruhiger und weniger stressig. Auch die Menschen wirken deutlich lockerer und interessieren sich gar nicht richtig für die Weißen. Man kann unbehelligt durch die Straßen laufen, ohne dass man dauernd angelabert oder einem etwas hinterhergerufen wird. Woran es liegt, keine Ahnung, aber auf jeden Fall sehr nett.

In Bolga angekommen ging es erst einmal zum empfohlenen Guesthouse und wir hatten Glück, haben wir doch das letzte Zimmer bekommen. Zwar sollte es mit drei Personen im Doppelbett recht kuschelig werden, aber immerhin war es günstig. Wie sich im Laufe der nächsten Tage herausstellen sollte, hatten wir wirklich einen Glücksgriff getan. Der Besitzer war unglaublich freundlich, die Getränkepreise supergünstig und die helfenden Kinder und/oder Enkel waren äußerst nett und zuvorkommend. Super Sache, da schläft man auch mal gerne in der Ritze.
Hier (im Guesthouse, nicht in der Ritze) haben wir dann auch Max und Anna aus Meck-Pomm kennengelernt, die auch als volunteers in Ghana unterwegs sind. Und nach ihren teils erschreckenden Geschichten waren wir wirklich froh, dass bei uns alles so glatt läuft. Die Organisation der beiden ist anscheinend ein richtiger Chaosverein, der nichts auf die Reihe bekommt und die zahlreichen Freiwilligen wohl noch bescheißt und sich selbst überlässt. Aufgrund der Unfähigkeit der Organisation waren die beiden auch in Bolga. Aufgrund von Visumsproblemen wollte Anna nämlich ins nahe gelegene Burkina Faso aus- und direkt wieder nach Ghana einreisen um somit ihren Aufenthaltsstatus zu verlängern. Dazu mussten die beiden in die Grenzstadt Paga und da wir dort auch hinwollten, ging es am nächsten Morgen also zu fünft weiter.
Nach einer ungemütlichen und kurzen Nacht ging es dann morgens im shared taxi nach Paga. Kurz vor der Grenze ist es dann passiert, worauf ich schon seit ein paar Wochen gewartet habe. Eine kleine Ziege hatte wohl wichtige Sachen auf der Straße zu erledigen uns hat sich auch vom Hupen des Fahrers nicht irritieren lassen. Da dieser aber damit gerechnet hat, dass sich das Tier dann doch irgendwann wegbewegt hat er zwar ein wenig abgebremst, aber keine Anstalten gemacht auszuweichen. Tja, und so haben wir das arme Tier dann halt überfahren. Ich konnte zum Glück noch schnell die Augen zumachen und konnte das Elend somit zum Glück nicht sehen. Aber die anderen meinten, dass die Ziege wohl mit einem Schrei abgehoben ist, in die Luft geschleudert wurde und dann hinter uns wieder auf die Straße geknallt ist, wo sie sich dann immer noch bewegt hat. Ich hoffe mal, dass sie wenigstens bald erlöst worden ist. Sehr unschönes Erlebnis, aber da ja dauernd irgendwelche Viecher auf der Straße rumhampeln war es wohl unvermeidlich. Bleibt zu hoffen, dass es mein erster und letzter Unfall in Ghana gewesen ist.
Nachdem wir an der Grenze abgesetzt worden sind und wir uns diese für einen jungen Europäer doch ungewohnte Einrichtung betrachtet haben ging es zum Chief’s Pool. Und nein, damit ist nicht das Schwimmbad des Dorfkönigs gemeint. Vielmehr handelt es sich hierbei um die Touristenattraktion Pagas, nämlich einen großen Teich, in dem schätzungsweise 200 Krokodile leben. Dort angekommen, haben wir uns erst mal gewundert, dass das Gelände nicht eingezäunt ist und die Dorfbewohner sich einfach mal im Teich gebadet haben und ein paar Esel dort getrunken haben. Die Krokodile scheinen also zumindest keinen blutrünstigen Killermaschinen zu sein. Wir wurden schon gewarnt, dass der Krokodilteich eine richtige Touristenfalle sein soll und dies wurde dann beim Blick auf die Preise auch bestätigt. Für einen Eintritt von acht Cedi (plus einen Cedi pro Kamera) durfte man zum Teich, wo man dann ein paar Fotos mit einem Krokodil machen konnte, das faul in der Sonne lag. Um es herauszulocken, bzw. zu belohnen, wie in unserem Fall, musste man auch noch für vier Cedi ein Hühnchen kaufen, welches dann dem Kroko zum Fraß vorgeworfen wurde (insgesamt ein schlechter Tag für’s Karma des Tierfreundes…). Nichtsdestotrotz haben wir das Geld bezahlt und im Endeffekt hat es sich auch gelohnt. Wir durften die Echse streicheln und am Schwanz hochheben. Auch wenn nichts passieren konnte, weil die guides dabei waren und das Krokodil schon recht faul wirkte, war es dennoch ein ziemlich cooles Erlebnis.
Danach stand dann Geschichte auf dem Programm. Gemeinsam mit einem Sohn des Chiefs, der sich als Führer angeboten/aufdrängt hatte (und nicht aus reiner Menschenliebe, wie sich am Ende herausstellen sollte), ging es dann zu Fuß zwei-drei Kilometer zum nächsten Dorf, wo sich früher ein Umschlag- und Handelsplatz für Sklaven befunden hat.
Da wir morgens leider etwas spät losgekommen sind, fanden die Märsche und die Führung selber in der prallen Mittagssonne statt. Und im Norden ist es noch mal eine deutliche Ecke heißer als in Kumasi. Es war keine Wolke am Himmel und auch der Wind war so heiß, dass er keine Abkühlung brachte. Wir hatten zwar einiges an Wasser mit dabei, aber soviel konnten wir gar nicht trinken, wie wir ausgeschwitzt haben. Beim Sklavenlager handelt es sich eigentlich nur um ein paar Felsbrocken, aber trotzdem entstand ein leicht beklemmendes Gefühl, auch wenn man sich nur schwer vorstellen kann, wie es denn damals gewesen sein muss. Die Sklaven wurden machten in Nania auf ihrem Weg in den Süden drei-vier Wochen „Pause“. Und es war echt spannend zu sehen, wie die Menschen dort gelebt haben. Gekocht und gegessen wurde in und aus kleinen Vertiefungen, die in die Felsblöcke geschabt wurden. Unterhalten wurden die Sklaven mit Musik, indem sie auf einem speziellen Stein getrommelt haben, etc. Ziemlich interessante Angelegenheit das Ganze.
Auf dem Rückweg gab es dann eine ziemlich skurrile Situation. Ruven und Sabrina hatten irgendein Haus fotografiert und plötzlich kam ein älterer Mann ziemlich erregt daher und hat irgendwas geredet, was natürlich keiner von uns verstanden hat. Zwar war es nicht sein Haus, doch im muslimisch geprägten Norden finden es die Menschen teilweise nicht spaßig, wenn man sie ohne Erlaubnis fotografiert. Dass dies aber auch für Objekte gilt, war uns neu. Um ihn zu beruhigen mussten sich Ruven und Sabrina dann jedenfalls beim Haus entschuldigen. Hoffen wir mal, dass es die Entschuldigung angenommen hat… Zurück in Paga hat uns unser Führer dann noch über den Markt geführt, in eine pito-„Kneipe“ (pito ist ein nicht schmackhaftes, selbst gebrautes Hirsebier) geschleppt und uns noch ein paar Freunden vorgestellt. Zwar war es ziemlich cool das echte Dorfleben kennenzulernen und nicht nur einen schnellen Blick von der Hauptstraße draufzuwerfen, andererseits war es auch recht anstrengend und wir mussten schließlich auch noch zur Grenze, damit Anna ihren Stempel bekommt. Als wir dann in einer Kneipe saßen wurde uns dann eröffnet, dass unser Führer für seine Dienste dann doch ganz gerne eine Entlohnung bekommen würde. Da ich die ghanaische Gastfreundschaft hier ja schon desöfteren bewundert habe, hat mich das dann doch ein bißchen enttäuscht. Zwar hatte ich schon ein wenig damit gerechnet, aber ein kleiner Nachgeschmack bleibt trotzdem. Na ja, wir haben ihm dann sein Getränk ausgegeben und noch ein-zwei Cedi gegeben und gut war’s. Dann ging es dann endlich zur Grenze und neugierig, bzw. interessiert wie wir sind, sind wir erstmal mit Anna mitgelaufen. Zwar waren wir noch auf ghanaischem Staatsgebiet aber als dann ein Grenzsoldat gefragt hat, ob wir denn auch unsere Pässe mit dabei hätten, haben wir uns unauffällig wieder verzogen. Die Pässe liegen nämlich wohlbehütet in Accra, da die Visumsverlängerung dort vor Ort geregelt wird. Nach einer guten Dreiviertelstunde kam Anna dann inklusive neuem Visum zurück. Alles hat dank monetärer Vermittlungshilfe (aber in Ghana gibt es keine Korruption!) geklappt und wir haben uns dann wieder auf den Weg nach Bolga gemacht, dieses Mal zum Glück ohne weitere Opfer.
Am nächsten Tag stand dann erneut ein Ausflug auf dem Programm. Wir wollten in die ca. 20 km entfernten Tongo Hills fahren. Dort sollte es neben einer schönen Hügellandschaft auch einen Schrein geben, den man besichtigen kann. Jedoch sollte es nicht wie sonst mit Tro-Tro oder Taxi dorthin geben, sondern auf Motorrollern! Ich war von der Idee zwar nicht besonders angetan, aber was soll’s. Ich bin schließlich hier um Abenteuer zu erleben 🙂 Nachdem alle drei Roller getestet wurden sollte es losgehen und mein mulmiges Gefühl wurde bei der Vergabe der Helme noch verstärkt. Da in Ghana nämlich nur der Fahrer einen Helm tragen muss, hatte der Verleiher leider nicht genug Helme für alle da, na toll! Angsthase Andreas hat sich dann also mit kurzer Hose, T-Shirt und seiner Kappe, die ihn sicherlich vor schweren Kopfverletzungen schützt hinter Max auf den Roller gesetzt und sich festgekrallt. Max habe ich übrigens voll vertraut, da er hier in Ghana einen Roller besitzt und somit Profi ist, jedoch hatte ich schlimme Bedenken, was die anderen Verkehrsteilnehmer und vor allem auf der Straße herumlaufende Tiere angeht. Zum Glück war auf den Straßen nicht so viel los und die meiste Zeit ging es auch über eine wenig befahrene Staubpiste, aber die erste Hälfte der Fahrt habe ich mir nur ausgemalt, wie weh wohl Schürfwunden tun können oder ob das vollkommen egal ist, weil ich die Fahrt eh nicht überleben werde. Daher konnte ich auch nicht die tolle Landschaft genießen, die sich uns geboten hat. Die Tongo Hills zeichnen sich durch „bizarre Felsformationen“ aus, wie es wohl in einem Reisehandbuch heißen würde. Sehr cool und mal wieder komplett anders als die Berge, die ich bisher hier gesehen habe. Am Besucherzentrum wurden wir dann von einem äußerst unmotivierten guide empfangen, der sich gar nicht richtig für uns zu interessieren schien. Da die Tour zum Schrein auch zwei Stunden dauern sollte haben wir uns dann dazu entschlossen diese nicht zu machen und stattdessen einfach so ein bißchen in den Bergen herumzukraxeln. Das hat trotz Hitze richtig Laune gemacht, vor allem weil man endlich mal machen konnte was man wollte, da man ansonsten ja eigentlich immer einen Führer mit dabei hat. Ruven, Max und ich haben dann auch einen Felshaufen bezwungen, die tolle Aussicht genossen und ein bißchen herumgealbert. Ihr könnt euch auf ein Video freuen, auf dem ich mich dann auch schön zum Affen mache. Mehr davon dann im September 🙂 Nachdem wir unsere Roller nach einigen Startproblemen dann endlich ans Laufen bekommen hatten, ging es auch wieder zurück nach Bolga. Richtig Spaß hatte ich zwar immer noch nicht, jedoch war ich deutlich entspannter als auf der Hinfahrt und konnte sogar ein bißchen die Landschaft und den Fahrtwind genießen, auch wenn ich nach übereinstimmender Aussagen der anderen nicht so ausgesehen habe. Nach einer kurzen Mittagspause haben wir uns dann von Max und Anna verabschiedet, die zurück nach Tamale gefahren sind und wir haben uns erkundigt, wie wir denn wohl am nächsten Tag am besten nach Kumasi (Ruven & ich) und Wa (Sabrina) kommen können. Sabrina wurde gesagt, dass sie einfach morgens zur Station kommen soll um sich dann ein Ticket zu kaufen, für die Busse nach Kumasi könnten wir aber jetzt schon Karten kaufen. Da die ersten zwei Metro Mass-Busse nach Kumasi aber schon voll waren und man hier ja nicht so genau weiß, ob und wann der nächste Bus wirklich fährt, haben wir uns dazu entschlossen zusammen morgens zur Station zu gehen um dort ein Tro-Tro zu bekommen.
Daher hieß es dann auch wieder um 03.30 Uhr aufstehen damit wir um 04.00 Uhr losgehen konnten. Und so was nennt sich dann Urlaub (ich hoffe, ich verschrecke meine Besucher jetzt nicht…). Durch die dunkle „Geisterstadt“ ging es dann zur Busstation, wo schon ein paar Reisende warteten. Dort wurde uns eröffnet, dass es wohl einen MM-Bus nach Sunyani geben würde, was nur ca. anderthal Stunden von Kumasi entfernt liegt. Also haben sich Ruven und ich direkt in die Reihe angestellt (alte britische Kolonialschule), da es die Tickets direkt im Bus geben sollte. Sabrina hatte währenddessen weniger Glück. Es stellte sich heraus, dass wohl eine Schulklasse einen Großteil der Sitze nach Wa reserviert hatte und somit nur eine handvoll Tickets verkauft würden. Zunächst hieß es, dass es auch keinen zweiten Bus geben würde, im Endeffekt hat sie aber dann doch Glück gehabt, es kam noch ein weiterer Bus und sie konnte ihren Trip wie geplant fortsetzen. Als unser Bus kam ging es dann aber nicht so entspannt und geordnet zu, wie ich es mir erhofft habe, nachdem alle schön brav in der Reihe gestanden hatten. Plötzlich kamen nämlich von überall Leute her, die zur Bustür gedrängt sind um ein Ticket zu ergattern. Und dann ging die große Diskutiererei los. Ich weiß nicht, ob ich es schon mal erwähnt habe, aber der Ghanaer diskutiert für sein Leben gerne. Egal, ob im Tro-Tro, auf dem Markt, beim Fußball gucken oder halt an der Bustür. Oft wird sich auch einfach in Diskussionen eingemischt, hauptsache man gibt seinen Senf dazu. Der ganze Palaver hat aber durchaus seine gute Seiten, denn wenn jemand versucht den Weißen ein bißchen über’s Ohr zu hauen ist zumeist ein Ghanaer zur Stelle, der sich mit den Gegebenheiten auskennt und für einen das Wort ergreift. Es macht auch durchaus Spaß sich in die Diskussionen einzumischen, was ich an diesem Morgen dann auch gemacht habe. Nachdem sich ca. 15-20 Leute zehn Minuten in verschiedenen Sprachen angebrüllt haben, habe ich einfach mal auf Deutsch mitgeschrien. Richtig beachtet hat mich zwar keiner und ich konnte auch nicht zur Problemlösung beitragen, aber wenigstens konnte ich Ruven und den Ghanaer vor uns in der Schlange amüsieren. Und nach ein paar Minuten ging es dann auch schiebender- und drückenderweise in den Bus, die Leute in der Schlange mussten zwar ihren Körper einsetzen, aber am Ende hat alles geklappt und die lange Reise konnte losgehen. Abfahrt war gegen 06.30 Uhr, in Sunyani waren wir gegen 14.45 Uhr wo wir den Bus nach Kumasi genommen haben, wo wir dann für die letzten Kilometer ins Tro-Tro umgestiegen sind um 18 Uhr total erschöpft zu Hause angekommen sind.

Wie ihr am Umfang der beiden Blogeinträge sehen könnt, hat sich der Ausflug in den Norden voll gelohnt. Ich habe richtig viel erlebt, tolle Sachen gesehen und eine tolle Zeit gehabt. Dies war aber erst der Anfang, in den nächsten Tagen gibt es dann die Berichte über meinen Kurztrip nach Accra und die Reise in die Voltaregion. Seid gespannt!

Bis dann,
Andreas

Tamale & Mole National Park

Vorhang auf zum nächsten Blogeintrag!

Die letzte Woche war geprägt von vielen tollen und wenigen nicht so tollen Erlebnissen und daher geht es sofort los. Ach ja, für die ganz Neugierigen: ja, ich habe Elefanten gesehen! Und ja, es war unglaublich toll!

Letzten Sonntag hat der Wecker schon um 05.00 Uhr geklingelt und nachdem die letzten Sachen gepackt waren, haben sich Sabrina, Ruven und ich auf den Weg gemacht, die Northern und die Upper East Region zu erkunden. Fabian konnte uns leider nicht begleiten, da er sich die letzten Tage nicht richtig fit und zu schlapp für die Reisestrapazen gefühlt hatte. Zu dritt ging es also zur Metro Mass Station (Die MM-Busse werden vom Staat subventioniert und sind daher besonders günstig, wenn auch nicht besonders komfortabel), wo wir den Bus nach Tamale erwischen wollten. Um kurz vor 6 Uhr waren wir da, aber leider zu spät für den Bus nach Tamale. Es sollte aber bald ein Bus nach Yendi fahren, der auch in Tamale halten würde. Zwar hat der Bus einen Cedi mehr gekostet, aber der ist auch egal, wenn man sich dafür eine unbestimmte Wartezeit sparen kann. Also, Ticket besorgt und wie sich herausgestellt hat, hatten wir noch ziemlich Glück, da nur noch fünf Plätze frei waren. Ein guter Start in den Tag und nach nur einer guten Stunde Wartezeit ging es dann gegen 07.30 Uhr los. Die Fahrt verlief problemlos und gegen 13.45 Uhr haben wir Tamale erreicht. Dort ging es dann mit dem Taxi zu unserem präferierten Guesthouse, das aber leider nur noch teure Zimmer frei hatte. Also weiter zur nächsten Möglichkeit und da hieß es erst mal auf das Personal warten, das gesammelt bei einer Taufe war. Der freundliche Wachmann ließ uns aber wissen, dass sie „very soon“ kommen würde. Der erfahrene Blogleser merkt hier natürlich auf und fragt sich, was dieses „sehr bald“ denn bedeutet. Tja, entgegen meiner Vermutung trudelte bereits nur eine Stunde später der Minibus mit der Rezeptionistin ein. Nachdem wir unsere Zimmer (mit eigener Dusche/WC, yeah!) bezogen hatten wollten wir eigentlich erst mal die Stadt erkunden, doch leider fing es genau dann an wie aus Eimern zu schütten. Und auch den restlichen Abend wollte es nicht mehr aufhören leicht zu tröpfeln. Und das sollte also der trockene und heiße Norden sein, von dem wir gelesen und gehört hatten!?!

Na ja, nach einem ausgiebigen Stadtrundgang haben wir den Tag dann bei einem Bier und Skat in der angeschlossenen „Jungle Bar“, einer Bar mit äußerst netter Atmosphäre und Musik in Zimmerlautstärke (!), ausklingen lassen. Zudem war ich bester Laune, da ich auch mittlerweile von einem durchaus überraschenden, aber sehr schönen Fußballergebnis Kunde erhalten hatte. Aber lieber 9 Tore in zwei Derbys kassieren als sang- und klanglos absteigen, sach ich mal. Dummerweise hatten wir unterwegs schon ein eher unbefriedigendes Abendessen genossen, denn in der Bar wurden auch durchaus lecker klingende Speisen für wenig Geld angeboten. Na ja, ich komme wahrscheinlich wieder, dann wird das mal ausgetestet.

Am Montag ging es dann wieder recht früh los, um 06.30 Uhr waren wir hoch motiviert unterwegs in Richtung Metro Mass Station. Laut Reiseführer gibt es täglich nämlich nur einen Bus zum Mole National Park und auch wenn der Bus erst am späten Mittag fährt, sollte man zeitig da sein, um ein Ticket zu ergattern. Zu Fuß ging es wieder Richtung City, da wir uns doch recht sicher waren den Weg zu finden. Aber wie sollte es anders sein, auf einmal sahen die Straßen doch etwas anders aus, als wir sie in Erinnerung hatten. Also flott einen Ghanaer gefragt, der uns auch direkt an die Hand genommen hat und uns so weit geführt hat, bis wir uns wieder orientieren konnten. Danke dafür, Unbekannter! Gegen 07.45 Uhr waren wir dann da und sind direkt zum Schalter. Und da Urlaub ja viel mehr Spaß macht, wenn alles klappt, haben wir dieses mal die Tickets 60-62 bekommen, bei insgesamt 63 Plätzen nenne ich das Timing 🙂 Und weil es gerade so gut lief, haben wir direkt mal beim Hotel im Nationalpark angerufen und uns ein Dreierzimmer für die kommenden zwei Nächte klargemacht. Tja, alles Wichtige war geregelt, jetzt hieß es warten. Der Bus sollte nämlich um 14 Uhr abfahren, wir wurden von ein paar Jugendlichen aber schon gewarnt, dass dies wohl eher ein frommer Wunsch ist und selten mit der ghanaischen Realität übereinstimmt. Also erst mal Frühstück, Karten spielen, über den gemütlichen Markt laufen, ein Internetcafé suchen, im Netz surfen, Mittag essen und sich mit Vorräten eindecken.

Während dieser Tour kam es dann auch zum unangenehmen Höhepunkt der gesamten Reise. Als ich einen Grill mit besonders ansprechendem Grillgut (Kuhschwanz & -füße, yammi!) fotografieren wollte, hat die Kamera nur ein unscharfes Bild gemacht. Und leider hat sich diese Unschärfe bis jetzt immer noch nicht gelegt, so dass der Apparat bereits Anfang Mai die Heimreise antreten wird und hoffentlich Ende Juni wieder zu mir zurückkommt. Hoffen wir das Beste! Solange müsst ihr natürlich nicht auf Fotos verzichten, ich werde einfach die Aufnahmen der anderen mopsen. Also, keine Sorge, ihr bekommt die wilden Tiere noch zu sehen…

Dann war es auch schon 13 Uhr und langsam wurde es spannend, ob der Bus denn pünktlich kommen würde. Tja, ich sage mal soviel, die Jungs hatten nicht gelogen. Anstatt um 14 Uhr fuhr der Bus schlussendlich erst gegen 16.30 Uhr. Was das Warten aber dieses Mal besonders schlimm gemacht hat war die Tatsache, dass ich nicht meinen ganzen Lesestoff schon jetzt verbrauchen und auch nicht Handy- und ipod-Akku leerspielen wollte. Zudem war es an diesem Tag auch richtig heiß, so wie es sich für diese Gegend gehört. Insgesamt also ein eher beschwerlicher Nachmittag. Irgendwann war ich so gelangweilt, dass ich den Sekundenzeiger meiner Uhr beobachtet habe und jeder Sekunde sinnlos vergeudeter Lebenszeit nachgetrauert habe. Ich wäre ein miserabler Afrikaner!

Als der Bus dann abfuhr haben wir uns erst mal ein wenig gewundert. Da dies ja der einzige MM-Bus in diese Richtung war, wurde wohl auch niemand zurückgelassen, der mitwollte. Jedenfalls standen im engen Mittelgang noch ca. fünfzehn Leute oder saßen auf ihrem Gepäck. Bei einer Reisezeit von drei Stunden für die meisten der Leute sicherlich kein großer Spaß und noch unangenehmer, die wir in der letzten Reihe zwischen unseren Rucksäcken und einer dicken Mama eingeklemmt waren.

Und weil die kaputte Kamera ja noch nicht genug war, entschloss sich mein verbliebener Ohrstöpsel (der erste hatte sich schon in der Vorwoche verabschiedet) auch noch den Geist aufzugeben. Somit hatte ich nun viel Zeit und jede Menge Musik, aber leider keine Möglichkeit mehr diese auch zu hören. Geschickterweise befanden sich meine Ersatzkopfhörer, die ich als ordentlicher deutscher Bürokrat natürlich vorsorglich mit nach Ghana gebracht hatte, bei Fabi in Denkyemuoso. Tolle Wurst!

Nun ja, nach nur vier Stunden waren wir dann im Motel, wo wir dann unser Zimmer bezogen und uns erst mal den Dreck des Tages (nicht wenig…) abgewaschen haben. Nach ein paar Ei- und Bananenbroten ging es dann auch schon ins Bett, schließlich sollte am nächsten Tag die Wildnis auf uns warten.

Endlich war mal ausschlafen angesagt und so bin ich erst um 6 Uhr aufgestanden. Da die anderen noch geknackt haben, habe ich die Gelegenheit genutzt das Gelände mal zu erkennen. Man kann es nicht anders sagen, das Motel ist einfach wunderschön gelegen. Es befindet sich auf einer Anhöhe und ist so ausgerichtet, dass man vom Pool (ja, ein Pool!) aus auf ein großes Wasserloch schauen kann. Dazu gibt es ein paar Meter weiter direkt am Hang eine kleine Aussichtsplattform mit ein paar Bänken, von denen man einen exzellenten Blick auf das eben erwähnte und ein zweites, kleineres Wasserloch hat. Außerdem gibt es noch ein Restaurant und eine Bar, die sich jedoch durch Touristenpreise auszeichnen, also nix für den sparsamen backpacker.

Auf meinem kleinen Rundgang bin ich dann auch direkt mal einem Affen begegnet, der auch einen kleinen Morgenspaziergang gemacht hat. Ist schon stark, die laufen einfach so über das Gelände, suchen nach was Essbarem und interessieren sich nicht für die Menschen, übrigens genauso wie die Warzenschweine. Total crazy. Um 7 Uhr sollte dann eigentlich unsere zweistündige Fuß-Safari durch den Park beginnen, aber wir ihr an der Formulierung schon erkannt habt, war dem nicht so. Es gab wohl nicht genug guides für die verschiedenen Führungen, so dass erst noch ein weiterer herbeitelefoniert werden musste. Na ja, mit 30 Minuten Verzögerung ging es dann los, mit uns im Schlepptau ein etwas anstrengendes, älteres Schweizer Paar. Es war insgesamt eine sehr schöne Tour, alleine die Landschaft war schon faszinierend. Eine Savannenlandschaft, die aber nicht so langweilig war, wie man sich das vorstellen könnte. Es gab verschiedene Bäume und Sträucher, dann mal eine größere Fläche ohne Bewuchs, ein ausgetrocknetes Flussbett, ein kleines Wasserloch, kleinere Waldstücke, etc. Und dazwischen sind wir dann immer mal wieder ein paar Tieren begegnet. Eine Pavianfamilie von links, eine Gazelle vor uns im Gebüsch, eine Antilope auf weiter Flur, die netterweise für Fotos posiert hat, immer mal wieder ein paar Warzenschweine auf der Suche nach was Essbaren und zwei-drei Krokodile am Wasserloch (die die Schweizerin geschickterweise durch ihr Gebrüll direkt vertrieben hat…). So weit alles spannend, toll und schön, aber ihr wisst ja sicherlich, dass ich an einem ganz bestimmten Tier interessiert war, ich wollte Elefanten sehen! Auf unserer Tour haben wir zwar Fußspuren und einen schönen Haufen Elefantenkot gesehen, aber von den Dickhäutern leider keine Spur. Auf dem Weg zurück zum Hotel hat unser guide uns aber damit getröstet, dass sie vielleicht mittags zum Wasserloch kommen könnten, um sich abzukühlen. Na ja, besser als nix. Zurück am Tourist Center wollten wir dann bezahlen gehen, als auf einmal aus Richtung der Aussichtsplattform ein anderer guide ankam und was von „elephants“ gebrüllt hat. Zusammen mit unserem guide sind wir natürlich sofort hin und da war er, der König der Tiere! Ein stattlicher Elefantenbulle der ganz gemächlich in Richtung des kleinen Wasserlochs, wo wir eine Stunde zuvor noch waren, stapft. Ich war hin und weg und konnte mein Glück kaum fassen, ich sehe einen Elefanten in freier Wildbahn. Olé olé, super Afrika! Und es kam noch besser, hinter dem ersten kamen noch zwei weitere Elefanten, die sich auch ihren Weg zum Wasserloch bahnten. Und da wir ja noch unseren guide hatten, konnten wir mit ihm sogar wieder ins Gelände gehen und näher zu den Tieren, einfach genial! Also schnell den Berg herunter und Richtung Dumbo. Und da standen wir nun, ca. 20-30 Meter von drei Elefantenbullen entfernt, die sich eine ausdauernde Matschdusche gönnen. Nachdem wir jede Menge Fotos gemacht haben habe ich mich dann einfach auf den Boden gesetzt und diesen unglaublichen Moment genossen. Im Zoo habe ich zwar auch schon Elefanten aus dieser Entfernung beobachtet, aber trotzdem ist das nicht zu vergleichen. Ich kann das auch kaum in Worte fassen, man muss es wohl selbst erleben. Ich war jedenfalls hin und weg und hätte noch Stunden dasitzen und die drei weiter beobachten können. Jedoch hieß es nach zwanzig Minuten wieder Abmarsch, was aber im Endeffekt gar nicht so schlimm war, da auch die Elefanten bald danach abgedampft sind. Voller Ekstase und Glücksgefühle haben wir dann noch den Souvenirshop durchstöbert und auch ein paar schöne Sachen gefunden und gekauft (z.B. ein Mitbringsel für die Mama). Danach gab es ein kleines Frühstück auf der Terrasse, bei dem wir einen der drei Elefanten noch bei einem ausgiebigen Bad beobachten durften, was will man mehr? Danach ging es zu den Aussichtsbänken und wir haben das Treiben an den zwei Wasserlöchern verfolgt. Und was soll ich sagen, besser als jeder Film. Erst einmal die tolle Landschaft, die sich bis zum Horizont erstreckt, am großen Wasserloch immer mal wieder ein paar trinkende Gazellen und Antilopen, dazu Krokodile die ihre Bahnen durchs Wasser ziehen. Und am zweiten Loch der dickhäutige Reinlichkeitsfanatiker, der sich den ganzen Vormittag abkühlt. Besser als jeder Kinofilm. Danach haben wir ne Runde im Pool geplanscht, ein bißchen gedöst und uns ausgeruht und konnten dabei immer wieder ein paar Affen und Warzenschweine beobachten, die durch die Gegend gestreunt sind. Nachdem wir was auf dem Zimmer gegessen haben, wollte ich dann nachmittags wieder zu Plattform in der Hoffnung, noch einen Elefanten zu sehen. Tja, aber ich musste gar nicht erst bis zu den Bänken. Als ich mich umgedreht habe, konnte ich noch das Hinterteil meines Zielobjekts sehen, wie es am Campingplatz vorbei Richtung Wald stolzierte. Schnell zurück zum Zimmer, die anderen geholt und hinterher. Man glaubt gar nicht, wie schnell ein gemütlich vor sich hintrottender grauer Riese ist, aber bei den Beinen auch kein Wunder. Wir hatten richtig Mühe hinterherzukommen, konnten ihn aber durch’s Dickicht beim Fressen beobachten, wenn auch leider nur von hinten. Aber trotzdem wieder ein faszinierender Moment, als ich das Tier entdeckt habe, das einfach so durch die Gegend spaziert und sich nicht für das Geschehen um ihn herum interessiert. Danach sind wir dann noch mal zur Plattform und haben ne gute Stunde lang die Aussicht und die Ruhe genossen und die Erlebnisse des Tages rekapituliert und wir waren uns einig, dass es viel besser nicht kommen konnte. Abends haben wir dann noch ein bißchen Karten gespielt bevor es dann ins Bett ging. Am nächsten Morgen sollte es nämlich wieder nach Tamale gehen. Wobei „Morgen“ nicht ganz stimmt, unser Bus sollte um 4 Uhr gehen und da der Nationalpark Ausgangsstation ist und der Bus schon am Vorabend ankommt, konnten wir davon ausgehen, dass wir auch wirklich pünktlich abfahren.

Tja, wie nicht anders zu erwarten ist das Elefantenabenteuer sehr ausführlich geraten. Von daher wird der Rest der Reise im nächsten Teil abgehandelt. Ihr könnt euch schon auf Krokodile, Hitze und Motorrollerausflüge freuen. Fotos werden wie gehabt nachgereicht.

Ich danke für eure Geduld und hoffe, dass ihr auch bald Elefanten sehen dürft.

Viele Grüße und bis bald,

Andreas

Buabeng-Fiema & Kintampo

So, und dann geht es auch schon direkt weiter mit Teil 2 des Berichts über unseren kleinen Ausflug. Da Maria in anderthalb Wochen wieder nach Deutschland fliegt und aufgrund ihrer Recherchen nicht so viel vom Land gesehen hat, haben wir die Gelegenheit genutzt und haben auf dem Rückweg die zahmen Affen von Buabeng-Fiema sowie zwei Wasserfälle in der Nähe von Kintampo besucht.

 

Mittwochmorgen ging es mit dem Bus zunächst nach Techiman, von wo es mit dem Tro-Tro über Nkoranza nach Fiema ging, wo sich das Besucherzentrum des Naturschutzgebiets von Buabeng-Fiema befindet. Aufgrund einer fast zweihundertjährigen Tradition leben die Menschen in diesen zwei Dörfern in Einklang mit den in den Wäldern lebenden Affen. Bei diesen handelt es sich um die Mona-Meerkatze und den schwarz-weißen Colobus. Während letzterer eher Scheu ist und sich die meiste Zeit im Geäst befindet, ist die Meerkatze ziemlich frech und zeigt keine Scheu vor Menschen. Dies ist auch der Grund, warum Buabeng-Fiema bei Touristen so beliebt ist. Jeweils morgens und abends wagen sich die Affen auf der Suche nach Essbaren nämlich ins Dorf und nehmen mit, was sie kriegen können. Auf unserer Tour waren wir auch zur passenden Zeit im Dorf und es war echt witzig, wie die Affen durch die Straßen gewetzt sind. Leider hatten wir nichts zu essen mit dabei, ansonsten wären die Affen laut Aussage unseres guides auch zu uns gekommen und hätten uns das Zeug aus der Hand gerissen. Aber ich werde sicherlich gegen Ende meines Aufenthaltes noch einmal hier hinfahren und es dann austesten. Und dann werde ich auch versuchen zwei Affen zu fangen und mitzubringen (versprochen, Micha!).

Nach dieser sehr schönen kleinen Tour, die uns auch zu recht beeindruckenden Bäumen und einem Affenfriedhof geführt hat, war erst mal Entspannen angesagt. Abends gab es dann was zu Essen (das erste Mal ungewürztes Essen in Ghana…) und dann bin ich auch schon um 20 Uhr eingeschlafen. Wie schon im WCHS war auch hier die abendliche Geräuschkulisse sehr schön, da das Besucherzentrum etwas außerhalb liegt und es dementsprechend ruhig war. Daran könnte ich mich wohl gewöhnen, aber selbst die Krawallschüler und die krähenden Hähne sind besser als die quietschende Straßenbahn in Bonn 🙂

 

Am Donnerstag ging es dann morgens zuerst nach Fiema, wo wir das Tro-Tro genommen hatten und leider zu spät kamen und die morgendliche Affenaction verpasst haben. Nachdem wir erstmal ein Dreiviertelstunde durch die Dörfer getuckert sind haben wir dann angehalten, weil es wohl ein Problem an linken Hinterreifen gab. Tja, und was macht man in so einer Situation. Richtig, man lädt noch drei weitere Fahrgäste ins bereits volle Tro-Tro, die sich auf die rechte Seite quetschen um somit die linke Seite zu entlasten. Das ist jedenfalls meine Theorie und da wieder ohne Probleme in Nkoranza angekommen sind, möchte ich mich auch gar nicht beschweren: Wer ankommt, hat schließlich Recht.

Von da aus ging es dann auf einer üblen Buckelpiste nach Kintampo. Und trotz der schlechten Straßenverhältnisse habe ich es geschafft während der Fahrt wegzunicken. Das hätte ich mir bei meiner Ankunft auch noch nicht vorstellen können, in Sachen Tro-Tro bin ich jetzt also voll assimiliert… In Kintampo angekommen haben wir uns für 10 Cedi ein Taxi gemietet, das uns zu den zwei Wasserfällen kutschiert hat. Dafür, dass wir insgesamt über zwei Stunden unterwegs kein ganz schlechter Preis. Na ja, zuerst ging es zu den Kintampo Falls. Erst gibt es zwei kleinere Stufen bevor der Fluss dann ca. 20 m herunterstürzt. Dort waren auch schon ca. 25 ghanaische Kids, die sich sehr gefreut haben, als die Weißbrote sich ihrer Klamotten entledigt hatten und auch zum Planschen ins Wasser gekommen sind. Besonders von Maria im Bikini waren die Herren angetan, so dass wir auch auf ein paar Fotos (Maria mehr, ich weniger) posieren durften. Auf jeden Fall war es ein großer Spaß sich das Wasser auf den Rücken prasseln zu lassen, auf den Steinen ein bißchen zu rutschen und im „Becken“ zu planschen. Und natürlich eine großartige Gelegenheit den Dreck der Fahrt und der letzten Tage ordentlich abzuwaschen. Und als wir schon wieder aus dem Wasser waren und uns fertig machen wollten, kam plötzlich unser Taxifahrer. Wir haben schon gedacht, dass er uns Beine machen wollte, damit wir endlich weiter können, aber nö. Stattdessen hat er seine Flip-Flops ausgezogen und ist in Jeans und T-Shirt erstmal im Wasserfall spielen gegangen, so dass wir noch in Ruhe picknicken konnten. Und nach 15 Minuten waren es dann wir die Spielverderber sein mussten und unseren driver von der Steinrutsche weggeholt haben. Sehr lustige Aktion auf jeden Fall!

Von da aus ging es dann zu den Fuller Falls, die etwas weiter außerhalb gelegen und nicht ganz so spektakulär sind, weshalb sie auch touristisch weniger erschlossen sind und es dementsprechend ruhiger ist. Ich persönlich fand diesen Wasserfall auch schöner, was vor allem daran lag, dass es dort deutlich entspannter zugeht. Nach dem zehn Meter hohen Wasserfall kommen noch zwei kleine Stufen, bevor der Fluss hinter ein paar aus Stein gehauenen Bänken und Tischen im Wald verschwindet. Alles sehr idyllisch und wunderbar gelegen, da komm’ ich gerne wieder. Nachdem wir uns auch dort noch einmal erfrischt hatten, ging es dann wieder zurück zur Station, wo wir uns dann ins Tro-Tro nach Kumasi gesetzt haben. Gegen 19 Uhr waren wir dann schlussendlich zu Hause, wo Sabrina und Ruven schon das Essen vorbereitet hatten. Ein perfekter Abschluss für einen tollen Kurztrip mit vielen schönen Erlebnissen.

 

Am Freitagmorgen ging es dann in die Schule, da an diesem Tag ja eigentlich die Mathearbeit geschrieben werden sollte. Aber, welch Überraschung, während meiner Abwesenheit haben sich die Pläne mal wieder geändert und die exams finden jetzt doch an den eigentlichen Terminen statt. Immer mal wieder was Neues, aber ich bin’s ja mittlerweile schon gewohnt. Also, Mathe wird jetzt zum Abschluss am Donnerstag geschrieben, ich bin mal gespannt, wie die Ergebnisse ausfallen. Den Rest des Vormittages habe ich mit Waschen zugebracht, es hat sich dann doch ein bißchen angesammelt, auch wenn ich versuche jede Woche zumindest einen Eimer zu waschen.

 

Am Samstag habe ich mich dann zum ersten Mal ans Fufuo-Stampfen gewagt. Wie ihr ja alle wisst ist Fufuo – ein pappiger Kloß aus Kochbananen und Cassava – das ghanaische Nationalgericht. Und das Ganze muss 20-30 Minuten gestampft werden, während eine zweite Person den Teig immer wieder zusammenfaltet. Ich habe mir dann mal den Stempel geschnappt und ein bißchen gestampft. Ganz schön anstrengend das Ganze, wenn man das regelmäßig macht, ist man auf jeden Fall fit. Und dann macht man sich auch keine Sorgen mehr, der zweiten Person die Finger zu plätten. Na ja, Übung macht den Meister…

Danach ging es dann nach Kejetia auf den schon mal erwähnten Markt. Nachdem Sabrina und ich ne halbe Stunde durch die engen Gänge geirrt sind haben wir dann auch endlich die Sektion mit den Stoffen gefunden. Jedoch habe ich bis auf eine Fehlinvestition nichts gekauft. Demnächst wird aber zugeschlagen, damit ich auch mit ein paar schicken afrikanischen Hemden nach Hause komme.

 

Am Sonntag war es dann so weit, wir haben Maria zum Busbahnhof gebracht und verabschiedet. Sie wird noch zehn Tage in Accra verbringen, bevor es für sie nach Hause geht. Doch jeder Abschied bringt auch etwas Positives mit sich, wobei ich mich durchaus als Nutznießer ihres Abschiedes bezeichnen kann. Ich habe Maria nämlich ihren Internet-Stick abgekauft und muss in Zukunft nicht mehr ins Internetcafé oder zur Uni, um dort ins Netz zu kommen. Es wird also öfters mal ne Mail geben und chatten ist sicherlich auch drin, ihr könnt euch ja einfach melden, dann gibt’s exklusive Infos 😉

 

Tja, und das war es dann auch bisher. Diese Woche stehen dann ganz im Zeichen der Examen, bevor dann die Ferien losgehen. Und auch in Ghana bedeutet Ferienzeit Reisezeit, jedenfalls für uns. Sobald die Arbeiten korrigiert sind, machen wir uns auf den Weg in den Mole Nationalpark und in den Norden Ghanas. Bis zum nächsten Blogeintrag kann es also ein bißchen dauern, aber dann gibt’s hoffentlich wieder schöne Reiseerlebnisse und mit ein bißchen Glück auch einen Bericht von einer Begegnung mit Elefanten. Also, drückt mir die Daumen!

 

Lasst es euch gut gehen und bekommt keinen Sonnenbrand im sommerlichen Deutschland.

 

Andreas